Mühldorf – Das ehemalige Sümö-Gelände ist ein Grundstück in bester Lage zwischen Mühldorfs Altstadt und Inn. Genutzt wird das über 30.000 Quadratmeter große Areal bisher aber eher stiefmütterlich: als Parkplatz und Standort des fast abrissreifen Hallenbads. Dazu gibt es noch einen eher mittelprächtigen und eher wenig besuchten Inn-Stadt-Park mit Spielplatz und als Hingucker die im Frühling viel fotografierte Kirschblüten-Allee.
Seit Jahren wird überlegt, was man aus dem Grundstück machen könnte. Wohnungen, Parkhäuser, Lebensmittelmarkt und Gewerbenutzung wurden angedacht. Im Jahr 2022 brachte ein Ideenwettbewerb etwas Schwung in die Sache.
Der Campus der TH Rosenheim befindet sich aktuell im Industriegebiet, mit einem Mietvertrag, der bis ins Jahr 2045 läuft. Wenn die Mühldorfer Hochschule mit steigender Studentenzahl wachsen soll, dann muss sie entweder am jetzigen Standort erweitert oder an anderer Stelle neu und größer gebaut werden – dafür hat die Stadt ein Grundstück an der Harthauser Straße hinter der Mittelschule reserviert.
Mitte 2023 brachte die CSU den Vorschlag, den Campus aus Mühldorfs Norden mitten in die Stadt auf das Sümö-Gelände umzusiedeln. Damit begann die Diskussion über das Areal nach jahrelanger Vorarbeit von Neuem, bis heute ohne ein Ergebnis.
Jetzt ist die Debatte um den richtigen Standort für den Mühldorfer Campus erneut entbrannt. In beiden Bürgerversammlungen war er ein Thema. Der Bürgermeister verwies darauf, dass es ein fertiges Gutachten der TH gebe, dessen Veröffentlichung aber auf nach der Kommunalwahl am 8. März verschoben wurde. Erst danach würden er, die Stadtverwaltung und die Öffentlichkeit erfahren, „welcher der vier Standorte vorangetrieben werden soll“, so Hetzl. Seit der Podiumsdiskussion der vier Bürgermeisterkandidaten ist die ungelöste Campus-Frage zum Wahlkampf-Thema geworden. Alle vier wurden im Haberkasten nach ihrer Vision für das Sümö-Gelände befragt, da kam auch der Campus zur Sprache. Bürgermeister Michael Hetzl (UM) sagte, dass es bereits ein Gutachten der TH gebe.
Das hätte im Dezember veröffentlicht werden sollen. Laut Hetzl habe Landrat Max Heimerl (er ist Vorsitzender des Hochschul-Zweckverbands, Anm.d. Red.) die Veröffentlichung verschoben. Hetzl mutmaßte, dass Sümö wohl nicht der empfohlene Standort sei – entgegen den Vorstellungen der CSU.
CSU-Kandidat Stefan Lasner, von dem die Innenstadt-Idee stammte, zeigte sich sehr überrascht, dass Hetzl die Öffentlichkeit mit Untersuchungsergebnissen konfrontiere, die noch gar nicht bekannt seien.
Die Herausforderin der SPD, Claudia Hungerhuber, will die Campus-Ansiedlung im Sinne junger Leute zumindest prüfen und war ebenfalls verwundert: „Ich höre zum ersten Mal, dass die Standort-Analyse da ist“. Auch Christoph Schützenhofer (Grüne) wusste nichts davon. Hetzl wurde daraufhin noch konkreter: Die TH habe ein Raumprogramm erarbeitet. „Herr“ darüber sei der Landrat. Für einen Campus mit einem Platzbedarf von 7.000 Quadratmetern sowie 700 Parkplätzen und 100 Wohnungen und einen Park für die Bürger, reiche der Platz nicht aus. „Das passt nicht zusammen“, stellte er fest. Man solle sich auf reelle Visionen einigen. Die Wahl habe der Wähler.
Zur Diskussion rund um Campus, TH-Gutachten, Terminverschiebung und seiner Rolle in dem Ganzen haben die OVB-Heimatzeitungen Landrat Max Heimerl, der auch Vorsitzender des Zweckverbands Hochschulcampus Mühldorf-Waldkraiburg ist, befragt. „Die TH Rosenheim erstellt derzeit noch keine Standortanalyse, sondern ein sogenanntes ,Raum- und Funktionsprogramm‘“, stellt Heimerl klar. Dieses Programm definiere den Bedarf für den zukünftigen Campusbetrieb und diene als Grundlage für die von der Stadt Mühldorf zu beauftragende Standortanalyse im Rahmen der Städtebauentwicklung beziehungsweise -förderung.
„Deshalb stellt das ,Raum- und Funktionsprogramm‘ auch noch keine Vorentscheidung für oder gegen einen Standort dar“, fährt er fort. „Das bleibt laut Hochschulleitung einer detaillierten Standortprüfung vorbehalten, die in einem weiteren Schritt erfolgt.“
„Die Ergebnisse des Gutachtens zum ,Raum- und Funktionsprogramm‘ werden derzeit hochschulintern geprüft und liegen mir daher auch noch nicht vor“, betont Heimerl. Sie sollen bei einem voraussichtlich Anfang April stattfindenden Termin präsentiert werden, an dem Vertreter der Hochschule, des Zweckverbands und der Stadt Mühldorf teilnehmen werden. „Dieser Termin war ursprünglich für Dezember vorgesehen, wurde aber auf Wunsch der Hochschule verschoben.“ Christa Latta