Ensemble Vocabile in der Pürtner Kirche Mariä Himmelfahrt

von Redaktion

Ein großartiger Chor besticht durch seine Freude am Singen – Lang anhaltender Applaus des begeisterten Publikums

Waldkraiburg – Ein Summen aus dem Hintergrund war zu hören: „Es ist ein Ros entsprungen“. Mit diesem Lied durchschritten die 18 Sängerinnen und Sänger des Ensemble Vocabile zusammen mit ihrem Leiter Andreas Miecke die bis auf den letzten Platz gefüllten Bankreihen vor in den Altarraum. Und nach einer kurzen Begrüßung durch den Chorleiter stimmte der Sopran den Hymnus „Ave verum“ aus dem 18. Jahrhundert an. Sehr sanft das Lied „Notrepére“, ein bewegender Ausschnitt aus dem französischen „Vater unser“, das sicher so mancher so richtig als Musik zum Herunterkommen empfand. Kraftvoll sich steigernd hingegen der Beginn von Monteverdis „Adoramus te“, einer Motette, die mit dem flehenden „Erbarm dich unser“ endete. Der Schauplatz änderte sich, denn zur Trio-Sonate von J. Quantz nahmen Shanna Hiemesch am Cembalo, Claudia Pickart mit ihrer Altflöte, Querflötistin Andrea Stadler und Andreas Miecke am Cello Platz: Im Andante gaben die Flöten den Ton an, dem das tänzerisch beschwingte Allegro folgte. In Leo Hasslers „Dixit Maria“ begannen danach die Tenöre des Chors stimmlich ausgewogen, und zusammen mit den Frauenstimmen entstand beim „Secundum verbum tuum“ „Mir geschehe nach deinem Wort“ ein homogener Klang. Beim Lied, als Maria von Base Elisabeth die Botschaft von der Geburt Jesu erhält, bricht auch beim Chor hörbare Freude aus.

Vom ersten bis zum allerletzten Ton sind die Blicke aller Sängerinnen und Sänger auf die Anweisungen des Dirigenten gerichtet. Dies kam auch im danach folgenden innigen „Ich steh an deiner Krippen hier“ voll zur Geltung. Der anschließende Auftritt von Querflötistin Andrea Stadler zeigte sie bei der Sonate von B. Marcello erneut als Meisterin ihres Fachs.

Freudig gestimmt ging es weiter mit Mendelssohns „Frohlocket, ihr Völker“, das mit einem kräftigen „Alleluja“ endete. Schwedisch wurde es beim bedächtig beginnenden „Ju, jul, strålande jul“, das die freudige Zeit im Jahr beginnen lässt. Und das sachlich fragende, ja nachbohrende Stück „Mary, did you know?“ folgte: „Maria, hättest du gedacht, dass dein Kind eines Tages über’s Wasser gehen würde?“ Das ukrainische Weihnachtslied danach ließ noch einmal die Glocken erklingen: „Horch, wirf die Sorgen weg!“

Ein Text aus dem 17. Jahrhundert liegt der Max-Reger-Motette zugrunde, bei der der Chor sanft beginnt und sich in der dritten Strophe zum Fortissimo steigert: „Der Heiland hat uns erlöst!“ Kontrastprogramm dazu Burleighs Spiritual „My Lord, what a morning“, das bedächtig beginnt, sich zum dankbaren Jubel steigert, dann jedoch verhalten summend beendet wurde. Bei einem letzten Auftritt mit Mendelssohns „Des Schäfers Lied“ konnte man noch einmal die Instrumentalisten bewundern. Dies leitete über zum hochaktuellen „Earth Song“ des Amerikaners Frank Ticheli.

Beim „Heidschi bumbeidschi“ des zeitgenössischen Komponisten Buchberger steckt hinter dem vermeintlich harmlosen Wiegenlied eher ein Abschiednehmen, was „Vocabile“ recht deutlich zum Ausdruck bringen konnte. Nach nicht enden wollendem Beifall stimmte der Chor als Zugabe das „Gloria sei dir gesungen mit Harfen und mit Zimbeln schön“ an. Doch erst nach „Die Nacht, sie kommt ins Land gezogen“ sahen die begeisterten Zuhörer ein, dass dieses Konzert einmal zu Ende gehen musste und „der Schlaf ihnen Träume bringen“ sollte.fis

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