„Mein Geist jubelt!“

von Redaktion

Großartige Präsentation von John Rutters „Magnificat“ in der Christkönigkirche

Waldkraiburg – Der mächtige Kirchenraum von Christkönig bot den idealen Rahmen, denn vieles war gewaltig in diesen Spätnachmittagsstunden: Da stellte sich die Chorgemeinschaft Burghausen zusammen mit dem Projektchor des Waldkraiburger Pfarrverbandes im Altarraum auf, eine Schar von über 60 Sängerinnen und Sängern.

Vor ihr nahm das Kammermusikorchester mit seinen 15 Personen Platz, bestehend aus großartigen Solisten wie Geigerin Beatrix Bene, Querflötist Ferenc Selim Bene und Harfenistin Annelies Brandstätter aus Waldkraibrug oder Elisabeth Überacker und Barbara und Peter Wapler aus Mühldorf, um nur einige der Künstler namentlich zu nennen. Dazu im Vordergrund Peter Höngesberg an seiner Orgel und schließlich Martin Nyquist, seit 2022 hauptamtlicher Kirchenmusiker im Waldkraiburger Pfarrverband und gleichzeitig auch Leiter der Burghauser Chorgemeinschaft. Erinnern konnten sich fleißige Kirchenmusikbesucher, denn der Organist wie auch Martin Nyquist und seine Frau Cecilia, ja sogar ein Song John Rutters, waren ihnen von einem Konzert in Pürten im Vorjahr bekannt. So war Pater Walter Kirchmann zusammen mit den vielen Besuchern voller Erwartung, als er in seiner Begrüßung allen „eine wohltuende Streicheleinheit für die Seele“ wünschte. Und dies erfüllte der Chor bereits mit seiner Darbietung von Johannes Brahms‘ „Es flog ein Täublein weiße“, bei dem besonders die Sopranstimmen einfühlsam „der Jungfrau zart“ galten, die von ihrer großen Aufgabe, die auf sie zukommt, noch nichts weiß. Im Anschluss bot Peter Höngesberg, vielseitiger Kirchenmusiker aus Traunreut, mit Bravour das Pastorale in F-Dur von J.S.Bach in seinen zwei Teilen. Neugierig war man danach auf die Eigenkomposition seines Waldkraiburger „Amtskollegen“ Nyquist „O Magnum Mysterium“, dem „großen Geheimnis“ um die Jungfrau Maria, die würdig war, Christus, den Herrn zu tragen. Begleitet von Chor, Querflöte und Orgel kam dabei Cecilia Roh-Nyquist zum ersten Mal zum Einsatz, die mit ihrem ausdrucksstarken und trotzdem schmiegsamen Sopran den gewaltigen Kirchenraum wundervoll füllte und die Zuhörer auf Anhieb begeisterte. Gefühlvoll vom Komponisten in das „große Geheimnis“ eingebaut: „Es ist ein Ros entsprungen“. Und die Erwartungshaltung des Publikums stieg, denn als Hauptwerk stand John Rutters siebenteiliges „Magnifikat“ auf dem Programm. Der zeitgenössische britische Komponist ist längst einer der bedeutendsten und populärsten Kirchenmusiker. Er versteht es, geschickt traditionelle Chormusik mit Elementen von Jazz und Pop sowie eingängige Melodien vielschichtig harmonisch miteinander zu verbinden. Furios der Auftakt beim „Magnifikat anima mea“, von den Streichern stakkatoartig unterstrichen, bis sich Männer- und Frauenstimmen zum Preisgesang steigerten: „Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter!“ Von der lieblichen Rose handelt der umfangreiche zweite Teil, in dem zunächst sogar die Männerstimmen „lovely“ zart wurden. Er schildert, wie der Rosenstrauch mit seinen Zweigen der Menschheit das Heil der Welt bringt. In diesem Part wie auch in den folgenden Teilen festliche Glanzlichter, welche die Sopranistin setzen konnte: Stilsicher in der Artikulation und im wahrsten Sinn des Wortes auch in den höchsten Tönen ausdrucksstark. Kraftvoll danach, unterstützt von Trommeln, der Beginn von „Quia fecit mihi magna“: „Der Mächtige hat Großes an mir getan“, teils sanft wiegend, dann sich heftig steigernd mit erfindungsreichen Rhythmen, wie sie auch im folgenden „Et misericordia“ zu hören waren.

Dominierend setzten im „Fecit potentiam“ Cello und Kontrabass ein und noch einmal brillierte Frau Nyquist in den „Esurientes“, in denen die Hungernden beschenkt werden und die Reichen leer ausgehen. Alles deutete danach den triumphalen Schlussakkord des „Magnificat“ an, das „Gloria Patri“. Bei ihm holte der Dirigent noch einmal alles aus seinen Chören und dem Musikensemble heraus: „Heilige Maria, mögen alle deine Hilfe spüren – jetzt und in alle Zeit.“ Selbst nach diesem Mammut-Programm, dem ein halbes Jahr Probenarbeit vorausgegangen war, ließen es sich die Künstler nicht nehmen und setzten als Zugabe mit dem beliebten englischen Lied „Joy to the World“ einen Schlussakkord. Dabei spürte man ein Losgelöstsein, eine berechtigte Zufriedenheit bei allen Mitwirkenden. Es endete im jubelnden Beifall des Publi- kums, das sich reich beschenkt aus Christkönig verabschiedete.

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