Waldkraiburg – Anwohner einer Siedlung in Waldkraiburg beklagen ein Taubenproblem und starke Verschmutzung. Sie erhoffen sich Unterstützung von der Stadt, doch die lehnt ein Eingreifen bislang ab, da sie keine generelle Gefahrenlage sieht.
Wer in Waldkraiburg in der Siedlung beim Jahn-Stadion unterwegs ist, hört sie schon gurren. Rund zehn Tauben sitzen an einem Mittwochmittag auf den Dächern. Laut Anwohnern sollen es zu Höchstzeiten über 50 Stück sein. „Sie kommen meistens in Scharen“, sagen zwei Waldkraiburger, die anonym bleiben möchten.
Häuser und Wege
sind verschmutzt
Seit rund einem Jahr würden die Vögel Probleme in der Siedlung verursachen. Häuser, Wege und Straßen würden stark verkotet, erklären die beiden. „Wir mussten sogar unser Haus mit einem Hochdruckreiniger säubern“, sagen sie. Mit ihrem Anliegen stehen sie zudem nicht alleine da. 18 weitere Nachbarn haben einen Brief an die Stadt Waldkraiburg, der der Redaktion vorliegt, unterschrieben. Darin vermuten sie, dass die Tauben gefüttert und deswegen in derart hoher Zahl in der Siedlung erscheinen würden. Von der Stadt fordern die Unterstützer des Schreibens, ein Tauben-Fütterungsverbot zu verhängen. Mit dem Anliegen seien die Bürger schon vor mehreren Wochen im Rathaus gewesen. Hier habe es geheißen, dass es in Waldkraiburg kein Taubenproblem gebe.
Im Rathaus sind die Beschwerden aus der Siedlung bekannt, erklärt Moritz Althammer, Leiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung, auf Anfrage. „Dabei handelt es sich um Hinweise einzelner Anwohner auf eine erhöhte Anzahl von Tauben und anderen Vögeln in diesem Straßenzug.“
Eine Stadt müsse jedoch erst dann tätig werden, wenn von den Tauben eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Gesundheit ausgehe, erklärt Althammer. „Zum Beispiel bei nachgewiesenen Gesundheitsrisiken, erheblichen Verschmutzungen öffentlicher Flächen oder Sachschäden an Eigentum, die über ein übliches Maß hinausgehen“, sagt er.
Erst dann komme aus rechtlicher Sicht ein Tauben-Fütterungsverbot in Betracht. „Nach der aktuellen Einschätzung der Stadt Waldkraiburg liegt eine solche Gefahrenlage derzeit nicht vor“, führt Althammer weiter aus.
Zudem beschränke sich die Situation auf einen sehr begrenzten Bereich und stelle aktuell kein allgemeines, stadtweites Problem dar. Bei einer Besichtigung vor Ort habe die Stadt „keine objektiv erhöhte Population von verwilderten Tauben festgestellt“, erklärt Althammer.
Allgemein festgelegte
Grenze gibt es nicht
Das Landratsamt Mühldorf bestätigt, dass die Entscheidung über ein Tauben-Fütterungsverbot bei der Kommune liege. Eine einzelne Person habe keinen Anspruch auf eine derartige Verordnung. „Eine allgemein festgelegte Grenze, ab wann Tauben ein Problem verursachen, beziehungsweise die Gemeinde tätig werden muss, gibt es nicht“, heißt es von der Behörde.
Die Entscheidung der Gemeinde hänge im Einzelfall vom Ausmaß der „Taubenplage“ und insbesondere von den hierdurch verursachten und noch zu erwartenden Schäden an der Bausubstanz und der Verschmutzung von öffentlichen Straßen durch Taubenkot ab, so das Landratsamt.