Steckbrief

von Redaktion

Mühldorf – Was sind Ihre Themenschwerpunkte für den Landkreis Mühldorf? Das wollten wir von Bianca Hegmann (Die Grünen) wissen. Das ist der Beitrag der Berufsschullehrerin (46) aus Polling.

Hegmann: Ich möchte den Landkreis Mühldorf in eine nachhaltige, offene und lebenswerte Zukunft führen. Als Kreisrätin weiß ich, dass wir keine leichten Zeiten haben. Geld ist kaum da und unsere Demokratie wird von rechts außen massiv attackiert.

Genau deshalb trete ich an. Durch mehr Beteiligung der Landkreisbürger*innen möchte ich der Demokratie einen Schub verpassen: Bürger*innen in Workshops vor Ort fragen, bevor die Planer kommen – für mich ein Erfolgsmodell, das ich in anderen Kommunen schon miterleben durfte.

Knappe Kassen bedeuten nicht Ideenlosigkeit: Für viele Neuausrichtungen braucht es kein Geld, sondern eine andere Einstellung. Zum Beispiel beim Klima- und Naturschutz: Manchmal hilft es, Dinge einfach nicht zu tun, wie die Versiegelung unseres wertvollen Bodens. Oder es anders zu tun: Als Landrätin werden Sie mich nicht im großen Dienstwagen erleben. Der Kreis hat in den letzten Jahren vielen ehrenamtlichen Organisationen selbst kleinste Beträge gestrichen. Hier geht für mich Gemeinschaft eindeutig vor komfortable Dienstfahrten.

In einer alternden Gesellschaft wird Mobilität ein Schlüsselthema für soziale Teilhabe. Wir können nicht warten, bis die Demografie zuschlägt und viele Menschen nicht mehr Autofahren können. Wir müssen heute den MVV-Beitritt nutzen und planen. In finanziell besseren Zeiten setzen wir dann sofort um.

Das hilft allen: Kindern und Jugendlichen, „Mama-Taxis“, Senior*innen, Menschen mit wenig Geld oder schlicht Menschen, die sich freie Straßen wünschen. Werden wir heute kreativ mit Ehrenamts-Bussen, Senioren-Taxis, Mitfahrbankerl oder Mitfahr-App: Mobilitätsverbesserungen gibt es auch mit wenig Geld.

Für Arbeitsplätze sorgen wir zukünftig, indem wir landkreisweit bestehende Gewerbeflächen überplanen: mithilfe von Strukturkonzepten lassen wir Unternehmen da ansiedeln, wo Gewerbe abwandert. Denn dort gibt es bereits die nötige Infrastruktur und Menschen, die neue Chancen suchen.

Wir achten dabei darauf, dass Unternehmen zu uns aufs Land kommen, die wenig Fläche pro Arbeitsplatz brauchen. Also zum Beispiel IT-Unternehmen, Forschung/Entwicklung oder Dienstleistungsunternehmen statt weiterer Logistikhallen. Unser gut ausgebildeter Nachwuchs bekommt Stellen in der Region und wandert nicht in die Städte ab.

Mühldorf ist ein wachsender Landkreis. Für das Wohnen bedeutet das: es muss bezahlbar bleiben. Optimal dafür sind Mehrfamilienhäuser, die gleichzeitig Ortskerne wiederbeleben: Während oben Wohnungen sind, können unten zum Beispiel Cafés, Arztpraxen oder Begegnungszentren für Vereine und Feste eingeplant werden. Mit der Kreiswohnbau ermöglichen wir neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser.

Die Starkregen-Ereignisse der letzten Jahre haben es uns gezeigt: Mit den Folgen des Klimawandels müssen wir umgehen. Wir begrünen und entsiegeln Städte und Dörfer und schützen unsere wertvolle Landschaft. Statt Hitzestau und Verkehr zu neuen Gewerbegebieten, schützen wir mit dem Erhalt von Wiesen und Feldern unser Grundwasser, sorgen für Kühlung, speichern CO2, stoppen das Artensterben und sichern uns die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln.

Wir erzeugen mit dem Landkreiswerk unsere eigene Energie und schaffen so Wohlstand für Gemeinden und Bürger*innen.

Die Zukunft schulden wir unseren Kindern, also machen wir uns gemeinsam auf den Weg, die Lebensgrundlagen und die wirtschaftliche Zukunft unseres Landkreises zu sichern. Über Parteigrenzen hinweg und mit Ihnen: Ein Landkreis – ein Wir.

Der Demokratie einen Schub verpassen

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