Mühldorf – Der 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen als Gedenktag für die Opfer des Holocaust und zum Gedenken an den 60. Jahrestag der Befreiung des größten NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt. Auch am diesjährigen 27. Januar versammelten sich geistliche und politische Würdenträger am Mühldorfer KZ-Friedhof.
Für den Verein „Für das Erinnern“ war der Zweite Vorsitzende, Stadtarchivar Edwin Hamberger, vor Ort. Auch Museumsleiter Korbinian Engelmann und Geschichtskoordinator Daniel Baumgartner nahmen teil. Eine fünfköpfige Abordnung der Blaskapelle Altmühldorf begleitete die Feier musikalisch.
Erinnerung muss
lebendig gehalten werden
Landrat Max Heimerl führte in seiner Rede aus: „Der 27. Januar ist kein Tag wie jeder andere, er ist von besonderer Bedeutung für unser Land, für unsere Gesellschaft, für jeden Einzelnen von uns. Am 27. Januar befreiten Soldaten der Roten Armee Auschwitz und wurden Zeugen eines industriell organisierten Massenmordes.“ Der Landrat zählte die Ermordeten auf: Juden, Sinti und Roma, politische Gegner der Nationalsozialisten, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, Zwangsarbeiter und all jene, die im Nazi-Weltbild keinen Platz hatten.
Der Landkreischef weiter: „Die Verbrechen des Nationalsozialismus wurden nicht nur an Orten wie Auschwitz begangen, sondern sie geschahen in ganz Europa, in Bayern und auch mitten in unserem Landkreis. Im KZ-Außenlager-Komplex in Mühldorf wurden Tausende Menschen eingesperrt, ausgebeutet, ermordet. Sie mussten unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, hungern, frieren, leiden.“
Er wies auch darauf hin, dass das Wissen über den Holocaust immer mehr schwinde und Verschwörungstheorien, Relativierungen sowie offener Hass immer lauter werden. Ergänzend führte er aus: „Als Landkreis tragen wir die Verantwortung, Erinnerung sichtbar und lebendig zu halten: Durch unsere Gedenkorte, durch die Unterstützung bürgerlichen Engagements wie dem Verein „Für das Erinnern“ und durch Bildungsarbeit – in Kooperation mit dem Geschichtszentrum und Museum Mühldorf und in der Zusammenarbeit mit den Schulen.“
Der Besuch des ungarischen Staatspräsidenten Dr. Tamas Sulyok vor wenigen Tagen und der Gedenkakt am ehemaligen Massengrab habe vor Augen geführt, „dass die Bedeutung unserer Erinnerungsarbeit weit über die Landkreis- und Landesgrenzen hinausreicht. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, auch den dritten Gedenkort am Bunkergelände zu realisieren. Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus werde ich im Anschluss einen Kranz im Namen des Landkreises niederlegen.“
Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl äußerte in seinem Grußwort: „Freiheit, Menschlichkeit und friedliches Miteinander sind ein kostbares Gut, das es zu verteidigen gilt. Daher muss die Demokratie wehrhaft sein. Unsere Gesellschaft ist aufgefordert, gegen antisemitische Tendenzen anzugehen. Bei uns im Mühldorfer Hart war das größte Außenlager des KZ Dachau, 8.300 Häftlinge, darunter 800 Frauen, meistens jüdisch, mussten hier Zwangsarbeit verrichten. 2.249 Opfer wurden am Kronprinzenstein im Mühldorfer Hart verscharrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese in den vier KZ-Friedhöfen bei uns im Landkreis würdevoll bestattet. Hier in Mühldorf liegen etwa 480 Tote, meist ungarische Juden. Tun wir alles dafür, dass so etwas nie wieder geschieht!“
Gebete und
Kranzniederlegung
Stadtpfarrer Klaus Vogl und der evangelische Pfarrer Simon Stritar aus Neuötting fanden in ihren Gebeten würdevolle Worte für die Opfer des nationalsozialistischen Wahns: „Wir erinnern uns an die Menschen, die in den Zügen nach Osten fuhren“ und „Wir erinnern uns an die Menschen, denen niemals Gerechtigkeit widerfahren ist“. Die beiden Geistlichen baten Gott auch um Mut, sich für Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung und queere Menschen einzusetzen und ihnen in Bedrängnis zu helfen. Mit der Kranzniederlegung und einem feierlichen Musikstück endete eine würdige Veranstaltung.