Waldkraiburg – Es war ein „Gastspiel“ des AfD-Landtagsabgeordneten Franz Schmid, das trotz deutlicher Minustemperaturen für eine breit angelegte Demonstration sorgte: Mitglieder verschiedenster Organisationen und Initiativen aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting waren gekommen, um gegen den Auftritt von Schmid und gegen die Politik der AfD Flagge zu zeigen. Rund 100 Personen hatten sich vor dem Rathaus versammelt und nach den Reden zog der Demonstrationszug in die Berliner Straße, allerdings nur bis in Sichtweite des Restaurants, in dessen Nebenzimmer die AfD ihre Veranstaltung durchführte – die Beamten der Polizei Waldkraiburg hatten hier eine Grenze gezogen, die auch allgemein eingehalten und akzeptiert wurde. „Es reicht uns, wenn sie uns hören“, merkte eine Teilnehmerin an, bevor sie mit den anderen Demonstranten das Lied „Wehrt Euch, leistet Widerstand“ anstimmte. Am Platz vor dem Rathaus hatte es zunächst einmal warmen Kräutertee gegeben, dazu Kekse, um die Kälte etwas zu vertreiben. „Lieber heute in der Kälte stehen, als später einmal in einem kalten Land zu leben, in dem die AfD das Sagen hat“, war auf einem Plakat zu lesen.
Eröffnet worden war die Veranstaltung durch Christine Schwarzhuber vom „Netzwerk gegen Rechts“ Waldkraiburg. „Was wir brauchen, ist ein achtungsvoller Umgang miteinander“, hielt sie fest. Das Netzwerk wolle eine Plattform für lebendige Demokratie und einen lebendigen Austausch sein. Hass und Fremdenfeindlichkeit dürfe in Waldkraiburg keinen Platz haben. Unter den Rednern war auch Rosemarie Müllenbach von der Initiative „Omas gegen Rechts“ verstärkt auch durch Vertreter der „Opas gegen Rechts“. Es sei Ziel der Menschen, die doch auf eine gewisse Lebenserfahrung zurückblicken könnten, die parlamentarische Demokratie zu bewahren und ihre Werte in einem gemeinsamen Europa zu bewahren. „Wir können nicht zulassen, dass unsere Demokratie immer öfter durch extrem rechte oder linke Parteien und Gruppierungen angegriffen wird und demokratische Werte mit Füßen getreten werden“. Sie forderte dazu auf, sich für die Rechte und die Gleichbehandlung aller Menschen in Deutschland einzusetzen, ohne Rücksicht auf Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung.
Kristin Martl-Hassan von den Grünen und vom Bündnis „Mühldorf ist bunt“ zitierte in ihrer Rede Äußerungen von prominenten AfD-Politikern, die sie als „rassistisch, menschenverachtend und frauenfeindlich“ bezeichnete. „In einer Zeit, in der rechte Stimmen wieder erstarken und Hass und Hetze wieder öffentlich salonfähig gemacht werden, ist es unsere Pflicht, uns entschieden entgegenzu- stellen“. Hans Grundner von den Grünen, der in Vetretung des Bürgermeisterkandidaten Christoph Arz ans Mikrofon trat, machte klar, welche Haltung man seiner Überzeugung nach gegenüber der AfD einnehmen müsse: „Wir wollen diesen Hetzern und ihrer Gesinnung nicht das Feld in Waldkraiburg überlassen. Menschen aus über 100 Nationen leben in unserer Stadt friedlich zusammen“, so Grundner. Waldkraiburg solle Heimat der Vielfalt bleiben, „dafür wollen wir eintreten, heute und jeden Tag“. Auch die nachfolgenden Redner warnten davor, den „Rattenfängern der AfD Glauben und Gehör zu schenken“ und auch davor, für die Partei bei den anstehenden Kommunalwahlen zu stimmen.krb