Leerstand und Müll stören das Stadtbild

von Redaktion

Das ärgert Bürger: Strenge Regeln für Schaufenster, aber verfallene Gebäude

Waldkraiburg – In der alten Buchhandlung Lang stapeln sich die Bücher bis unter die Decke. Die Einbände sind vergilbt und staubig, im Schaufenster hängt noch immer eine alte Weihnachtsdekoration, darunter liegen auf einem Stapel Hefte wild übereinander. Vor der ehemaligen Garage türmt sich der Müll: Kisten, ein alter Hometrainer und ein Schaukelstuhl wurden vor Jahren hier abgestellt und nicht mehr angefasst. Seit Jahren steht das Haus leer, für Annemarie Deschler eine „Katastrophe“.

„Die Verwaltung muss hier reagieren“, kritisiert sie. Ihr Ärger ist mit der Diskussion um die Regelung der Schaufenster-Beklebung noch größer geworden. Für sie ist das ein Widerspruch: Ein Elektro-Geschäft müsse schließen, weil die Beklebung der Schaufenster nicht zulässig sei, während nur wenige hundert Meter weiter ein Haus seit Jahren nicht mehr bewohnt ist und die Stadt nichts unternehme. „Warum kann man nicht dem Eigentümer auferlegen, die Schaufenster zu bekleben oder zu verhängen, damit es ordentlich aussieht?“, fragt sich die ehemalige Stadträtin.

Ihre Bekannte Roswitha Wohland stimmt ihr zu: „Das schaut doch asslig aus. Wenn etwas nicht ins Stadtbild passt, dann doch so etwas“, bezieht sie sich auf die Diskussion zur Schaufenster-Beklebung im Bauausschuss. Nur wenige hundert Meter weiter, in der Braunauer Straße, steht ein weiteres Haus seit Jahren leer. Doch den beiden Frauen geht es nicht nur um die alten Häuser. Sie stören sich auch am Müll auf Straßen und Gehwegen: weggeworfene Zigarettenstummel, eine zerbrochene Glasflasche an einer Hausecke oder Verpackungen von Schokoriegeln im Gebüsch. „Die Stadt verdreckt immer mehr“, ärgert sich Wohland. Hier müsse die Stadtverwaltung eingreifen und mehr Druck auf die Grundstückseigentümer ausüben, damit Wege sauber gehalten werden. Tatsächlich hat die Stadt im vergangenen Jahr ihre Satzung zur Reinigung von Gehwegen und Straßenrändern überarbeitet. Seitdem liegt die Verantwortung für saubere Gehsteige bei den Eigentümern. Die Verwaltung kann nur begrenzt eingreifen. „Verstöße können zwar geahndet und mit Bußgeldern belegt werden, doch rechtlich gibt es dazu mehrere Vorstufen“, erklärt Bauamtsleiter Carsten Schwunck auf Nachfrage. Bis entsprechende Maßnahmen greifen, vergehe Zeit und oft sei der Müll dann bereits verschwunden. Schwunck räumt ein, dass es in der Stadt einzelne Problemzonen gebe, ein generelles Müllproblem sieht er hingegen nicht.

Für die längst aufgegebene Buchhandlung und das Haus in der Braunauer Straße gilt Ähnliches: Beide Gebäude befinden sich in Privateigentum, weshalb die Stadt nur sehr eingeschränkt tätig werden kann. „Es gibt keine rechtliche Grundlage“, erklärt Schwunck. Von den Gebäuden geht nämlich keine Gefahr aus, weder durch Schadstoffe noch durch Ungeziefer oder überwuchernde Pflanzen.

Ob sich in absehbarer Zeit etwas am Zustand der Häuser ändert, ist unklar. „Aktuell hat keiner der Eigentümer Interesse am Bauen.“ Das hänge zum einen mit der allgemeinen Bau-Situation zusammen, zum anderen mit der weiteren städtebaulichen Entwicklung in der Braunauer Straße. Wie die sich künftig gestaltet, hänge unter anderem mit dem Weggang der Firma Atoma zusammen.

Artikel 1 von 11