Am Rande Notiert

Sehnsuchtsort A94

von Redaktion

Von Jörg Eschenfelder

Schwindegg – Täglich, stündlich, minütlich prasseln in unserer Hektomatik-Welt News, Plings und Plongs auf uns ein. Mails, Whatsapp-Nachrichten, Facebook, Instagram und TikTok fordern ständiges Reagieren: in Meetings, beim Date, am Esstisch, bei manchen sogar an dem Ort, der schon längst nicht mehr still ist. Der digitale Wahn führt zum realen Wahn. Verschnaufen, abschalten oder – wie altmodisch – in Ruhe nachdenken… Es ist inzwischen ein Ding der Unmöglichkeit. Wir hetzen von Termin zu Termin, rasen in Fluren und auf Straßen.

„Entschleunigung“ lautet daher das neue Zauberwort: digitales Entgiften, abschalten, weglegen, ausschalten. Und als Meisterklasse: Langsamkeit in allen Bereichen – auch auf der Straße. Das ist die neue Zauberformel für das seelische Wohlbefinden und das Seelenheil.

Deshalb sollten wir für die Löcher in der A94 zwischen Schwindegg und Lengdorf dankbar sein. Spott oder Kopfschütteln über einen Flüsterasphalt, der im Alpenvorland nicht mal einen Eisregen überlebt, ist nicht angebracht. Vielmehr gilt es, der Isentalautobahn Danke zu sagen. Und der Autobahn GmbH für das Tempo 60 in der Einhausung Wimpasing bei Ampfing zu danken.

Hier ist endlich Schluss mit dem ewigen Rasen und Hetzen, dem Beschleunigen und Überholen, dem Durchtreten des Gaspedals. Hier dürfen wir auf der Autobahn einfach mal langsam machen, die Landschaft genießen und durchschnaufen. Die A94 wird zu einer Oase der Ruhe, bietet Raum und Zeit für Kontemplation – auf dem Weg zur Arbeit oder zum nächsten Termin.

Hier wird nicht mehr wütend auf das Lenkrad getrommelt, hier wird der Vordermann nicht mehr bedrängt. Hier herrscht: einatmen – ausatmen – einatmen – ausatmen. Hier summt selbst der ungeduldigste Porsche-Fahrer jetzt beseelt: „Irgendwann bleib i dann dort, lass alles liegen und stehn / Und irgendwann bleib i dann dort“ – auf der A94 zwischen Schwindegg und Lengdorf.

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