Mühldorf – Bei der Jahresversammlung des Heimatbundes Mühldorf gab der Vorsitzende Meinrad Schroll im Nebenzimmer des Turmbräugartens seinen reichhaltigen Tätigkeitsbericht und nannte zunächst Zahlen: 854 Mitglieder sind es derzeit, 29 weniger als im Jahr zuvor. Diese Zahl lässt sich meist durch Todesfälle älterer Mitglieder erklären, deren Nachkommen kein Interesse an einem Beitritt zum Heimatbund haben. Der Vorsitzende legte allen Besuchern nahe, gezielt neue Mitglieder zu werben.
Einblicke in den
„Codex Odalberti“
Das Jahresprogramm war umfangreich. Dazu Meinrad Schroll: „Am Jahresbeginn stand ein Vortrag von Daniel Baumgartner über den ‚Codex Odalberti‘, er ging dabei besonders auf Mühldorf ein.“ Dabei handelt es sich um einen wertvollen Salzburger Traditionskodex aus dem 10. Jahrhundert, der unter Erzbischof Adalbert von Salzburg entstand. Er gilt als zentrale Quelle für Rechtsgeschäfte, Eigentumsübertragungen und frühe Ortsnennungen im bayerisch-salzburgischen Raum. „Im März war unser Ehrenvorsitzender Dr. Reinhard Wanka an der Reihe, er referierte darüber, wie die Eisenbahn das agrarisch geprägte Mühldorf veränderte – die Landschaft, die Städte, die Wirtschaft und die Bevölkerung. Andreas Seifinger führte uns am 22. März durch die ‚Sammlung Peter Schmidt‘ in Waldkraiburg.“ Diese Sammlung ist von hohem kunst- und kulturgeschichtlichen Wert, zeigt sie doch Werke der „Münchner Schule“.
Schroll selber bot im April eine Führung an, die sich mit den 14 Brauereien Mühldorfs beschäftigte, die es einst gegeben hat. Diese begann beim ehemaligen Himmelbräu in der Katharinenvorstadt und endete beim Turmbräugarten. Auch Stadtarchivar Edwin Hamberger reihte sich in die Liste der Referenten ein, er sprach über die „Pfründner und deren Alltag im Heilig-Geist-Spital“. Im Mai folgte eine überarbeitete Neuauflage des Buches des Waldkraiburgers Peter Müller: „Das Bunkergelände im Mühldorfer Hart – Rüstungswahn und menschliches Leid – Bewältigung und Erinnerung“. Dr. Bernhard Lübbers, Direktor der Staatlichen Bibliothek Regensburg, sprach im Mai über das Thema „Der Schwarze Tod in Mühldorf – Auswirkungen der Pest im 14. Jahrhundert“. Noch vor der Sommerpause führte Waldkraiburgs Stadtarchivar Konrad Kern durch die Kirchen in St. Erasmus und Pürten.
Weiter ging es im Rahmen des städtischen Ferienprogramms im September mit der beliebten „Kinderrallye“ durch die Stadt, in Kooperation mit dem Geschichtszentrum. Dabei können Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren spielerisch erfahren, wie es im ‚alten‘ Mühldorf zuging. Diesmal war das Hochwasser von 1821 zentrales Thema. Am 16. Oktober wurde der 67. Band des „Mühlrads“ präsentiert. Der Heimatbund-Vorsitzende zu diesem Thema: „Daniel Baumgartner moderierte diesen Abend gekonnt und stellte die Autoren und ihre Beiträge vor. Der 67. Band war sehr schnell ausverkauft, der Renner war der Aufsatz über das Eiscafé Venezia.“ Meinrad Schroll hielt noch einen Vortrag über die Häuser am Kirchenplatz. Mit einem Gottesdienst für verstorbene Mitglieder, dem Stand auf dem Christkindlmarkt und der Adventfeier im Haus der Begegnung endete das Jahr.
Aus dem Kassenbericht von Anette Kufer ging hervor, dass das Vereinsvermögen im abgelaufenen Jahr um über 7000 Euro geschrumpft war. Kausal dafür: weniger Mitglieder infolge von Todesfällen und höhere Druckkosten. Dazu Meinrad Schroll: „Die Neuauflage des Buches von Peter Müller über das Bunkergelände war notwendig. Außerdem soll das Geld aus der Vereinskasse mit Maß ausgegeben werden, sonst verliert der Verein durch das Finanzamt die Gemeinnützigkeit.“ Die Kassenwartin empfahl ebenfalls das Anwerben neuer Vereinsmitglieder und sie appellierte an die Vorstandschaft, Einsparmöglichkeiten zu überprüfen. Auch wäre es zu überlegen, dass man die Mitgliedsbeiträge – so wie früher auch – am Jahresanfang einzieht. Norbert Wurstbauer und Lorenz Angermann bestätigten Anette Kufer eine einwandfreie Kassenführung, was auch zur Entlastung der Vorstandschaft führte. Meinrad Schroll dankte seinen Mitgliedern in der Vereinsführung für die hervorragend geleistete Arbeit.
Meinrad Schroll blickte auf das geplante Programm für 2026: „Daniel Baumgartner wird über die Bedeutung der ,Kommunalwahlen 1946 für Stadt und Landkreis Mühldorf‘ sprechen, Dr. Reinhard Wanka wird sein umfangreiches Wissen über die Mühldorfer Straßennamen preisgeben.
Zusammen mit der Volkshochschule wird eine Wanderung in die Tegernau und nach Annabrunn angeboten, Themen sind unter anderem dabei das Leprosenhaus (dort wurden im Mittelalter Leprakranke außerhalb der Stadtmauern gepflegt, die Redaktion) und die Hammerschmiede. Konrad Kern wird über die Ursprünge der Stadt Waldkraiburg in Persona von Hubert Rösler sprechen, ich selbst werde durch die Frauenkirche führen.“
Film über „Mühldorfer
Spaziergänge“
Den zweiten Teil des Abends bestritt Walter Reichmann, der einen weiteren von ihm gedrehten Film vorstellte: „Mühldorfer Stadtspaziergänge“. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der Innschifffahrt und der Eisenbahn. Immer wieder spielte dazwischen die Blaskapelle Altmühldorf, es ging auf das Volksfest und der Bahnhof – ein Linienstern mit acht Zielen – spielte eine wichtige Rolle.