Waldkraiburger ist Doppel-Weltmeister

von Redaktion

Alex Anzinger aus Waldkraiburg ist Doppel-Weltmeister im Eisstock-Weitschießen. Für seine Leistung wurde der 27-Jährige nun mit dem Silbernen Lorbeerblatt, der höchsten sportlichen Auszeichnung Deutschlands, geehrt. Der Sportler trainiert hart für seinen großen Traum: die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Alex Anzinger jubelt: Er ist Weltmeister im Eisstock-Weitschießen.

Alex Anzinger schießt den Stock nach vorne. Der Schwung reißt ihn sogar vom Boden weg. Fotos Purucker

Waldkraiburg – Alex Anzinger schließt die Augen. Er atmet zweimal ein, zweimal aus. Beim dritten Mal lässt er die Luft für einen Moment in seinen Lungen, hebt die Arme, öffnet die Augen. Er schlägt sich mit der Faust auf die Brust, geht zum Startpunkt auf der Eisbahn und nimmt den Eisstock. Er holt mehrmals aus, beim vierten Mal schießt er den Stock nach vorn. Es ist sein vierter und letzter Versuch. Der Eisstock gleitet nach vorn, wie das Video der Weltmeisterschaft vom März 2025 in Kapfenberg (Österreich) zeigt. „96,99 Meter“, verkündet der Stadion-Sprecher. Mit diesem Schuss wird Alex Anzinger Weltmeister im Einzelwettbewerb im Eisstock-Weitschießen. Auch mit seinen Team-Kollegen Michael Späth, Peter Rottmoser und Lukas Michl holte Anzinger den Weltmeistertitel.

Auszeichnung mit dem
Silbernen Lorbeerblatt

Kürzlich ist Anzinger für diese Leistung in Berlin mit dem „Silbernen Lorbeerblatt“ ausgezeichnet worden. Für den 27-jährigen Waldkraiburger eine besondere Ehre, wie er am Telefon erklärt. Das „Silberne Lorbeerblatt“ ist die höchste verliehene sportliche Auszeichnung in Deutschland.

Bereits mit elf Jahren ist Anzinger zum Eisstockschießen gekommen. Seither ist er Mitglied des EC Ebing und auch im Mannschaftssport aktiv. Mit 15 Jahren kam die Disziplin Weitschießen hinzu. Anzinger war damals das erste Mal bei internationalen Wettbewerben dabei und wurde in der Jugend Deutscher Meister und Bezirksmeister. In der U23 hat er im Jugendbereich den Weltmeistertitel geholt, erklärt der Waldkraiburger. Beim Weitschießen geht es darum, wer mit dem Stock am weitesten kommt. Dafür verwenden alle Sportler laut Anzinger den gleichen Stock. Nur den Griff schraubt jeder selbst dran. Geschossen wird bei Weltmeisterschaften auf Eisbahnen. Ansonsten trainieren die Sportler auch auf Asphalt oder Kunststoff. Der derzeitige Weltrekord liegt bei gut 566 Metern. In sein Hobby investiert Anzinger viel Zeit. Vor der Arbeit geht es zum Mobilitäts- und Ausdauertraining ins Fitnessstudio. Am Abend stehen viermal in der Woche Koordinationsübungen und Kraftaufbau an und dreimal ein Techniktraining, so Anzinger. „Ich hab für den Sport sogar meine Stunden in der Arbeit reduziert“, sagt er. Der 27-Jährige ist gelernter Industrie-Mechaniker und arbeitet seit seiner Meisterprüfung in der Prozessoptimierung. Derzeit absolviert er zudem die Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt.

Beim Eisstockschießen könne Anzinger seinen Ehrgeiz ausleben. Er findet es gut, dass hier jeder für sich selbst verantwortlich ist. „Mit Kraft und Schnelligkeit geht es darum, wer am weitesten kommt“, sagt er. Sein persönlicher Rekord liegt bei 280 Metern, 2024 aufgestellt am Goggausee (Österreich). Aber auch die gute Stimmung unter den Sportlern hebt Anzinger hervor. „Es ist sehr familiär, obwohl wir ja alle gegeneinander schießen“, sagt er.

Anzinger ist neben dem Weitschießen auch weiterhin in der Mannschaft des EC Ebing aktiv. „Oft heißt es, wer zum Weitschießen wechselt, verliert das Gefühl fürs Mannschaftsschießen“, sagt er. Dieses Vorurteil stimme jedoch nicht, dafür sei der 27-Jährige der Beweis.

Anzinger hofft, dass der Sport in Zukunft mehr Aufmerksamkeit bekommt und so auch noch erhalten bleibe. Denn: „Es ist teuer, eine Weltmeisterschaft auszurichten“, sagt der 27-Jährige. Viele Sponsoren gebe es nicht. Die Anfahrt und Übernachtung zu internationalen Turnieren bekommt Anzinger vom Deutschen Dachverband bezahlt. Ein Preisgeld werde nicht ausgezahlt, sagt er.

Eisstockschießen
soll olympisch werden

Der ganz große Traum vom Waldkraiburger ist es, dass der Sport olympisch wird. „Für heuer hat es leider nicht geklappt“, sagt Anzinger mit Blick auf die Winterspiele in Italien. Bei großen Wettbewerben versuchen die Sportler bereits, den olympischen Standards gerecht zu werden. „Dazu gehören beispielsweise Doping-Tests und das Eintragen vom Aufenthaltsort in einer App“, sagt Anzinger. Ob es bei den Olympischen Winterspielen 2030 klappt, wird sich zeigen. Derzeit konzentriert sich Anzinger auf die Europameisterschaft im März in Inzell.

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