Kandidatendiskussion

von Redaktion

Großer Andrang bei Debatte über die Zukunft Waldkraiburgs

Waldkraiburg – Bis auf den letzten Platz besetzt war die Veranstaltung der Landjugend Pürten-St. Erasmus zur Kommunalwahl in Waldkraiburg. Wegen des großen Interesses wurden zusätzliche Bänke und Stühle in den Saal getragen. Diskutiert wurde mit den drei Bürgermeisterkandidaten: Amtsinhaber Robert Pötzsch (UWG), Emil Kirchmeier (CSU) und Christoph Arz (Grüne).

Die Fragerunde moderierte Georg Stenger von der katholischen Jugendstelle, für straffe Redezeiten sorgte Magdalena Schmidinger von der Landjugend.

Angebote für Jugend
und Vereine im Fokus

Zum Auftakt ging es um die Lebenswelt junger Menschen: Pötzsch verwies auf die gute Jugendarbeit in den Vereinen. Deren Angebote müssten noch besser kommuniziert werden, damit sie noch bekannter werden.

Arz erinnerte an das Verschwinden von Clubs und Lokalen. Für Alternativen plädierte er für Gespräche mit den jungen Leuten: „Sie können uns sagen, welche Wünsche, Vorstellungen und Ideen sie haben“.

Kirchmeier betonte ebenfalls: „Wir müssen die Jugendlichen fragen, was sie möchten und sie unterstützen – ich wäre da sehr gerne zum Dialog bereit.“

Wie kann das Haus der Kultur für Vereine wieder interessanter werden? Arz nannte die Mietpreise als Hürde, der Stadtrat müsste über eine günstigere Miete nachdenken, auch eine Nutzung als Bürgerhaus wäre wünschenswert – das sei aber schwierig wegen der Größe des Hauses.

Die Abwanderung von Vereinen für Veranstaltungen in andere Gemeinden empfindet Kirchmeier als „gar nicht gut“. Er sprach sich für günstigere Konditionen aus.

Pötzsch erklärte: „Das Haus der Kultur mit seinen Möglichkeiten und seiner Technik kostet Geld, dafür wird eine gute Ausstattung geboten.“ Dennoch: über den Mietpreis könne man diskutieren.

Bei den Stärken der Stadt sah Kirchmeier die Stadt als Industriestandort, zugleich aber als „Stadt im Grünen“ und „Stadt des Sports“. Dieses Profil gelte es zu erhalten. Pötzsch verwies auf die Geschichte der Stadt, appellierte, diesen Gründergeist wiederzuentdecken wie zum Beispiel beim Förderverein des Waldbades.

Den Status Waldkraiburgs als „multikulturelle Stadt der Vielfalt“ hob Arz hervor. Diese Bezeichnung sollte man als Marketingfaktor nutzen und auch die Geschichte und Schicksale der Menschen aus der Gründergeneration und den ersten Zuwanderungsphasen stärker sichtbar machen.

Mit Blick auf die Stadtentwicklung und Leerstände in der Innenstadt verwies Bürgermeister Pötzsch auf das veränderte Einkaufsverhalten: „Wenn nur noch im Internet eingekauft wird, leidet der stationäre Einzelhandel.“ Waldkraiburg stehe im Vergleich noch gut da. Er warnte davor, die eigene Stadt schlechtzureden. Dies könnte Investoren abschrecken.

Arz setzte dem den Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität entgegen – mit mehr Grün, mehr Cafés und einer Verkehrsberuhigung, die Raum schafft. Kirchmeier sprach sich für eine vorsichtige Nachverdichtung aus. Wohnraum allein reiche nicht aus, es gehöre auch ein lebenswertes Umfeld dazu. „Ohne Lebensqualität kommt niemand zu uns.“

Infrastruktur und
die Ortsteile

Großes Interesse galt den Feuerwehrhäusern in den Ortsteilen. Arz konnte die Frage dazu nicht beantworten und räumte ehrlich ein, bislang zu wenig in den Ortsteilen präsent gewesen zu sein, er wolle das aber ändern.

Kirchmeier nannte die Feuerwehrhäuser einen „sozialen Mittelpunkt“, die für ehrenamtliches Engagement und Zusammenhalt stehen. Deshalb sei es wichtig, sie optimal zu erhalten. Pötzsch betonte den regelmäßigen Austausch mit den Feuerwehren und die Bedeutung des Erhalts dieser Strukturen. Wie kann der Weg aus St. Erasmus in die Stadt künftig sicherer ohne Auto gestaltet werden? Kirchmeier sprach sich für einen Ausbau des Radwegenetzes mit dem Landkreis aus.

Pötzsch verwies auf die Verbesserungen durch den Umbau der Pürtener Kreuzung, neue Wege seien aber aus finanziellen Gründen jetzt und wohl auch auf längere Sicht schwer umsetzbar. Arz schlug vor, einen besseren Weg für Radfahrer dadurch zu schaffen, den Autos etwas Platz wegzunehmen. Eine Lösung, die sich schnell umsetzen ließe.

Bauamt, Schulen und
Wirtschaftsförderung

Wie sieht das Konzept der Kandidaten für das städtische Bauamt aus und wie kann man Bauherren helfen? Arz plädierte dafür, das Instrument des Bebauungsplanes mehr zu nutzen, um Bauherren mehr Planungssicherheit zu geben. Grundsätzlich sei er dafür, mehr in die Höhe zu bauen, auch über Abstände könne man reden.

Kirchmeier brach eine Lanze für die Entbürokratisierung. Die Organisation des Bauamtes sei richtig, denn die Stadt könne vieles selbst entscheiden. Pötzsch hob die kurzen Wege in der Baubehörde hervor. Bauherren seien mit schnellen Entscheidungen am besten geholfen, man wolle aber noch schneller werden – dies gehe allerdings nur in Zusammenarbeit mit den Bauwerbern.

Beim Thema „Zusammenlegung der Mittelschulen“ plädierte Kirchmeier für einen Verzicht, weil beide Schulen aktuell über eine gute Infrastruktur verfügen würden. Eine Zusammenlegung würde Nachteile bringen – auch beim Verkehr. „Das dürfte bei 400 Schülern mehr an einem Standort wohl chaotisch werden.“

Pötzsch sah langfristige Kostenvorteile. Über die Vorteile der „Schulfusion“ sei man sich in der Politik, in den Schulleitungen, im Schulamt und im Landratsamt einig.

Arz war dagegen, die Schulentwicklung zu politisieren. Bei einer Zusammenlegeung sollten die Bedürfnisse und Wünsche der Schüler einbezogen werden.

Auch der Weggang von Atoma nach Ampfing war Thema. Pötzsch verdeutlichte, dass man dafür Lösungen finden müsse, möglicherweise durch die Ausweisung von gemeinsamen Gewerbegebieten mit anderen Gemeinden. Im Fall von Atoma werde durch die geringe Entfernung zu Ampfing zumindest ein Teil der Wirtschaftskraft in Waldkraiburg bleiben. Wichtig sei es, noch früher und intensiver mit Unternehmen nach Lösungen zu suchen.

Arz unterstrich, dass die Kommunikation zwischen Unternehmen und Stadtspitze besser werden müsse. Es brauche beständige Kontakte, schon bevor Probleme entstehen. Kirchmeier plädierte ebenfalls dafür, Kontakte zu Betrieben früher zu suchen. Er wolle als Bürgermeister nah dran sein an der Wirtschaft und Kontakte ausbauen.

Führungsstil und
Abschluss der Diskussion

Zum Abschluss ging es um den Führungsstil im Rathaus. Arz warb dafür, die Bevölkerung mehr in Entscheidungen einzubinden. „Man sieht es am Waldbad-Förderverein und anderen Initiativen: Aus den Reihen der Bürger kamen viele gute Ideen, die nicht aus dem Stadtrat kamen.“ Kirchmeier betonte Offenheit und Zusammenarbeit zwischen Stadtrat, Verwaltung und Bürgern. „Für Egomanen und Egoisten ist da kein Platz.“

Bürgermeister Pötzsch bezeichnete die Stadt als modernen und attraktiven Arbeitgeber. In seiner Amtszeit habe im Rathaus ein kooperativer den vorherigen hierarchischen Führungsstil abgelöst.

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