Frischer Wind für Neumarkt-St. Veit

von Redaktion

Vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt stellen sich vor

Neumarkt-St. Veit – Schon eine Stunde vor Einlass standen die ersten Bürger vor dem Kulturbahnhof Schlange. Sie wollten sich unbedingt einen der rund 150 Sitze für die Podiumsdiskussion ihrer vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt sichern. Dazu eingeladen hatten die Stadt und die OVB-Heimatzeitungen, moderiert wurde von Josef Enzinger, Redakteur des Neumarkter Anzeigers.

Im bis auf den letzten Platz besetzten Saal erlebte das Publikum eine faire und sachliche Frage- und Antwortenrunde mit den Bürgermeisteranwärtern Thomas Döring (Bündnis 90/Die Grünen), Peter Hobmaier (UWG), Stefan Streck (CSU) und Madlen Winterer (SPD). Sie alle wollen Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) nachfolgen, der nach 24 Jahren in den Ruhestand geht.

Finanzieller Spielraum
ist begrenzt

Alle vier waren sich einig, dass für die Stadt dringend neuer Schwung her müsse. Eines sei aber allen bewusst: Angesichts der nicht rosigen Finanzlage der Stadt und der vielfältigen Pflichtaufgaben wie Unterhaltung, Sanierung und Bau von Kanal, Kläranlage, Brücken und Straßen ist der finanzielle Spielraum für das neue Stadtoberhaupt sehr begrenzt.

Auch beim Thema mehr Bürgernähe und transparentere Verwaltung herrschte Einigkeit. Das sei unter anderem zu erreichen mit Referentensprechstunden, mehr Social-Media-Angeboten der Verwaltung für junge Leute und einem aufgepeppten Mitteilungsblatt der Stadt (Streck); Bürgerfragestunden vor oder nach den Stadtratssitzungen und einem Mitteilungsblatt mit weniger amtsdeutsch (Hobmaier); mit Stadtratssitzungen, die digital ins Wohnzimmer übertragen werden und einem Rederecht für Antragsteller (Winterer); Bürgerversammlungen im Außenbereich, der Möglichkeit von Bürger- und Jugendfragen im Stadtrat, Sportler- und Ehrenamtsehrungen (Döring). Thomas Döring, seit sechs Jahren im Stadtrat, möchte als Rathauschef Abwanderungen von Firmen verhindern, Leerstand beheben und Jungunternehmer in einem neuen Gewerbegebiet ansiedeln. Keine großen Versprechungen abgeben, sondern kleine Sachen vorantreiben. Als weitere Geldquellen sollten Neumarkts Stadtwerke mehr Ladestellen für E-Autos errichten und ein fester Blitzer installiert werden.

Seine 18 Jahre Erfahrung als Stadtrat und zwölf Jahre als Kreisrat hob Peter Hobmaier hervor. Angesichts des Schuldenstands der Stadt wolle er sauber wirtschaften und das vorhandene Geld „mit Verstand“ einsetzen. Neumarkt müsse wirtschaftlich vorwärtskommen, um mehr Steuergelder einzunehmen. Man müsse die ganze Stadt attraktiver machen mit weichen Standortfaktoren wie Schulen und Freizeiteinrichtungen, das fördere das Interesse an privatem Zuzug und Gewerbeansiedlungen.

Stefan Streck setzte seinen Schwerpunkt auf die Wirtschaft, die Ausweisung neuer Gewerbeflächen und Ansiedlung von mittelständischen Betrieben, um über die Gewerbesteuer Geld für neue Projekte in die Stadtkasse zu spülen und Schulden abzubauen. „Einnahmen stärken, Ausgaben kontrollieren, Wirtschaft aufbauen“, so sein Credo. Als Bürgermeister würde er ein Leerstands-Managment aufbauen und zur Chefsache machen, dem Stadtkern „Leben einhauchen“.

Madlen Winterer hat sich die Schaffung von mehr Transparenz und Vertrauen im Umgang von Bürgermeisterin und Verwaltung mit den Bürgern auf die Fahne geschrieben, mehr Bürgernähe, mehr Gemeinschaft.

Der neu gestaltete Stadtplatz müsse weiter belebt, die Stadt nach außen attraktiver werden. Sie setze auf neuen Mittelstand und Kleingewerbe, den Breitbandausbau im Stadtkern und die gute Anbindung Neumarkts an Bahn und Autobahn.

Rund um Neubau oder Sanierung des Feuerwehrhauses Teising vertrat Hobmaier die Idee, eventuell einen Schützensaal obenauf zu setzen. Streck wolle zusammen mit dem Landratsamt prüfen, ob dieses Vorhaben vom Bauturbo profitieren könne. Winterer möchte ausloten, ob im Sinne eines modernen Städtebaukonzepts ein neues Feuerwehrhaus gleichzeitig mit Wohnungsbau für die Stadt finanzierbar sei. Die beste Lösung mit allen Akteuren an einem Tisch strebt Döring an.

Eine Begegnungsstätte für die Jugend, wie einen Jugendtreff und deren Einbindung in die Stadtpolitik etwa über ein Jugendparlament, haben sich alle vier Kandiaten vorgenommen. Angesichts der Überalterung der Gesellschaft, die auch Neumarkt trifft, wünschte sich Winterer die Umsetzung alternativer Konzepte, wie Wohngemeinschaften von Jung und Alt oder einen Waldkindergarten, dessen Angebot wieder neue junge Familien in die Stadt locken könnte. Mehrgenerationenhäuser konnten sich auch Döring und Hobmaier gut vorstellen: Jung und Alt zu verknüpfen, sei ein Win-win für alle. Neumarkt müsse sich durch stärkeres Wachstum verjüngen, plädierte Streck und rechnete vor: Von 2011 bis 2022 habe die Stadt nur 150 Einwohner dazugewonnen, das entspreche 3 Prozent. Der Landkreis sei in diesem Zeitraum um 10 Prozent, Mühldorf um 30 Prozent gewachsen.

Was die Versorgung der Bürger mit Heizenergie angeht, wäre für Döring eine eigene Geothermie wünschenswert, aber nicht finanzierbar. Der Biogasausbau sei momentan ausgereizt. Er sehe Chancen in lokalen Wärmenetzen und hofft auf neue Technologien, wie Wasserstoff, der durch Neumarkts Gasnetz geschickt werden könnte. Die nächsten Schritte in der kommunalen Wärmeplanung will Streck gehen: Mit Energiebetreibern ins Gespräch kommen, eine zweite Biogasanlage ausbauen. Geothermie sei ohne einen fixen Großabnehmer nicht finanzierbar. Auch für Hobmaier „bringt Geothermie bei uns nichts“. Es sei schlicht zu teuer und gebe auch zu wenige private Abnehmer, denn neu gebaute Häuser bräuchten immer weniger Energie. Zu einer zweiten Biogasanlage meinte er, die Leute müssten sich dann auch anschließen, sonst funktioniere es nicht.

Nicht auf eine pauschale Lösung für alle, sondern auf viele individuelle Lösungen, wie etwa Pelletsheizungen, setzt Madlen Winterer. Sie könne sich auch ein dezentrales Holzkraftwerk vorstellen. Von Moderator Josef Enzinger reihum gefragt, warum gerade sie zum Bürgermeister gewählt werden sollten, erntete Thomas Döring mit seiner ehrlichen Antwort einen Lacher. „Viele haben zu mir gesagt, du wärst ideal, aber in der falschen Partei“, plauderte er aus. Für ihn gehe es aber nicht um die Parteizugehörigkeit, sondern um eine vernünftige und brauchbare Person an der Stadtspitze. „Neumarkt ist zu schade für Experimente“, stellte Peter Hobmaier fest. Er wisse mit seiner Erfahrung, wie Verwaltung funktioniere. Die Stadt brauche eine ruhige, standhafte Führung mit Augenmaß.

Zum guten Schluss:
„Make NSV great again“

Neue Energie und frischen Wind wolle Stefan Streck mitbringen, klare Visionen vertreten und sich in neue Themen einarbeiten. „Ein Bürgermeister kann alleine gar nichts“, sagte er. „Ich stimme auf eine gute Zusammenarbeit ein, wir müssen zusammen für Neumarkt einstehen.“

Madlen Winterer kündigte an, als von außen kommend, mit Neutralität in das Amt zu gehen. Mit einem Augenzwinkern forderte sie die Wähler auf, am Wahltag 8. März – am Weltfrauentag – ein Zeichen zu setzen. „Wer mich kennt, kennt auch meinen schlechten Humor“, leitete sie ihren finalen Satz ein und plädierte: „Make NSV great again!“

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