Mühldorf – Bereits vor zwei Jahren hatte das Duo BÖF mit Michaela Bauer und Markus Renhart bei den von Clarmanns gastiert. Und man kann vermuten, dass die beiden gerade diese intime Atmosphäre, gleichsam Aug in Aug mit dem Publikum, als wohltuend empfinden. Denn ihre bisherige Laufbahn zeigt sie in einem weiten Umkreis musikalisch aktiv. So leitete die gebürtige Bayerin Michaela Bauer nach ihrem Studium in Weimar verschiedene Jugendor- chester, musizierte „grenzenlos“, wie sie es ausdrückt. Und lebt heute in der Steiermark.
Der Österreicher Markus Renhart genoss seine Ausbildung in Salzburg und Wien, spielte bei den dortigen Philharmonikern, gab weltweit Konzerte und lebt heute in Bayern. Dies deutete Hausherrin Silke von Clar- mann in ihrer Begrüßung zum 15. Hauskonzert an: „Und darin ähneln wir uns. Sie alle werden auf Entdeckungsreise gehen bei dem musikalischen Potpourrie genau so, wie dies bei meinen Bildern nach fast 30-jähriger Malerfahrung sein soll: Kunst darf Fragen stellen!“
Sehr flott war das erste Stück von BÖF nach einem Film mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren „Una canzona gentile“, bei dem man sogar die Vespa der beiden hupen hörte. Auf manche Bilder im Atelier bezog sich das folgende Präludium von J.S.Bach, das nach einem summenden Übergang jazzig-schrill endete.
„Corona 2020 war für uns die schwerste Zeit“, meinte Renhart, „die ich nützte, indem ich ,Amazing grace‘ mit ,In der Mölderleitn‘ kombinierte.“ So entstand „Oima“, das sehr sanft begann und in den volkstümlichen 3/4-Takt überging. Als „Exil-Bayer“ kennt Renhart natürlich Haindling, die humorvoll experimentierten und so „Pfeif drauf“ entstand, die bekannte Titelmelodie der „Rosenheim-Cops“. Auf die zahlreichen Bilder im Raum mit Brille verwies Michaela Bauer und der Übergang zum Song von der kurzsichtigen Brillenschlange entstand, frei nach Michael Endes Erzählung. Die Künstlerin stellte das zerstreute Tier mit sonoren Bandoneon-Klängen vor, während die schrille Klarinette demonstrierte, wie sich die Schlange selber auffraß und Renhart dabei sein Instrument bis auf das Mundstück zerlegte, auf dem er immer noch spielte.
Ein klangvoller Mozart folgte mit dem Divertimento Nr.1, und der Rock-Pop-Song „Ja“ von Silbermond schloss sich an: „Ja, ich schwör auf dich“, und so träumerisch wie der Text war auch die Melodie.
Auf Weltreise ging es danach mit „Happy Birthday“, zuerst mit einem Musette- Walzer nach Paris, dem folgten ein argentinischer Tango, Jazz aus New York und zum Schluss ein bayerischer Schuaplattler.
Auf 2026 als Jahr des Akkordeons verwies Michaela Bauer, die dazu den etwas harten „Tango Nr.2“ von Andreas Nebel zum Besten gab. Dazu passe ein Bild an der Rückwand des Raums, meinte sie, was selbst Silke von Clarmann überraschte.
Mit seinem großen Dank an den „Familienbetrieb von Clarmann“ beschloss BÖF dieses abwechslungsreiche Konzert, in dem das Publikum voll auf seine Kosten kam und dies immer wieder mit anhaltendem Applaus belohnte.
Ein i-Tüpfelchen setzte der „Klezmer-Express“ drauf mit seiner rasenden Klarinette als Zugabe, dem Michaela Bauer und Markus Renhart speziell für die Clarmann-Frauen „Jenseits der Stille“ von Niki Reiser folgen ließen, ein wohltuender Ausklang dieses beeindruckenden Musik- und Bilder-Gesamterlebnisses. fis