Neumarkt-St. Veit – Es beginnt mit einem dreifachen Narri-Narri. Und es endet mit einem dreifachen Narri-Narri. Dazwischen liegen vier kurzweilige Stunden, in denen die 18 Wadlbeißer ein unterhaltsames Programm im Saal des Gasthof Zens auf die Bühne bringen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wer wird die Nachfolge von Erwin Baumgartner im Neumarkt-St. Veiter Rathaus antreten? Rottalia-Präsidentin Hilde Heimerl stellt bei ihrer Büttenrede von Beginn an klar, dass niemand beleidigt werden solle. „Den Mist, den hobt’s schon selbst gebaut!“
Gesang auf sehr
hohem Niveau
Danach geht es Schlag auf Schlag. Der „Dreigschroa“ mit Lena Perzl, Heike Perzlmeier und Elli Hellfeuer legt gleich zu Beginn den Finger in die Wunde. Sie berichten von Peinlichkeiten der Ortsprominenz, finden auf manche „Warum“-Frage jedoch selbst keine Antwort („Ja mei, so is‘ hoid!“). Selbst Wadlbeißer-Mitstreiter Karl Korn bleibt nicht verschont – sehr zu seiner eigenen Überraschung, als ein peinlicher Blechschaden in Wasserburg thematisiert wird. Herrlich spontan das Ganze.
Korn tritt immer wieder als Sänger ins Rampenlicht, liefert eine Liebeserklärung an den Stadtplatz von Neumarkt oder kitscht als Schlagersänger Charly K.
Ebenso immer wieder im Fokus: Caro Boxhammer. CSU-Bürgermeisterkandidat Stefan Streck (Markus Mayerhofer) darf sich beim „Trachtenwalk“ mit einem CSU-Janker anfreunden. Und was passt besser bei der „Rolling Boazn“ als Tina Turners „Rollin‘ On The River“ (Proud Mary), temperamentvoll vorgetragen von Boxhammer.
Nicht fehlen darf Lorenz Bauer, der seit Jahrzehnten die Umbaupausen füllt, indem er auch noch so frivole Kalauer mit herrlich erfrischender Leichtigkeit zelebriert.
Für Abwechslung sorgen Videoeinspieler. „Dahoam is dahoam“ heißt es, wenn BR-Moderatorin Helene Schneitzelseicher-Kessler (Caro Boxhammer) berichtet, dass der beschauliche Ort an der Rott nun Kurort sei. Dort umarmt Christian Guse (Josef Häckl) nicht nur Bäume, sondern verzichtet mittlerweile auch auf Tempo-30-Zonen – schließlich will er den kompletten Verkehr aus „Bad Neumarkt-St. Veit“ heraus haben.
Es gibt nur einen Chef im
Rathaus: Thomas Menzel
Die Wadlbeißer nutzen inzwischen auch künstliche Intelligenz als Unterhaltungselement. So erstellt Klaus Peteratzinger raffinierte Illustrationen, um zu zeigen, wie die vier Bürgermeisterkandidaten das Neumarkter Rathaus samt Garten umgestalten würden. Stefan Streck (CSU) wünscht sich ein Jagdrevier, Madlen Winterer (SPD) einen Bauerngarten, Thomas Döring (Grüne) ein Schwimmbecken und Peter Hobmaier (UWG) Volksfestatmosphäre unter freiem Himmel. Doch keiner dieser Wünsche dürfte in Erfüllung gehen. Bei ihrer Vorstellung zur Eingewöhnung im Schlosskindergarten scheitern nämlich alle an der grauen Eminenz Erwin Baumgartner. Dieser kann nämlich mit keinem der Kandidaten etwas anfangen, entschließt sich kurzerhand zu einem Bad im Jungbrunnen der Rott, verjüngt sich um 30 Jahre und beschließt, einfach weiter zu regieren – allerdings wohl nur bis 2032. Denn dann, so wird verlautbart, übernimmt Hilde Heimerl.
Doch egal, wer Bürgermeister ist oder wird: Anschaffen tut nur einer, und das ist Thomas Menzel, Chef der Verwaltungsgemeinschaft – wenn er nicht gerade mit seinem Wohnmobil auf dem Campingplatz in Caneva urlaubt, wo sich auch das Landratsehepaar Heimerl (Karl Korn und Chrissi Spirkl) Tage der Erholung gönnen wollen. Doch sowohl die Stadtkapelle als auch das kiffende Ehepaar Eva und Christian Guse (Babsi Schubert und Josef Häckl) machen ihnen einen Strich durch die Rechnung.
Gesanglich bewegen sich die Wadlbeißer mit Lena Perzl, die auch Gitarre spielt, und Karl Korn auf hohem Niveau und auch die schauspielerischen Leistungen sorgen für maximale Unterhaltung. Kein Gag ist unter der Gürtellinie, das Ensemble schafft es mit viel Sympathie und auch Empathie, die Missstände im Ort anzuprangern, nie sind die Akteure verletzend. Es wird viel gelacht, und Hilde Heimerl und ihr Team vergessen auch nicht, Danke zu sagen: dem ehemaligen Vorstand Hanjo Hellfeuer, den sie zum Ehrenvorstand ernennen.
Goldener Besen für
Erwin Baumgartner
Ebenso wird Erwin Baumgartner gewürdigt, dem Hilde Heimerl zum bevorstehenden Ausstand einen goldenen Besen überreicht – verbunden mit der Einladung, am Faschingsdienstag gemeinsam den Stadtplatz zu kehren. Abschied heißt es auch für Elli Hellfeuer. Nach 25 Jahren sei nun Schluss, verkündet sie. Zum letzten Mal steht sie am heutigen Samstag auf der Bühne, wenn es um 19.30 Uhr heißt: „Narri-Narri!“