„Wir machen nichts aus einer Laune heraus“

von Redaktion

Gemeinde Aschau erklärt ihren Umgang mit Grünflächen nach der Kritik an gefällten Bäumen

Aschau – Eine gefällte Esche an der Howaschen, umgeschnittene Obstbäume in einer Siedlung – solche Maßnahmen wie zuletzt in Aschau stoßen bei Bürgern oft auf Unverständnis oder Ärger. Doch dass dies nicht aus reiner Willkür passiert, sondern bewusst abgewogen wird, erklären Stefan Feldhaus, technischer Leiter am Bauhof, und Landschaftsgärtner Sebastian Ertl.

Etwa 20 Bäume fällen die Mitarbeiter vom Bauhof jedes Jahr, viele davon werden an Ort und Stelle durch einen neuen Baum ersetzt. Die Gründe sind unterschiedlich: Schädlingsbefall, Witterungsschäden oder aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht. „Wir prüfen regelmäßig die Bäume in der Gemeinde oder gehen Hinweisen aus der Bevölkerung nach“, erklärt Stefan Feldhaus.

Kein Baum wird
willkürlich gefällt

Aus Willkür werde kein Baum gefällt, selbst wenn eine Krone zum Beispiel zu viel Schatten auf ein Grundstück wirft. „Bei der Ausweisung von neuen Wohngebieten genießen Bäume Bestandsschutz“, erklärt Feldhaus.

Landschaftsgärtner Sebastian Ertl sieht seine Aufgabe vor allem in der Pflege und dem Erhalt des Baumbestands: „Wir schützen die Bäume und Sträucher so lange wie möglich.“ Dazu gehört, sie ständig im Blick zu haben – wie sie sich entwickeln, ob sie krank werden oder später eine Gefahr darstellen könnten. Die Pflege dient nicht nur der Vitalität der Pflanzen, sondern auch dem Schutz von Gebäuden, Straßen und Wegen – und Menschen. „Manchmal erholen sich Bäume mit der Zeit, manchmal führt kein Weg am Fällen vorbei. Wir wollen ja verhindern, dass etwas passiert“, erklärt Ertl. Umsturzgefährdet war die Esche an der Howaschen zwar noch nicht. Der Eigentümer hatte bereits kranke und verfaulte Teile entfernt – in der Hoffnung, dass sich der Baum wieder erholt. Doch trotzdem fiel am Ende die Entscheidung gegen den Baum. Der Grund dafür lag nicht im Zustand der Krone, sondern im Wurzelwerk. Die Esche stand zu dicht an der Brücke, sodass ihre Wurzeln auf das Bauwerk drückten.

„Wurzeln haben eine ungeheure Gewalt“, erklärt der Landschaftsgärtner. Wasser könnte in das Bauwerk eindringen, Frost die Schäden verstärken. Das, was sich langsam unterirdisch ausbreitet, würde langfristig Schäden verursachen. „Wir haben 29 Brücken in Aschau und zu jeder gibt es ein Gutachten und eine Handlungsempfehlung“, erklärt Feldhaus.

Auch in Zukunft könnten weitere Bäume oder Sträucher an Brücken zurückgeschnitten oder gefällt werden müssen. „Zum Teil wurden Sträucher von Anwohnern gepflanzt, die Jahre später Schäden verursachen können“, sagt Feldhaus.

Ein ähnliches Problem ergab sich in der Siedlung am Korn- und Wiesenfeld. Die kürzlich gefällten Obstbäume waren von Anfang für diesen Standort ungeeignet, mittlerweile zu groß geworden. Schäden am Gehweg und Betonsockeln der Anwohner drohten.

„Ein Umsetzen der Bäume war nicht möglich – das hätten sie nicht überlebt“, erklärt Stefan Ertl. Vermutlich werden nun Sträucher als Ersatz gepflanzt. „Sträucher sind oft ökologisch wertvoller und passen besser in den begrenzten Raum. Für die Obstbäume dort war es von Anfang an der falsche Standort.“ Pflege und Verjüngung gehören zur Arbeit der Bauhof-Mitarbeiter, wie bei der Hecke am Sportplatz. Teilweise wurde sie „auf den Stock“ gesetzt, um unterschiedliche Altersstrukturen zu schaffen. Jüngere Triebe können nachwachsen, ältere bleiben erhalten, neue Sträucher wurden gepflanzt, damit die Hecke langfristig stabil und ökologisch wertvoll bleibt. „Wir haben uns bewusst entschieden, wie wir bei der Hecke am Sportplatz vorgehen“, erklärt Ertl.

Pflegen, um
Schäden zu vermeiden

Auch Bürgermeister Christian Weyrich betont die Strategie dahinter. „Teilweise wird gezielt in das Landschaftsbild eingegriffen, um die Ökologie zu fördern.“ Die Pflege, aber auch der Schnitt von Bäumen und Sträuchern ist Teil des Grünflächenmanagements der Gemeinde. Die Mitarbeiter beobachten, pflegen und ersetzen – mit dem Ziel, Schäden zu vermeiden und Bäume und Sträucher zu erhalten.

Was aber bei dem Frust über gefällte Bäume übersehen werden kann: Die Gemeinde Aschau pflanzt wieder nach. In den vergangenen fünf Jahren hat die Gemeinde rund 180 Bäume gepflanzt.

„Uns kann gerne jeder ansprechen und fragen, was wir tun. Wir machen nichts aus einer Laune heraus“, sagt Feldhaus.

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