Kraiburg – Schnell verbreitete sich in der Marktgemeinde die Nachricht, dass Christa Fuchs gestorben ist. Es kam nicht unbedingt überraschend, doch war die Trauer über den viel zu frühen Tod groß. Sie war eine Vollblut-Kraiburgerin, obwohl sie erst mit 18 Jahren in den Ort kam.
Ein unfreiwilliger
Neuanfang in Kraiburg
Christa Fuchs erblickte am 14. Oktober 1952 in Passau das Licht der Welt. In rascher Folge kamen dann ihre fünf Geschwister zur Welt. Als sie sechs Jahre alt war, zog die Familie nach München. Sie wuchs wohlbehütet von einer liebevollen Mutter und einem strengen Vater auf. Als Älteste musste sie bereits früh Verantwortung für ihre Geschwister übernehmen und oft ihre eigenen Belange zurückstellen.
Nach Abschluss ihrer Schulzeit absolvierte sie eine Lehre zur Großhandelskauffrau für Textilien. Als sie 18 Jahre alt, aber damals noch nicht volljährig war, gab ihr Vater sie gegen ihren Willen nach Kraiburg zu Onkel und Tante, die selbst keine Kinder hatten. Das war unsagbar schlimm für sie: Fort von den Eltern, getrennt von Geschwistern und Freunden, weg aus der Großstadt in einen kleinen Marktflecken zu Verwandten, die sie kaum kannte. Nach einem Jahr veränderte sie sich beruflich und ging zur Firma Lowi, wo sie bis zur Rente blieb.
Tief verwurzelt
im Vereinsleben
Für Christa Fuchs war es selbstverständlich, von sich aus Kontakte zu suchen und sich in ihrem neuen Wohnort zu engagieren. 1971 trat sie als Gardemädchen der frisch gegründeten Narrengilde bei, 1974 war sie Gründungsmitglied des Tennisclubs Kraiburg. 1976 trat Christa Fuchs den Schäfflern bei, wo sie bis zuletzt Chefin der Schäfflerinnen war, und seit 1983 war sie Mitglied im Katholischen Frauenbund.
Vor 40 Jahren trat Christa Fuchs schließlich der neu gegründeten Theatergruppe bei, in der sie nicht nur ein wertvolles und geschätztes Mitglied war, sondern auch 34 Jahre Schriftführerin und zudem Organisatorin des Kostüm- und Requisitenfundus. In fast 30 Rollen – komische, ernste, laute, leise Rollen – stand sie auf der Bühne und glänzte in Paraderollen. Sie war eine Schauspielerin, die nicht nur Texte lernte, sondern Figuren lebendig machte.
Lebensfreude
und Geselligkeit
Ein besonderer Ort der Lebensfreude war für die Verstorbene der „Unterbräu“. Dort traf sie sich seit Jahrzehnten nach dem Frauenturnen mit ihren Damen zur „Mundgymnastik“. Auch das dort etablierte Wirtshaussingen besuchte sie regelmäßig und übernahm für Jahre die Organisation.
Große Freude hatte Christa Fuchs, wenn die Schotten nach Kraiburg kamen. Dann verbrachte sie mit ihnen viele gesellige Stunden und vermittelte ihnen bayerisches Lebensgefühl und Wirtshauskultur. Der Besuch aller Festivitäten in Kraiburg war für sie selbstverständlich, und an dem Tisch, an dem sie saß, war immer beste Stimmung.
Schwere Schicksalsschläge
und ein tapferer Kampf
Das Leben von Christa Fuchs war aber auch geprägt von schweren Schicksalsschlägen: Neben dem Tod ihrer Eltern musste sie auch ihren Bruder Charly und ihre Schwestern Sissy und Heidi auf ihrem letzten Weg begleiten, und auch ihr geliebter Neffe Stefan, der viele Ferien und Wochenenden bei seiner Tante verbrachte, verunglückte tödlich.
Im Mai 2023 erhielt Christa Fuchs die Diagnose: akute myeloische Leukämie. Die folgenden Jahre waren ein ständiger Wechsel zwischen Hoffnung und Rückschlägen. Bald nach der Stammzellenspende war klar, dass der Krebs zurückgekommen war.
Trotz vieler therapeutischer Maßnahmen und mehrerer Klinikaufenthalte schlief Christa Fuchs im Alter von 73 Jahren schließlich friedlich für immer ein.