Aschau – Kindern und Jugendlichen geht es psychisch weiterhin schlechter als vor der Corona-Pandemie. Zu diesem Ergebnis kam 2024 eine Umfrage der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig. In Aschau wird schon in der Grundschule auf die psychische Gesundheit der Kinder Wert gelegt. Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet deswegen Jennifer Nikitin als Jugendsozialarbeiterin an der Grundschule. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates hat die 31-jährige Sozialpädagogin auf Wunsch des Gremiums sich und ihre bisherige Arbeit vorgestellt.
Kinder in
persönlichen Krisen
Die Jugendsozialarbeit (JaS) soll die Integration der Kinder unterstützen und ihnen beim Bewältigen von Problemen helfen, erklärte Nikitin. Die 31-Jährige hilft Kindern, wenn sie sich in persönlichen Krisen befinden. Das könne beispielsweise nach dem Tod einer nahestehenden Person sein, erklärt die Sozialpädagogin. Auch bei psychosozialen Auffälligkeiten, wie ADHS oder Autismus werde Nikitin aktiv. Andere Kinder wiederum hätten schulische oder familiäre Probleme, wie Streit mit Klassenkameraden oder die Trennung der Eltern. Nikitin unterstütze Kinder auch, wenn sie Schulangst hätten oder ausgegrenzt würden, erklärt sie. Durch frühzeitiges Eingreifen hätten so bereits Formen von Mobbing verhindert werden können. Auch dass Schüler aufgrund ihres Migrationshintergrunds diskriminiert wurden, konnte laut Nikitin durch Einzelgespräche und ein Projekt unterbunden werden. Wichtig bei ihrer Arbeit ist für die Sozialpädagogin, dass Lehrkräfte und Eltern eingebunden werden. Auch sie können sich bei Problemen oder Fragen an Nikitin wenden. „So kann hier eine Zusammenarbeit stattfinden“, sagte die 31-Jährige. Im Jahr 2025 betreute Nikitin laut eigenen Angaben 39 Einzelfälle, also Kinder, die mindestens dreimal Rat bei der Sozialpädagogin gesucht hatten, und 35 Kurzkontakte (oftmals wegen Streitereien), bei denen das Problem schnell gelöst werden konnte. „Etwa die Hälfte der 170 Kinder an der Grundschule habe ich schon im beruflichen Kontext kennengelernt. Das ist schon eine hohe Zahl“, sagte Nikitin.
Auch manche Gemeinderäte zeigten sich erstaunt darüber. Die Leiterin der Grundschule, Kristin Wolf, erklärte dazu, dass das Angebot der Sozialpädagogin sehr gut angenommen worden sei. Nikitin habe mit „viel Empathie und ihrer offenen Art“ sowohl die Kinder als auch die Eltern und das Kollegium für sich gewonnen. „Wir sind sehr dankbar, dass die Gemeinde uns in diesem Punkt unterstützt“, sagte Wolf.
Nikitin ergänzte, dass auch wenn die Zahl der Kontakte hoch sei, nicht alle Themen der Schüler schwer wiegen würden.
Die meisten Kinder (42) hatten laut der Sozialpädagogin Beziehungsprobleme und Konflikte. „Viele von ihnen hatten jedoch auch andere Baustellen“, so Nikitin. Am zweithäufigsten (24 Fälle) hatten Schüler Probleme im Feld der persönlichen und emotionalen Entwicklung. 18 Kinder fielen schulisch auf, beispielsweise indem sie oft zu spät kamen oder ihr Schulzeug nicht dabei hatten. 16 Schüler kamen wegen familiärer Probleme zu Nikitin und bei drei Kindern konnte die Sozialarbeiterin frühzeitig bei ersten Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung eingreifen, wodurch die Fälle behoben werden konnten. Hierbei habe es sich jedoch noch nicht um einen Grad gehandelt, den Nikitin hätte ans Jugendamt melden müssen, erklärte sie. „Durch externe Partner, wie die Erziehungsberatungsstelle oder die Kinderpsychiatrie, konnten wir die Probleme früh genug in Angriff nehmen“, so die 31-Jährige. Gemeinderätin Barbara Bischoff (AWG) wollte wissen, zu welchen Zeiten die Schüler zur Sozialpädagogin kommen können. „Meine Türe steht offen“, erklärte Nikitin. Kinder könnten jedoch nur in Absprache mit den Lehrern die Klasse verlassen. „Wenn gerade etwas Wichtiges durchgenommen wird, dann geht es auch mal in diesem Moment nicht“, sagte die Sozialpädagogin. „Wenn ich mal nicht da bin, habe ich auch einen Briefkasten. Dort können die Schüler mir eine Nachricht hinterlassen.“
Lob für engagierte
Sozialarbeiterin
Alexandra Kutschera (Bündnis Aschau) lobte die Arbeit von Nikitin. „Durch Corona kamen auch soziale Lücken bei den Kindern auf. Hier war schnell klar, dass man hierfür etwas in den Schulen installieren muss. Ich finde es ganz wichtig, dass wir so etwas haben“, sagte sie. Die Gemeinderätin wollte noch wissen, ob Nikitin eine Art kurze Leitung zu psychosozialen Angeboten habe und schneller einen Termin bekomme. „Bei den kinder- und jugendpsychologischen Ambulanzen wie am kbo-Heckscher-Klinikum gibt es auch Notfalltermine. Hierbei unterstütze ich auch die Eltern. Bei dauerhaften Therapieplätzen geht es nicht schneller, auch wenn ich mithelfe“, erklärte Nikitin.
Auch Bürgermeister Christian Weyrich (CSU) hob das Engagement von Jennifer Nikitin hervor. „Schön, dass Sie auch ‚out of the box‘ denken und so den Kindergarten und die Nachmittagsbetreuung einbeziehen“, sagte er.