Schönberg – Überschussstrom speichern und zur Gewinnung von Wärme nutzen: Darum geht es beim Pilotprojekt, das die Gemeinde Schönberg gerne umsetzen will. Konkret geplant ist der Bau einer Druckluft-Speicheranlage, die dazu dienen soll, die vorhandene Energie optimal für die Bürger Schönbergs zu nutzen. Wie Bürgermeister Alfred Lantenhammer im Rahmen der jüngsten Sitzung des Gemeinderates mitgeteilt hat, bekommen die Planungen immer mehr Struktur. In den vergangenen Wochen hätten zur Umsetzung wegweisende Gespräche vom Landtag hinauf bis auf die Bundesebene stattgefunden. In der Sitzung gab Lantenhammer die Chronologie der Ereignisse wider.
Treffen mit dem
Wirtschaftsminister
Nachdem der Gemeinderat in einer vorausgegangenen Sitzung beschlossen hatte, beim Wirtschaftsministerium einen Förderantrag für das Pilotprojekt eines reversiblen Druckluftspeichers zu stellen, ergaben sich in der Folge mehrere wichtige Entwicklungen, wie Lantenhammer in der Sitzung informierte.
Bereits am 11. Dezember 2025 habe er ein Gespräch mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger im Bayerischen Landtag geführt.
Im Anschluss daran habe sich der Abteilungsleiter Forschung im Wirtschaftsministerium, Professor Dr. Frank Messerer, telefonisch bei ihm gemeldet, um einen Termin am 22. Januar zu vereinbaren. Inhalt dieses Treffens sollte die Förderung des reversiblen Druckluftspeichers sein sowie die Durchführung einer Machbarkeitsstudie.
Eine Woche zuvor waren Lantenhammer und Tränkl erneut bei der Firma MBM in Mühldorf vorstellig geworden, um sich mit dem Geschäftsführer Tillmann Rosch über die weiteren Schritte zu unterhalten. Ziel dieses Treffens war es laut Lantenhammer zu klären, ob die Firma MBM bereit wäre, die geplante Pilotanlage in Schönberg zu errichten. „Man kann sich grundsätzlich eine Serienfertigung vorstellen“, berichtete Lantenhammer von diesem Treffen.
Gespräch über
Begleitforschung
Lantenhammer erläutere auch, dass er bereits Mitte Dezember 2025 ein ausführliches Gespräch mit Professor Georg Kerber von der Hochschule München über die mögliche Durchführung der wissenschaftlichen Begleitforschung geführt habe. Ergebnis: Der Professor hatte die Möglichkeit in den Raum gestellt, dass zunächst eine dreimonatige Bachelorarbeit und anschließend eine sechsmonatige Masterarbeit durch Studierende umgesetzt werden könnten. Die Kosten dafür könnten von der Hochschule getragen würden.
„Sollte darüber hinaus ein umfassender Forschungsauftrag erteilt werden, wäre eine vierjährige Forschungsphase an der Anlage in Schönberg vorgesehen, begleitet von einer Doktorarbeit“, informierte Lantenhammer den Rat. Die Kosten für den Forschungsauftrag würden sich auf etwa 400.000 Euro belaufen.
Ende Dezember ist Bürgermeister Lantenhammer dann auch noch auf einen Förderaufruf des Bundeswirtschaftsministeriums gestoßen, der Mitte November veröffentlicht worden sei. Diese Förderung ziele auf die Unterstützung von genau einer solchen Anlage ab, die nun auch in Schönberg entstehen soll. Das Programm trägt den Titel „Reallabor für Energiewende 2025“.
Das habe ihn hellhörig werden lassen, so der Schönberger Bürgermeister, Er nahm in der Folge Kontakt mit dem Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer auf, um Möglichkeiten einer Beteiligung der Gemeinde Schönberg an dem Förderprogramm auszuloten. Von dort ging es weiter nach Jülich. Denn die Abwicklung des Programms, so Lantenhammer in der Sitzung, erfolge über das dortige Forschungszentrum. Auch von dort gab es positive Rückmeldung.
Grundsätzlich
förderfähig
In einem Gespräch mit Dr. Tobias Scholz vom Forschungszentrum Jülich wurde bestätigt, dass der reversible Druckluftspeicher grundsätzlich förderfähig ist. Als besonders positiv sei hervorgehoben worden, dass sich eine Kommune an einem solchen Projekt beteilige. Dies werde als Zeichen von Ernsthaftigkeit und Seriosität gewertet. Dr. Scholz stellte laut Lantenhammer in Aussicht, dass die Forschungskosten der beteiligten Hochschulen zu 100 Prozent gefördert werden könnten. Für die Investitionskosten in der Gemeinde Schönberg sei – aufgrund ihrer Größe – ein Zuschuss von etwa 65 Prozent denkbar, unter besonderen Voraussetzungen möglicherweise sogar bis zu 100 Prozent, falls ein sehr hohes öffentliches Interesse an der Anlage bestehe.
Für die Einleitung des Förderverfahrens sei die Einreichung von Projektskizzen bis spätestens 15. Februar 2026 nötig. „Dr. Scholz bot der Gemeinde zudem Unterstützung bei der Erstellung dieser Skizzen an“, informierte Lantenhammer den Rat. Das sei nun auch der nächste Schritt. Wenn das Projekt dann so ins Rollen kommt, wie sich das Lantenhammer vorstellt, und ein Zahnrad ins andere greift, könne die Anlage 2028 gebaut werden. Ausdrücklich lobt Schönbergs Bürgermeister das Zusammenwirken der verschiedenen Entscheidungsträger und auch der Ideengeber, unter anderem der Mühldorfer Landwirt und Metallbauer Josef Fürstenberger, der über das nötige Netzwerk verfügt und zwischen den Protagonisten vermittelt habe.
Und Lantenhammer denkt schon an den nächsten Schritt: Im Optimalfall könnte in nicht allzu ferner Zukunft überschüssiger Strom, der nicht nur von der Agri-Fotovoltaikanlage in Grabing gewonnen werde, in den Druckluftspeicher fließen, sondern auch Stromüberschuss aus den geplanten Windrädern. Auch für diese gibt es einen Zeitplan. Heuer soll die Gesellschaft gegründet werden.
Im Frühjahr 2027 soll das artenschutzrechtliche Gutachten erstellt werden, 2030 soll dann der Bau der Windräder erfolgen. Viel hängt aber auch davon ab, wann das Umspannwerk bei Schönberg gebaut wird.