Polling – Die Anwohner am Moosschneiderweg in Polling sind sauer. Sauer über den Zustand des Weges zu ihren Häusern; sauer, dass sie nur Dreck, Staub und Schlaglöcher erleben, Angst um ihre Autos haben müssen und vonseiten der Gemeinde aus ihrer Sicht nichts passiert sei.
Bei dem Moosschneiderweg handelt es sich um einen öffentlichen Feld- und Waldweg, der von der Mühldorfer Straße kurz vor Moos rechts abgeht. Rund 450 Meter führen schnurstracks zu ein paar Häusern am Ende eines Stichweges. Dazwischen macht der Weg einen Knick und mündet im oberen Teil in die Straße zwischen Monham und Unterflossing: ein Schleichweg für Einheimische und Landwirte, wenn der Weg befahrbar ist.
Schulweg
durch den Schlamm
Doch genau das ist das Problem. Der Weg sei immer wieder in einem miserablen Zustand, erzählen die Anwohner im unteren Teil. Sieben Familien, rund 20 Pollinger leben hier, erzählen sie. So auch Günther Serschen mit seinen hochbetagten Eltern: „Pflege- und Haushaltsdienst haben schon gesagt, dass sie nicht mehr zu meinen Eltern fahren wollen, weil sie Angst um ihre Fahrzeuge haben.“
Schrittgeschwindigkeit sei hier das Höchste, trotzdem seien sie in Angst um den Auspuff; beim Ausweichen drohen sie ständig in einem Gartenzaun oder im Graben zu landen, vor allem wenn die Bauern mit ihren Maschinen hier langfahren, berichten sie. „Auch für Krankenwagen ist das nicht ideal“, ergänzt Tanja Liebl-Gschwind, auch Radfahren sei teilweise nicht mehr möglich.
Oben an der Straße zwischen Monham und Unterflossing hält der Schulbus von Liebl-Gschwinds Tochter. Sie müsse dieses Stück zu Fuß gehen, der Weg sei nur noch verschlammt, erzählt Liebl-Gschwind. „Sie geht nur noch mit Gummistiefeln.“ Erst an der Haltestelle ziehe ihre Tochter normale Schuhe an. „Der Weg zur Bushaltestelle ist grausam.“
Die Zustände im Moosschneiderweg sind der Gemeinde bekannt. Bürgermeister Lorenz Kronberger hatte sie zuletzt im Oktober im Gemeinderat angesprochen: „Die Schlaglöcher werden von uns immer wieder hergerichtet. Wir machen, was möglich ist.“ Zu wenig, meinen Liebl-Gschwind und ihre Nachbarn.
Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen schreibt Bürgermeister Kronberger, dass die Straßenbaulast bei Feld- und Waldwegen wie dem Moosschneiderweg grundsätzlich bei den Eigentümern der angrenzenden Grundstücke liege. Die Gemeinde beteilige sich jedoch wie bei anderen Anwohnerwegen „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ am laufenden Unterhalt. „Ein Rechtsanspruch auf eine dauerhafte oder wiederholte Instandsetzung besteht nicht“, so Kronberger. Die Kosten könne er nicht beziffern, „da diese vom jeweiligen Reparaturbedarf abhängen“.
Ständiges Aufkiesen oder Rollsplitt seien keine Lösung für den Weg. Darin waren sich die Gemeinderäte im Oktober einig. „Das einzige Mittel der Wahl ist eine Asphaltierung“, hatte Kronberger damals schon gesagt. Aber: Die Anwohner müssten sich an den Kosten beteiligen. „Doch das wollen nicht alle.“
Die Anwohner im unteren, 450 Meter langen Stück wären dazu durchaus bereit, versichern sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Ich zahle gerne“, sagte Serschen immer wieder: „Ich erlebe seit Jahrzehnten hier nur Dreck und Staub. Irgendwann reicht‘s.“
2018 und 2019 sei eine Asphaltierung den Anwohnern am gesamten Weg schon einmal angeboten worden, schreibt Kronberger. Damals hätte das Amt für Ländliche Entwicklung die Kosten mit 75 Prozent gefördert: „Das Vorhaben scheiterte letztlich sowohl an fehlenden Grundstücksflächen als auch an der mangelnden Zustimmung einzelner Grundstückseigentümer.“ Nach Aussagen der Häusler im unteren Teil wollten Landwirte aus dem oberen Teil nicht zahlen.
Ganz vom Tisch ist das Thema noch nicht: „Eine Asphaltierung des Weges ist grundsätzlich möglich, sofern sich die Anwohner an den Kosten beteiligen“, schreibt Kronberger. Die Eigentümer müssten die benötigten Flächen „kostenlos und notariell an die Gemeinde abtreten“. Ohne Förderung würde die Gemeinde 40 Prozent der Kosten tragen, die Anlieger 60 Prozent. Kronberger: „Diese Regelung ist den Anwohnern bekannt.“
Kritik an
Landwirten
Nutznießer wären die Bauern. Die würden – sobald der Weg in Ordnung sei – hier „wie die Deppen“ fahren, sagt ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Sobald die Straße kaputt ist, fahren sie wieder außen herum.“
Sollte der Weg asphaltiert werden, müssten die Bauern, die zu ihren Wiesen oder Wege abkürzen wollen, dafür nichts bezahlen. „Eine rechtliche Möglichkeit, die Unterhaltskosten des Weges auf die landwirtschaftlichen Nutzer umzulegen, besteht nicht“, schreibt Kronberger. „Die Gemeinde kann hierfür keine gesonderten Beiträge erheben.“
„Die Anwohner sind die Deppen, die zahlen“, bringt es Serschen auf den Punkt. Trotzdem schweben ihm und seinen unmittelbaren Nachbarn eine Minimallösung vor: wenigstens die 450 Meter von der Mühldorfer Straße bis zum Ende der Stichstraße zu asphaltieren. Als der Kanal hier verlegt wurde, sei die Straße ja schon entsprechend vorbereitet worden.
Serschen, der nach eigenen Angaben aus der Baubranche kommt, schätzt die Kosten dafür auf 60.000 bis 70.000 Euro: „Das ist pro Nase eine bezahlbare Summe. Ich bin immer dabei.“
„Es muss doch eine Lösung geben, mit der man leben kann“, unterstreicht Liebl-Gschwind. „Ich bin für alles offen. So kann es nicht mehr weitergehen.“
Vielleicht zeichnet sich für die Anwohner tatsächlich ein Hoffnungsschimmer ab. Im Oktober hatten die Gemeinderäte mehrheitlich beschlossen, dass sich der Bauausschuss den Weg vor Ort anschauen soll. Dieser Ortstermin ist jetzt für Samstag, 24. Januar, ab 14 Uhr angesetzt. Dann lässt sich vielleicht schon die erste Kritik von Liebl-Gschwind aus der Welt räumen: „Mit uns redet keiner.“
„Wir möchten einfach ohne Schlaglöcher leben“, fasst Angelika Haberl den Wunsch der Anwohner zusammen. „Da muss irgendwas passieren“, unterstreicht Serschen, „wenn es geht, in diesem Leben noch“.