Oberneukirchen/München – Der Bayerische Landessportverband (BLSV) hat auf Antrag des Mühldorfer Kreisverbandes ein Anhörungsverfahren gegen den stellvertretenden BLSV-Kreisvorsitzenden Martin Wieser eingeleitet. Das teilen Christian Wanner von der BLSV-Stabsstelle Verbandskommunikation und der Mühldorfer Kreisvorsitzende Erwin Zeug auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen und von innsalzach24.de mit.
Anlass ist der Strafbefehl gegen Wieser, den der Sportfunktionär im November akzeptiert hat; damit ist Wieser wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher und terroristischer Organisationen verurteilt. Im Zuge dieses Verfahrens bringt Wieser auch noch den gesamten Mühldorfer BLSV-Kreisvorstand in Erklärungsnot.
BLSV-Präsidium prüft die
Zukunft von Martin Wieser
„Der BLSV als Dachverband des organisierten Sports in Bayern ist gemäß seiner Satzung verpflichtet, im vorliegenden Fall ein Anhörungsverfahren durchzuführen“, schreibt Wanner. „Dies ist bereits eingeleitet worden.“
Der Mühldorfer Kreisvorstand habe das Verfahren in seiner Sitzung am 13. Januar beantragt, erzählt Zeug und spricht von einem „Amtsenthebungsverfahren“. Er habe Wieser darüber informiert und der habe das akzeptiert. Wieser hatte laut Wanner bis zum Dienstag, 20. Januar, Zeit, „die notwendigen Unterlagen zur Prüfung des Sachverhaltes“ zu liefern. Ob er diese Frist eingehalten hat, haben bis zum Redaktionsschluss weder Wanner noch Wieser mitgeteilt.
„Im Anschluss wird das Präsidium zum weiteren Umgang mit Herrn Wieser eine Entscheidung treffen können“, teilt Wanner mit. Die entsprechende Sitzung sei für Mittwoch, 28. Januar, angesetzt.
Laut Paragraf drei Nummer sieben seiner Satzung wendet sich der BLSV gegen „verfassungs- und fremdenfeindliche Bestrebungen“. Sollte ein BLSV-Funktionär dagegen verstoßen, kann das Präsidium einen Funktionär seines Amtes entheben. So steht es in Paragraf 21 Nummer vier der Satzung.
Wieser, der für die in Teilen rechtsextreme AfD im Kreistag und Bezirkstag sitzt, hat in der Vergangenheit auf Facebook mehrfach mit Chiffren der Rechtsextremen zumindest kokettiert: Geburtstagsglückwünsche für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck, ein Like am Geburtstag von Adolf Hitler für eine historische Aufnahme von dessen Geburtshaus, Fanbekundungen für den österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner und Björn Höcke, der Faschist genannt werden darf. Wieser gab sich auf Nachfrage immer unschuldig, unwissend und betonte: „Ich weise klar darauf hin, dass ich kein Rechtsextremist bin.“
Im April 2024 hat Wieser auf Facebook auch die verbotene NS-Parole „Alles für Deutschland“ verwendet, als Höcke wegen dieser Parole in Halle vor Gericht stand. Dafür bekam Wieser im August 2025 einen Strafbefehl, den er im November 2025 schließlich akzeptiert hat. Damit ist Wieser wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen verurteilt.
Als erste Reaktion hatte die BLSV-Kreisvorstandschaft am 14. August beschlossen, „dass das Amt von Martin Wieser ruht“, schreibt BLSV-Sprecher Wanner. „Die Kontaktdaten wurden dann im Anschluss von der Homepage genommen.“ Aktuell ist die entsprechende Stelle leer.
Im August 2025 hatte der BLSV-Kreisvorsitzende Erwin Zeug erklärt, dass Wieser diesen Beschluss akzeptiert habe. Wieser hatte damals mitgeteilt, dass er die Entscheidung des BLSV sehr bedauert. Er habe das Ehrenamt seit 24 Jahren „mit großem Engagement und viel Herzblut“ ausgeübt.
Jetzt schreibt Wieser auf eine Anfrage zum aktuellen Verfahren des BLSV unaufgefordert: Der Beschluss, sein Amt ruhen zu lassen, sei „nach der geltenden Verbands- und Vereinssatzung rechtlich nicht haltbar und damit unwirksam“.
Wieser geht noch weiter: „Tatsächlich habe ich mein Amt zu keinem Zeitpunkt ruhen lassen. Ich war und bin uneingeschränkt als stellvertretender Kreisvorsitzender tätig.“ Er habe „durchgehend an Vorstandssitzungen teilgenommen“, er werde auch an der nächsten Klausurtagung in Tirol teilnehmen. „Meine Tätigkeit zum Wohle der Sportvereine im Landkreis habe ich zu keiner Zeit unterbrochen.“ BLSV-Sprecher Wanner wollte diese Aussage vor der Sitzung des Präsidiums nicht kommentieren.
„Das stimmt so nicht“, sagt dazu Kreisvorsitzender Zeug. „Er hat definitiv nicht mitgearbeitet.“ Auch sei Wieser öffentlich nicht mehr als Vertreter des BLSV aufgetreten. „Ich wüsste nicht, dass er das gemacht hätte.“ Seit August habe es drei Vorstandssitzungen gegeben, sagt Zeug. Wieser habe nur an der Jahresabschluss-Sitzung im Dezember „als Gast“ teilgenommen, „nicht beim offiziellen Teil“. Wie geht es mit Martin Wieser beim BLSV weiter? Darüber wird das Präsidium des BLSV am 28. Januar befinden. Wieser hat gegenüber den OVB-Heimatzeitungen jedenfalls schon erklärt: „Ich werde von mir aus nicht zurücktreten.“