53-Jähriger reißt Plakate ab – Psychiatrie droht

von Redaktion

„Ich möchte nur helfen“ – Psychisch Kranker sieht sich als Retter der Welt – Menschen verletzt

Traunstein/Waldkraiburg/ Wasserburg – Eine schwere psychische Erkrankung, erhebliche Straftaten“ und eine künftige Gefahr für die Allgemeinheit sind die juristischen Voraussetzungen für eine strafrechtliche Unterbringung in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus. Im Fall eines psychisch kranken Mannes (53) aus Waldkraiburg muss die Siebte Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braune entscheiden, ob sie erfüllt sind. Die Plädoyers und das Urteil werden am 25. Februar erwartet. Der 53-Jährige war zwischen August 2024 und April 2025 durch Aggressionsdelikte aufgefallen. Fünf Sachbeschädigungen durch Abreißen von insgesamt 18 Wahlplakaten in Waldkraiburg, eine Körperverletzung in Waldkraiburg in der Berliner Straße, Fahren ohne Fahrkarte im Zug nach Wasserburg samt Beleidigung der Zugbegleiterin, anschließend eine Rangelei mit Vertretern der Bundespolizei mit Verletzung eines Beamten, drei Körperverletzungen im Bezirksklinikum Gabersee – die Liste der Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit ist lang.

Der Beschuldigte räumte am ersten Prozesstag ein, die Plakate heruntergerissen zu haben – mit der Begründung, alle Parteien verbreiteten „Lügen“. Die übrigen Vorwürfe von Staatsanwalt Mario Schild-John wies der Beschuldigte weitgehend zurück, gestand lediglich ein, die Menschen angefasst und berührt zu haben. Er wolle nur helfen. Verletzt und beleidigt habe er niemand, beteuerte der 53-Jährige. Und eine Fahrkarte brauche er nicht als „König von Babylon“. Mal bezeichnete sich der selbsternannte Herrscher über Anfang und Ende auch als „König von Bayern“ oder „König von Gabersee“. Zahlreiche Zeugen bestätigten bereits die einzelnen Taten. Das Gericht zog unter anderem Mitbewohner in stationärer Unterbringung zu. Sie mussten allerdings nicht persönlich erscheinen. Die Kammer hörte sie per Videovernehmung an. Der Beschuldigte verbrachte schon lange Zeit in forensischer beziehungsweise zivilrechtlicher Unterbringung. Der psychiatrische Sachverständige Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee schilderte gestern, der 53-Jährige leide unter Wahnvorstellungen, inhaltlichen Denkstörungen, sei besessen von „ausgeprägtem Größenwahn mit der Vorstellung vom Weltherrscher, der die Ordnung wiederherstellen und Übeltäter beseitigen muss“. Der 53-Jährige wolle unbedingt gesund erscheinen, sei es aber nicht und verfüge über keinerlei Krankheitseinsicht. Der Gutachter attestierte eine schwere psychische Erkrankung mit chronischem Verlauf und akuten Schüben mit Wahrnehmungsstörungen.

Zwischendurch seien kleine Besserungen eingetreten. Nach eigenmächtigem Absetzen der Medikamente 2023 habe sich der Zustand des Beschuldigten 2024 verschlimmert. Durch andere und stärkere Medikamente sei es inzwischen wieder besser geworden. Weitere regelmäßige Medikation sei unverzichtbar, betonte der Sachverständige. Der 53-Jährige beteuerte seine Bereitschaft, die notwendigen Arzneien zu nehmen, verfiel aber gleich wieder in Bedauern: „Wir werden nie eine gesunde Generation haben.“ Der Sachverständige erachtete letztlich die Voraussetzungen für eine strafrechtliche Unterbringung als erfüllt. Ohne ausreichende Behandlung sei mit weiteren ähnlichen Taten zu rechnen. Die Maßregel zur Bewährung auszusetzen, dazu sei es derzeit zu früh, stellte Dr. Eberl fest. Außerdem sei kein geeigneter sozialer Empfangsraum vorhanden. kd

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