Gars – „Nehmen Sie sich einen Stuhl, setzen Sie sich zu uns und spielen Sie doch mit!“, heißt es gleich nach der Begrüßung am ohnehin schon gut besetzten Seniorentisch.
Acht Personen sitzen an diesem Freitagnachmittag in der Runde und spielen Karten, allerdings nicht Rommé oder ein anderes klassisches Kartenspiel. Bei den seit vergangenem Herbst regelmäßig angebotenen und für alle offenen Spielenachmittagen des Garser „Café Miteinand“ werden häufig eher neue Spiele ausprobiert.
Auf offene
Türen gestoßen
Das hat einen interessanten Hintergrund, wie man vom ebenfalls anwesenden Organisator und Betreuer erfährt: Christian Fürst-Brunner ist vergangenes Jahr nach Gars gezogen und hat sich schon nach kurzer Zeit mit einem attraktiven Angebot an die Gemeinde gewandt.
An seinem vorherigen Wohnort habe es nämlich Jahre gedauert, bis er integriert gewesen sei, und das sollte seiner Familie in Gars nicht wieder passieren. Als Vorstand des Vereins „Bayerisches Spiele-Archiv Haar“ bot er an, Spielenachmittage durchzuführen. Da sei er auf offene Türen gestoßen. Die Unterstützer des „Café Miteinand“ waren begeistert, konnte man doch ein bestehendes, eher gelegentliches Angebot ausbauen und verstetigen, und die Gemeinde stellte kostenfrei die sehr ansprechenden Räumlichkeiten im neuen Gemeindehaus „Alte Grundschule“ zur Verfügung.
Dort ist man wegen des großen Zuspruchs inzwischen aus dem Café im Kellergeschoss in den Gemeindesaal ein Stockwerk höher gezogen, wo neben der großen Seniorenrunde noch an zwei weiteren Tischen gespielt wird. Nebendran haben meist jüngere Kinder unter Anleitung der Erwachsenen ihren Spaß mit typischen bunten Kinderspielen, die bei Bedarf auch vorher erklärt werden.
Denn es sind oft neue Spiele, die hier zum Einsatz kommen. Fürst-Brunner hat sie größtenteils aus den Beständen seines Vereins selbst mitgebracht; sie stapeln sich auf einem langen Tisch an der Seite des Raumes.
Auch vergangenes Jahr war der Spielefan, der regelmäßig in der Presse Rezensionen zu neuen Spielen verfasst, wieder auf der Nürnberger Spielwarenmesse. „Die kennen mich da inzwischen schon!“, erklärt er schmunzelnd. Und so behält er nicht nur den Überblick über das neueste Spielangebot, sondern kann auch eine reiche Beute an Spielen mit nach Hause nehmen, welche die Verlage seinem Verein stiften.
Am dritten Tisch sind zunächst drei Kinder unter sich, deren Vorfahren ganz offensichtlich nicht aus Gars kommen. Sie haben vor sich eine Partie Schach aufgebaut, in die sie vertieft sind. „Schach ist eigentlich nicht so mein Spiel“, meint Fürst-Brunner dazu. Nur zwei Gegner stünden sich eher konfrontativ gegenüber, und man müsse ruhig und konzentriert spielen. Er bevorzugt Spiele, bei denen es kommunikativ und möglicherweise noch lustig zugeht und die man auch zu mehreren oder gar in größerer Runde miteinander spielen kann.
„Spielen ist so vielschichtig!“, versichert er. Es diene der Integration und Inklusion, alle müssten sich an die gleichen Regeln halten – wobei er bei größeren bunten Kinderrunden gelegentlich schon einmal als Schiedsrichter eingreifen müsse – und man lerne, mit Frustrationserlebnissen klarzukommen. „Dass man mal verliert, gehört eben auch dazu!“
Was er sich für die Spielenachmittage noch wünscht? „Ich möchte gerne ältere Kinder und Jugendliche für die Spieletreffs gewinnen!“ Das Freizeitangebot in Gars sei ja doch eher überschaubar, daher hoffe er, mit seinem Angebot vor Ort gewissermaßen eine „Marktlücke“ schließen zu können, wobei die Teilnahme natürlich kostenlos ist und Fürst-Brunner und seine Frau die Treffen ehrenamtlich betreuen.
Interesse an
Schafkopfkurs
Dass die Erweiterung des Interessentenkreises funktionieren könnte, belegt eine spezielle zusätzliche Veranstaltung: „Der Schafkopfkurs Teil 1 hat bereits stattgefunden. Es waren 14 Erwachsene und sechs Kinder da!“, berichtet er zufrieden. Während wir reden, hat sich nebenan Fürst-Brunners Theorie in der Praxis bestätigt: Die Schachpartie hat sich aufgelöst, und man spielt mit einem etwas Älteren vom anderen Kindertisch nunmehr gemeinsam Karten.