Traunstein/Waldkraiburg/ Wasserburg – Ein psychisch kranker 53-jähriger Mann aus Waldkraiburg beschäftigte die Polizei schon häufig. Er fiel durch teils aggressives Verhalten in der Öffentlichkeit auf, scherte sich nicht um Vorschriften und riss Wahlplakate aller Parteien ab. Er soll auf Polizeibeamte wie auf andere Geschädigte während seiner Unterbringung im Bezirksklinikum Gabersee losgegangen sein.
Jetzt steht er vor dem Landgericht Traunstein. Nach Staatsanwalt Mario Schild-John ist der 53-Jährige schuldunfähig, kann deshalb auch nicht bestraft werden. Einzige Alternative ist eine Unterbringung in der Psychiatrie.
Menschen fühlten sich in der Vergangenheit von dem „König von Babylon“, wie sich der Beschuldigte nennt, belästigt, teils auch bedroht. Er hat ein Wahngebäude aufgebaut, sieht sich bis heute als großer Herrscher über Anfang und Ende, meint, er sei dafür verantwortlich, die herrschenden schlechten Zustände in Ordnung zu bringen. Irgendwelche Vorschriften gälten nicht für ihn, meinte er gestern. Im Übrigen habe er niemand verletzt und beleidigt, höchstens mal angefasst oder geschubst. Der 53-Jährige soll im August 2024 in der Berliner Straße einen Geschädigten geschlagen haben. Das sei nicht zutreffend, beharrte der Beschuldigte gestern vor Gericht.
In der Stadt riss der in diesem Punkt geständige Beschuldigte 2025 18 Wahlplakate ab – insgesamt zehn des SPD-Ortsverbands Waldkraiburg, vier des CSU-Ortsverbands und vier des AfD-Kreisverbands Mühldorf. Der 53-Jährige erklärte dazu: „Ja, das habe ich gemacht. Auf den Plakaten sind lauter Lügen.“ Mit dem Zug RB 27311 fuhr der 53-Jährige gemäß Staatsanwalt am 15. Januar 2025 in Richtung Wasserburg. Zwei Schwarzfahrten brachten den 53-Jährigen ebenfalls mit dem Gesetz in Konflikt. Zum einen beleidigte er die Zugbegleiterin. Zum anderen wollte er seine Hände nicht aus den Jackentaschen nehmen, als ihn eine uniformierte Streife der Bundespolizei Rosenheim am Bahnhof Wasserburg dazu aufforderte. Nach einer Zwangsandrohung, die er ebenfalls missachtete, brachten die Polizisten den Mann zu Boden. Dieser rief angeblich „Ihr Hunde“ und schlug im Gerangel einen der Beamten mit dem Ellbogen in das linke Auge. Eine Prellung war die Folge.
Weitere vorsätzliche Körperverletzungen sollen sich im Bezirksklinikum in Gabersee abgespielt haben. Der Beschuldigte soll eine Frau am Nachmittag des 13. März 2025 ins Gesicht geschlagen haben. Das kommentierte er mit: „Alle Generationen sind bösartig. Ich habe sie nur an die Schulter gefasst.“ Nach einem Schlag soll der 53-Jährige einen Mann am 14. April 2025 grob am Hals gepackt haben. Das Opfer trug gemäß Antragsschrift Schmerzen, rote Striemen am Hals und eine Verletzung am Rücken davon. „Ich habe ihn nur geschubst“, meinte der Beschuldigte hierzu. Die Zeugen bestätigten jedoch ausnahmslos die Vorwürfe von Staatsanwalt Mario Schild-John. Er geht von einer schweren psychischen Erkrankung des 53-Jährigen aus. Dieser sei nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Taten einzusehen.
Unter den Zeugen war ein Beamter der Polizeiinspektion Waldkraiburg. Er informierte, der 53-Jährige sei stadtbekannt gewesen. Man habe gewusst, es könnte bei der Begegnung mit ihm zu Auseinandersetzungen kommen: „Es hieß, er sei unberechenbar.“
Ob der Mann „lästig für die Polizei“ gewesen sei oder „einen gefährlichen Eindruck“ gemacht habe, wollte das Gericht wissen. „Eher zweiteres. Wir haben im Großen und Ganzen schon alles ernst genommen, weil die Menschen Angst vor ihm hatten“, erwiderte der Polizist. kd