Streit um eine gefällte Esche

von Redaktion

Der Bund Naturschutz kritisiert Fällung, Gemeinde Aschau verteidigt sich

Aschau – Bäume sind wichtig fürs Klima: Sie speichern CO2, produzieren Sauerstoff, spenden Schatten und senken so die Umgebungstemperatur. Zudem schützen sie den Boden vor Erosion und speichern Wasser. Wer Bäume pflanzt, leistet damit einen wichtigen Beitrag fürs Klima.

Ein Ansatz, den die Öko-Modellregion Mühldorfer Land mit ihrer Aktion „Wir pflanzen einen Baum“ verfolgt. Jedes Jahr werden dabei viele neue Bäume in der Landschaft gepflanzt.

Landschaftsprägende
Bäume schützen

Besonders am Herzen liegen der Kreisgruppe Mühldorf vom Bund Naturschutz sogenannte „landschaftsprägende Bäume“. Umso größer ist nun die Kritik des Verbands wegen eines gefällten Baums in der Gemeinde Aschau: Entlang der Howaschen wurde eine Esche gefällt, die nach Ansicht des Bund Naturschutzes einen „echten Verlust für Mensch und Natur“ bedeutet. Ein Apfelbaum auf der anderen Seite der Howaschen wurde ebenfalls gefällt.

Solche Bäume prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern erfüllen auch wichtige ökologische Funktionen, betont der Verband. Vögel hätten dort genistet und Spaziergänger hätten sich im Herbst über die Äpfel gefreut. „Beide Bäume standen landschaftsprägend in der freien Feldflur“, erklärt die Kreisgruppe in einer Mitteilung.

Gerade für solche markanten Einzelbäume fordert der Verband mehr Schutz. Zwar sei ihm bewusst, dass solche Bäume den „immer größer werdenden Landmaschinen“ gelegentlich im Weg stünden und ein völlig freies Wachstum der Krone nicht immer möglich sei. Dennoch dürfe dies nach Ansicht des Verbands nicht dazu führen, „einfach zur Motorsäge zu greifen und das störende Objekt zu beseitigen“. Kritisiert wird, dass „eine gesunde Esche zunächst völlig unsachgemäß eingekürzt“ und schließlich ganz gefällt wurde. Durch einen sachgemäßen Rückschnitt hätte die Fällung der Bäume aus Sicht der Kreisgruppe vermieden werden können.

Ein Ersatz durch einen neugepflanzten Baum sei zwar grundsätzlich wünschenswert, könne den Verlust aber nicht so schnell ausgleichen, führt der Verband aus. Denn: Ein neuer Baum werde zu Lebzeiten der meisten Spaziergänger an der Howaschen „kaum wieder landschaftsprägende Größe“ erreichen.

Nach Einschätzung des Bund Naturschutz handelt es sich bei solchen Baumfällungen meist um „Einzelfälle“. Deren negative Wirkung nach außen dürfe jedoch nicht unterschätzt werden. Dass eine solche „rücksichtslose Schädigung der Natur“ eine Ausnahme sei, zeige die rege Beteiligung vieler Grundeigentümer an der Aktion „Wir pflanzen einen Baum“. Auch die Gemeinde Aschau hat nicht nur im Rahmen dieser Initiative einen neuen Baum gepflanzt.

Es gab keine Alternative
zur Fällung des Baums

Die gefällte Esche stand zwar auf Privatgrund, die Hintergründe sind jedoch auch Bürgermeister Christian Weyrich bekannt. Bereits vor Weihnachten sei die Esche stark zurückgeschnitten worden, da viele Äste marode gewesen seien. „Der Gedanke war, kranke und verfaulte Teile des Baums zu entfernen – in der Hoffnung, dass sich der Baum wieder erholen kann“, erklärt Weyrich auf Nachfrage.

Dass der Baum kurz nach Weihnachten schließlich gefällt wurde, hat sich erst zu einem anderen Zeitpunkt ergeben. „Turnusmäßig fand eine Brückenprüfung statt“, erklärt Weyrich. „Bei der wurde festgestellt, dass das Wurzelwerk des Baums die Brücke angreift.“ Eine Alternative zur Fällung habe es nicht gegeben.

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