Mühldorf/Mettenheim – Projektleiterin Esther Lindner hatte zur Auftaktveranstaltung des „Kiebitz-Schutzprojekts 2026 im Landkreis Mühldorf“ zum Kreuzerwirt in Mettenheim eingeladen. Esther Lindner, zugleich stellvertretende LPV-Geschäftsführerin, erklärte, dass dieses Schutzprojekt inzwischen zehn Jahre mit steigendem Erfolg läuft.
Ins Leben gerufen wurde es damals von Elisabeth Herold, Daniela Kiermeier und Ingrid Schubert von der LBV-Kreisgruppe, wofür Lindner den drei Damen eine selbst gefertigte „Kiebitz-Tasse“ überreichte.
Im Jahr 2020 übernahm schließlich der LPV Mühldorf die Leitung und Koordination des Projektes, da der große bürokratische Aufwand ehrenamtlich nicht mehr zu leisten war. „Das Schutzprojekt wird mit einer 90-prozentigen Förderung aus Mitteln des Freistaates Bayern unterstützt.“
Im Mittelpunkt der Versammlung stand die Kiebitz-Brutsaison 2025, die Esther Lindner als „ein Jahr der Superlative und Kuriositäten“ bezeichnete. Ende Februar zogen auffallend große Kiebitz-Schwärme durch die Landkreise Mühldorf und Altötting; bei Burgkirchen wurden weit über tausend Kiebitze gezählt.
Dies bestätigte erneut, dass das Isental eine wichtige Route und ein Rastplatz für den Vogelzug allgemein ist. Bereits am 6. Februar wurden in diesem Jahr erste durchziehende Kiebitze im Isental gesichtet.
Beginn der Brutzeit war im vergangenen Jahr der 22. März, das Ende am 15. Juni. Mit 86 Tagen war es die bisher kürzeste Brutsaison. 17 Helfer waren zum Schutz der Gelege unterwegs, leisteten insgesamt 503 Stunden Arbeitseinsatz und legten dabei 3066 Kilometer zurück. Nach Einholung der Genehmigung wurden 71 Kiebitz-Gelege markiert und bei Bewirtschaftungsgängen begleitet, zum Beispiel durch Abdecken der Nester mit großen Wannen. In manchen Brutgebieten wie in Mettenheim und Polling ist es laut Lindner unbedingt notwendig, die Gelege großflächig mit Schutzzäunen zu umgeben, um überhaupt einen Bruterfolg erreichen zu können. Der Aufbau, die zur Feldbearbeitung notwendige Umlegung und der Abbau der oft mehrere hundert Meter langen Zäune ist schwere und zeitintensive Arbeit.
Nur so konnte aber das beste Ergebnis seit 2020 erreicht werden: Es wurden 56 Kiebitz-Brutpaare gezählt, 71 Gelege markiert und betreut. Davon hatten 49 Gelege einen Schlupferfolg, was einer Quote von 69 Prozent entspricht. 25 Gelege wurden durch einen Elektrozaun geschützt.
Auch von Besonderheiten und Kuriositäten wusste die Projektleiterin zu berichten. So wurde im Gaymoos erstmals ein Gelege mit fünf Eiern gefunden; es gab mehrere Gelege mit nur einem Ei, die nicht weiter bebrütet wurden. Mit einer Wildkamera wurde beobachtet, dass ein Altvogel die eigenen Eier wieder entfernte.
Im Brutgebiet Gaymoos bekamen acht Küken einen Metallring der Vogelwarte Radolfzell. Ein im vergangenen Jahr im Landkreis Altötting beringter Kiebitz wurde 338 Tage später und in 13 Kilometer Entfernung vom Beringungsort gesichtet. Ein weiterer im Landkreis beringter Kiebitz wurde im November 2025 in Spanien erschossen.
„Wir hatten 2025 ein super Kiebitz-Jahr, für das es vor allem zwei Gründe gibt. Zum einen wurden noch nie so viele Schutzmaßnahmen durchgeführt“, sagte Projektleiterin Lindner. „Der Hauptgrund ist aber das riesige Engagement so vieler ehrenamtlicher Helfer und die ausgezeichnete Zusammenarbeit besonders mit den Landwirten, der Unteren Naturschutzbehörde und den betroffenen Gemeinden. Das gibt Hoffnung, dass sich der erfolgreiche Trend weiter fortsetzt.“ Georg Meling