Physische Medien wieder im Trend

von Redaktion

Warum die Musikgeschichte in Mühldorf und Burghausen weiterlebt

Das Plattenstüberl von Bernhard Wagner.

Mühldorf/Burghausen – Vinyls und CDs sind wieder gefragt und bieten mehr als nur Musik. Für den „Automatenpapa“ Bernhard Wagner aus Mühldorf oder Helen Metz aus Burghausen sind sie ein kulturelles Gesamtkunstwerk. In Zeiten von Streaming greifen wieder mehr Menschen zu physischen Tonträgern.

CDs, Schallplatten oder Kassetten: Physische Medien werden immer beliebter. Auf den Sozialen Medien entsteht dazu ein richtiger Trend. Auf Instagram finden sich unter dem Stichwort „physical media“ bereits über 600.000 Beiträge. Auch Helen Metz aus Burghausen hört seit einem halben Jahr wieder vermehrt Schallplatten.

Besonderer Sound
der Schallplatte

Den Sound einer Schallplatte schätzt Bernhard Wagner aus Mühldorf. Der 68-Jährige ist in der Szene und in der Region auch als „Automatenpapa“ bekannt. Seit seiner Jugend sammelt und repariert der Mühldorfer Musikautomaten, Flipper, Groschenautomaten oder Musikboxen. Wagner hat sich im Bereich Schallplatten auf Singles spezialisiert und laut eigenen Angaben über 10.000 Singles gesammelt. Der 68-Jährige kann sich von Volksmusik über Schlager bis psychedelischem Rock begeistern. Dass die Schallplatte wieder beliebter werde, habe Wagner bisher nicht direkt mitbekommen. „Der reguläre Verkauf von Platten ging bis Anfang der 90er-Jahre“, sagt er. Danach habe sich eine Fan-Szene gebildet. Dass diese in den vergangenen Jahren groß gewachsen sei, könne er nicht bestätigen.

„Der Klang hat das gewisse Extra“, sagt der Mühldorfer. In Kombination mit der Verpackung wird die Platte laut dem Mühldorfer zu einem Gesamtkunstwerk und ist auch ein Stück Kultur- und Musikgeschichte. Wer auch gerne Vinyls hört, dem empfiehlt Wagner, alte Schallplatten auf einem Vintage-Gerät abzuspielen. Über ein Konzert und das eigene Musizieren ist die 33-Jährige dazu gekommen, Musik auf physischen Tonträgern zu hören. „Seit dem Sommer spiele ich Bass. Den hört man auf der Schallplatte einfach besser raus“, sagt sie. Im Gegensatz zu MP3-Aufnahmen auf Streaming-Plattformen löst der Sound der Schallplatte ein Konzertgefühl bei ihr aus. Auch die Bewegung der Nadel im Schallplattenspieler erzeuge einen besonderen Klang, fährt Metz fort.

Helen Metz findet zudem, dass sie sich durch das Hören von physischen Medien wie Schallplatten mehr mit den Künstlern auseinandersetzt. Beim Streaming habe ihr oft der Bezug zu den Musikern gefehlt, sagt sie. Die 33-Jährige hört Songs von verschiedenen Künstlern fast aller Genres. Derzeit viel Blues, Rock oder Flower-Power, sagt sie. Zudem findet es die 33-Jährige angenehm, dass man bei physischen Medien eine geringere Auswahl an verschiedenen Songs habe. Bei Streaming-Diensten sei die Fülle an möglichen Liedern teilweise überfordernd, sagt Metz. Bei physischen Medien ist die Abfolge der Lieder festgelegt. Seit Kurzem hört sie deswegen im Auto auch gerne wieder CDs, sagt die Burghauserin.

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