Mettenheim – Die 14. Auflage der Kappenabende der Pfarrei im Kulturhof stand, passend zum aktuellen Wahlkampf, unter dem Motto „Kommunalwahlen“. Bürgermeister Josef Eisner und seine Gemeinderäte sowie jene, die es werden wollen, bekamen daher zahlreiche Spitzen ab.
Dem Organisationsteam gelang es jedoch, die Pointen trotz wohl definierter Kritik an der Gemeindepolitik gut oberhalb der Gürtellinie zu positionieren, weshalb das Publikum an beiden Abenden begeistert war. Das Programm beinhaltete auch lockere Themen, wie zum Beispiel den ewigen Widerstreit zwischen Mann und Frau. Die künstlerischen Darbietungen, ob gesungen oder getanzt, konnten das Publikum im an beiden Terminen nahezu voll besetzten Kulturhof jeweils drei Stunden lang unterhalten.
Rund 30 Mitwirkende aus dem Umfeld des Pfarrgemeinderats ließen den Kappenabend zu einem lokalen Erfolg werden. Pfarrer Klaus Vogl, Diakon Manfred Scharnagl, die Mettenheimer Landfrauen und die Familie Pitz überzeugten neben anderen mit Selbstwitz und lokalen Spitzen. Die Reichertsheimer „Männergarde“ lockerte das Programm mit ihrer schwungvollen Showeinlage auf.
Von tanzenden Wischmops und streitenden Eheleuten
Die Mettenheimer Landfrauen legten mit einem Sketch zum Thema „Hausarbeit“ vor. Ganz im Sinne des Liedes „Das bisschen Haushalt … sagt mein Mann“ von Johanna von Koczian aus dem Jahr 1977, zu dem sechs als Wischmops verkleidete Akteure durch die Zauberhand der Putzfee Pfifferella durchs Publikum wirbelten.
Begonnen hatte die Darbietung mit einem Zwiegespräch zwischen Mann und Frau, bei dem sich der männliche Beitrag zum Haushalt darin erschöpft, sich beim Kreuzworträtseln um die Siegprämie, einen Saugroboter, zu bewerben.
Die Kritik der Landfrauen ging jedoch weiter, denn obschon es heute solche vermeintlich intelligenten Helfer gibt, bedarf es schließlich immer noch der Zauberhand, die diese bedient. Ein weiteres zentrales Thema des Abends war die Freudlsperger-Kiesgrube. Diakon Manfred Scharnagl und Pfarrer Klaus Vogl trafen sich als Tiere verkleidet im Wald, um sich über den Widerspruch zwischen ökologischem Baugefühl und ökonomischer Praxis auszutauschen. In ihrem tierisch-witzigen Dialog kristallisierte sich für den objektiven Beobachter im Nachgang der gesunde Menschenverstand heraus.
Einzelne Mettenheimer engagieren sich gegen die umstrittene Kiesgrube am Beginn der Mettenheimer Straße in Altmühldorf. Dass sie von der lokalen Politik jedoch zu wenig Unterstützung bekommen, darüber wunderten sich der eingebildete Vogel und das umtriebige Nagetier. Schließlich habe das Ganze über das Grundwasser Auswirkungen für alle Mettenheimer, auch wenn zum Beispiel die Einlagerung von bedenklichem Bauschutt um Haaresbreite nicht auf Mettenheimer Gemeindegebiet stattfindet. Die Turnergruppe des Frauenkreises griff ebenfalls dieses Thema auf, indem sich die Teilnehmer als Badekappen-Nixen verkleideten und sich so auf möglichen Wassersport in einer renaturierten Freudlsperger-Kiesgrube vorbereiteten. Wie die Moderatoren Kerstin und Marco Fotter vorab süffisant anmerkten, könne man sich schon jetzt, wenn man auf den Grund der Grube sehe, auf einen „wunderschönen“ grünen Badesee freuen.
Der letzte Programmpunkt vor der Pause konnte durch eine besondere Kulisse überzeugen. Hundebesitzer Manfred Scharnagl kam bei seinem Gassigang an einem Wetterhäuschen vorbei, in dem „Sonnenfrau“ Markus Eisner und „Regenmann“ Stefan Niederschweiberer ihm sowie der „künstlichen Intelligenz“ Kimberly Aimer aus dem Off Antworten auf ihre Fragen gaben.
Entsprechend ihrer jeweiligen Eigenart fielen die Antworten der Sonnenfrau zum „Hundeparadies Mettenheim“ oder zur Frage, wie es um die Nachbarschaft im Ort stehe, immer sehr schön aus, während der Regenmann dies stets ganz anders auszudrücken wusste. Auch lokale Akteure wie Wirte oder Lokalpolitiker mussten und konnten Humor beweisen.
Ein weiterer Beitrag kam von Familie Pitz, die zusammen mit Andrea Hahmann die Pläne der Kreuzerwirt-Familie auf die Schippe nahm, die den Gasthof um Übernachtungsmöglichkeiten erweitern wollte. Dabei rätselten schnöselige Hotelgäste, dargestellt von Günther und Edeltraud Pitz, was sie in Mettenheim nicht alles Spannendes unternehmen könnten.
Abschluss mit Gesang
und Politik-Posse
Es folgte eine Gesangseinlage von Karin Golombek, die das Lied „Du hast mich tausendmal betrogen“ von Andrea Berg in „Ich hab mich tausendmal gewogen“ umgedichtet hatte. Ihre Neuschöpfung beschäftigte sich mit der negativen Koinzidenz von Kühlschrank und Waage.
Der letzte Programmpunkt kam vom Pfarrgemeinderat, der im Auftrag der Landesregierung eine komplett neue Form der Kommunalwahl ausprobieren soll: Der Bürgermeister wird nicht direkt vom Wahlvolk, sondern wie der Bundestag vom Gemeinderat gewählt. Die Diskussionen über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen erzeugten den einen oder anderen lauten Lacher, doch dass die Mettenheimer dennoch eine harmonische Pfarrgemeinde sind, zeigte sich beim abschließenden Mettenheim-Lied.