Spatenstich im Herbst realistisch?

von Redaktion

Stadtwerke: Im April soll Entwurf für neues Hallenbad stehen – Fragen zur Finanzierung

Mühldorf – In wenigen Monaten – genauer im Herbst – soll der Spatenstich für Mühldorfs neues Hallenbad erfolgen. Wirklich? Das wollte Kathrin Enzinger (Grüne) in der Sondersitzung des Stadtrates am 10. Februar von Alfred Lehmann, Chef der Stadtwerke Mühldorf, wissen. Schließlich sollen die Stadtwerke das neue Bad bauen.

„Nach unseren Vorstellungen ist der Herbst 2026 realistisch“, unterstrich der Stadtwerke-Chef den Zeitplan und erntete Applaus von den zahlreichen Zuschauern.

Stadtwerke wollen
Pläne im April präsentieren

Wenn alles gut gehe, sagte Lehmann weiter, würden die Pläne für das neue Hallenbad im April vorgestellt. Bürgermeister Michael Hetzl (UM) hatte bereits bei den Bürgerversammlungen im Januar eine erste Skizze des Erdgeschosses mit Umkleidetrakt, Spaßbad und höhenverstellbarem Becken für die Kleinen und einem 25-Meter-Schwimmerbecken präsentiert. Dazu soll es eine Innen- und Außensauna mit Saunagarten und eine gemeinsame Gastronomie für Hallenbad und Freibad geben.

„Der Untergrund ist kein Problem?“, fragte Enzinger im Stadtrat nach. Der hatte sich zuletzt als „schwierig“ erwiesen, wie Hetzl auf den Bürgerversammlungen gesagt hatte. Es mangele an „Tragfähigkeit“ und es brauche ein Bodengutachten.

Schnell war unter der Hand von acht bis zehn Millionen Euro an Mehrkosten die Rede, um das Hallenbad beim Freibad bauen zu können. Das wäre vielleicht das Aus für den Standort, aber nicht für einen Neubau, hatte im Januar Stadtsprecher Werner Kurzlechner gegenüber den OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24.de versichert: „Sterben wird das Hallenbad-Projekt nicht.“ „Wir werden im April ein Konzept vorschlagen“, betonte Lehmann jetzt im Stadtrat, „wenn es sein sollte, auch eine Alternative an einem anderen Standort. Das kann man von uns erwarten.“

„Sie werden im April einen Lösungsvorschlag bekommen, wie ein Hallenbad umsetzbar ist“, sagte auch Bürgermeister Hetzl, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke ist. „Wir gehen immer noch davon aus, dass der Zeitplan realistisch ist.“

Wenn die Stadtwerke allerdings umplanen müssten, dann sei der Herbst nicht zu halten, warnte Lehmann.

Finanzierung wird
ein Thema im Stadtrat

Einen Finanzierungsplan wird es im April noch nicht geben, erläuterte Lehmann. Erst auf Grundlage der Pläne lassen sich Angebote einholen und die belastbaren Baukosten abschätzen. Dann müssen die Gremien noch entscheiden: „Können wir uns das leisten?“, so Lehmann.

Gleichwohl war die Finanzierung auf Nachfrage von Enzinger ein Thema im Stadtrat. Die Stadtwerke gehen von 36 Millionen Euro brutto aus. Davon gingen rund sechs Millionen Euro an Umsatzsteuer weg sowie rund sieben Millionen Euro an Fördergeldern. „Den Rest müssen wir finanzieren“, meinte Lehmann. Also rund 22 Millionen Euro. Bei der ersten Podiumsdiskussion brachte Hetzl auch die ausstehenden sieben Millionen Euro der Geschäftsführer-Versicherung als Finanzierung ins Spiel. Außerdem hätten die Stadtwerke eine Bar-Rücklage. Bei der zweiten Podiumsdiskussion sprach Hetzl von „11,5 Millionen Euro Cash-Rücklage“. Folglich müssten nur noch 4,5 bis sechs Millionen Euro über Kredite finanziert werden.

Wo kommt das Geld
zur Finanzierung her?

Steht das Geld den Stadtwerken wirklich „cash“ zur Verfügung? Das wollte Enzinger wissen.

„Für uns sind Rücklagen die Gegenposition zum Anlagevermögen“, erklärte Lehmann – und das liege bei rund 18 Millionen Euro. Lehmann: „Ich habe nicht gesagt, dass wir es bar haben.“ Das Anlagevermögen fasst in einer Bilanz alle Vermögensgegenstände eines Unternehmens zusammen, die dem Geschäftsbetrieb langfristig, also in der Regel länger als ein Jahr, dauerhaft dienen und nicht zum kurzfristigen Verkauf vorgesehen sind.

„Fakt ist, dass die Stadtwerke nicht mal schnell zehn Millionen Euro lockermachen können“, fasste Enzinger zusammen. Die Rücklagen, von denen Hetzl spreche, seien „cash“ nicht da.

„Die sind nie ,cash‘ da“, erwiderte Hetzl.

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