Tierdiebstahl mit Happy End

von Redaktion

Perserkatze Lui in Reichertsheim mit Transporter entführt – Zurück beim Frauchen

Reichertsheim – Der vierjährige Kater Lui genießt normalerweise sein gemütliches Landleben in der kleinen Gemeinde Reichertsheim im Landkreis Mühldorf. Marianne Meier-Echtler übernahm den Rasse-Kater zusammen mit Maine-Coon-Katze Pauli von den Vorbesitzern.

Wegen einer zuvor nicht bekannten Katzenhaarallergie suchten die beiden ein neues Zuhause und wurden von Meier-Echtler aufgenommen.

Das halbe Dorf machte
sich auf die Suche

„Lui ist ein ganz Lieber, liebt es zu kuscheln und möchte immer gestreichelt werden. Dafür schlägt er oft bevorzugt den Weg zum Kindergarten ein“, schwärmt Marianne Meier-Echtler. Umso erschreckender war es für seine Besitzerin, als der graue Schmusekater eines Tages weg war.

Als Freigänger ist er oft im Dorf unterwegs, doch von seinem Rundgang kurz nach Weihnachten kam er dieses Mal nicht zurück. Beide Tiere dürfen in der Früh immer raus und kehren spätestens zur Fütterungszeit wieder heim. Darauf verlässt sich die Katzenbesitzerin in der Regel. Als Pauli alleine auftauchte, beschlich sie ein ungutes Gefühl.

Daraufhin hat sie ganz Reichertsheim nach der Samtpfote abgesucht, Garagen überprüft, Leute gefragt. Das halbe Dorf machte sich auf die Suche nach Lui. Ohne Erfolg: Der Kater blieb verschwunden. Mittlerweile war fast eine ganze Woche verstrichen.

„Vor lauter Verzweiflung setzte ich eine Vermisstenmeldung in meinen Whats-app-Status – und zehn Minuten später meldete sich meine Nachbarin Monika Wagenspöck. Sie erklärte mir, dass sie in dem Zeitraum, als Lui verschwand, einen Transport-Fahrer beobachtet hatte, der ‚etwas‘ in seinen Lieferwagen geworfen hatte. Sie dachte im ersten Moment, das könnte eine Katze gewesen sein, folgte dem Wagen bis zu unserem Lebensmittelgeschäft und machte ein Foto“, erinnert sich Meier-Echtler an den Moment, als eine vage Hoffnung in ihr aufflackerte. Ein Anruf bei dem Laden bestätigte ihr, dass der Lieferant jeden Morgen zwischen 6 und 8 Uhr vor Ort sei. Kurzerhand legte sich Marianne Meier-Echtler an einem Werktag in der Früh auf die Lauer, passte den Fahrer ab und konfrontierte ihn mit der Vermutung, er habe ihren Kater gestohlen. Da der Rumäne kaum Deutsch sprach, erläuterte Meier-Echtler ihm den Sachverhalt mithilfe einer Übersetzungs-App auf dem Handy.

„Anfangs stritt der Mann vehement alles ab. Wir haben bestimmt eine halbe Stunde lang diskutiert. Erst, als ich die Polizei rufen wollte und die Nummer wählte, knickte er ein. Zwischenzeitlich hatte ich nämlich schon eine Anzeige wegen Diebstahl gestellt“, unterstreicht die Reichertsheimerin den Ernst der Lage, was die Polizei Waldkraiburg gegenüber der Redaktion bestätigen kann. Der stellvertretende Dienststellenleiter erinnert sich an den Fall der verschwundenen Katze in der kleinen Gemeinde. Der Anfangsverdacht der Nachbarin erhärtete sich: Der Mann hatte Lui tatsächlich in seinem Transporter nach Altötting zu seiner Familie gebracht. Ein Whatsapp-Video-Anruf bei dessen Frau brachte endgültig den Beweis: Lui habe sogar auf Marianne Meier-Echtlers Stimme reagiert und sei auf das Handy zugelaufen.

Sie erklärte dem Fahrer, dass Diebstahl eine Straftat darstelle, und gab ihm die Chance: Wenn er Lui heil zurückbringe, meldet sie den Vorfall weder seiner Arbeitsstelle noch der Polizei und zieht die Anzeige zurück. Das gesetzte Ultimatum fruchtete: Zusammen mit seiner Frau, die gebrochen Deutsch konnte, fand die Übergabe des Tieres am 2. Januar statt – und Marianne Meier-Echtler war überglücklich, dass sie ihren Kater wieder hatte. Obwohl sich das Paar mehrfach entschuldigte, wird Marianne Meier-Echtler wohl nie erfahren, was genau sie mit Lui vorhatten – ob sie ihn einfach behalten wollten oder ob er verkauft werden sollte. Dass jemand aus dem Nichts eine Katze mitnimmt, bleibt ihr dennoch weiterhin ein Rätsel: „Verstehen kann ich das nicht. Ich hoffe, die zwei haben daraus ihre Lehren gezogen und ich bin einfach nur froh, dass Lui wieder da ist.“

Diebstahl
mit Happ End

Das Happy End hat Marianne Meier-Echtler mitunter ihrer Nachbarin zu verdanken: „Wenn Monika die Aktion nicht beobachtet und innerhalb von Sekunden reagiert hätte, hätte ich Lui wahrscheinlich nie wieder gesehen.“

Für Marianne Meier-Echtler war die Woche Ungewissheit besonders schlimm. Erst vor wenigen Monaten musste sie einen schweren Verlust in der Familie verkraften. Lui hat ihr über die harte Zeit hinweg Trost gespendet. „Als er schlagartig weg war, dachte ich, jetzt geht die Trauer wieder los.“

Umso dankbarer ist sie, dass die Geschichte schließlich eine positive Wende genommen hat. Und auch Lui hat sich daheim in Reichertsheim wieder eingelebt und dreht zusammen mit Pauli verspielt Runden im Garten von Marianne Meier-Echtler.

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