Eine Lücke in der Nahversorgung

von Redaktion

Dorfladen in Niederbergkirchen ist bald Geschichte – Absatz ist zurückgegangen, die Kosten gestiegen

Niederbergkirchen – Es war ein Projekt, das im September 2021 begonnen hatte. Doch jetzt ist Schluss: Weil die Kosten immer höher werden, auf der anderen Seite aber der Absatz zurückgegangen ist, hat sich die Firma Obermeier Frischeier dazu entschieden, den Dorfladen in der Dorfmitte von Niederbergkirchen zu schließen. „Es wurden viel Zeit, Energie und Hoffnung hineingesteckt, weil wir an regionale Versorgung, einen Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft und kurze Wege geglaubt haben. Am Ende mussten wir uns dennoch eingestehen: Wirtschaftlich lässt sich dieser Betriebszweig für uns nicht dauerhaft tragen“, schreibt das Unternehmen aus dem Niederbergkirchener Ortsteil Penning dazu auf seiner Facebook-Seite.

Pacht treibt
Kosten in die Höhe

Der Dorfladen war besonders für Michaela Obermeier-Lohner ein echtes Herzensprojekt, heißt es in den sozialen Netzwerken. Das bestätigt die Seniorchefin auch auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Aber vom Draufzahlen kann ein Mensch halt nicht leben“, erklärt Obermeier-Lohner. Sie verhehlt nicht: In den Corona-Jahren seien Dorfläden wie der ihre gut angekommen, hätten in Zeiten, in denen Kontakte nur eingeschränkt möglich waren, geboomt. „Doch die Leute fahren offensichtlich lieber zum Einkaufen in die Stadt. Mir tut es für die älteren Leute leid, die den Laden gut angenommen hatten.“

Nicht nur, dass der Absatz zurückgegangen sei. Obermeier-Lohner beklagt auch die hohen Kosten, besonders für die Stellfläche. Die Verpächter, auf deren Grund der Laden steht, habe pro Quadratmeter 16 Euro verlangt. „Das sind Preise wie für eine Mietwohnung in München und schon mal 300 Euro Fixkosten pro Monat. Dazu kommt der teure Strom“, sagt Obermeier-Lohner. Auch der sei auf monatlich 300 Euro angestiegen. „Das Geld muss man erst einmal erwirtschaften“, begründet sie die Entscheidung, das Projekt in der Niederbergkirchener Ortsmitte nun zu beerdigen.

Kritik auch
an der Gemeinde

Sie bedauert, dass es seitens der Gemeinde keine Unterstützung gegeben habe, „so wie es in Mettenheim der Fall ist, wo die Gemeinde immer dahinter war, dass der Dorfladen betrieben werden kann“. Jetzt ziehe man die Reißleine. Und das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es ist für mich auch weniger Arbeit. Man wird schließlich auch nicht jünger.“

Völlig überraschend kam die Nachricht über die Schließung des Dorfladens für Bürgermeister Werner Biedermann: „Es hat im Umfeld immer geheißen, der Dorfladen läuft gut. Von Problemen habe ich nichts mitbekommen, ich bin auch nicht darauf angesprochen worden. Es wundert mich, dass er zusperrt.“

Schockiert über
die Höhe der Pacht

Die Höhe der Pacht habe auch ihn schockiert. Über Alternativlösungen zur Nahversorgung denke er aktuell nicht nach. „Einen Laden sogar selbst zu betreiben, das ist nicht Sache der Gemeinde, ein Verlustgeschäft hoch drei.“

Der Dorfladen sei gut bestückt gewesen, berichtet Obermeier-Lohner. Frisches Fleisch, typische Hofprodukte, aber auch Süßigkeiten und Getränke – die Grundversorgung sei durch den Laden stets gewährleistet gewesen. Die Automaten seien bereits verkauft, werden aber bis zur endgültigen Schließung des Ladens weiter gefüllt bleiben. Obermeier-Lohner spricht von Ende Februar. Die Hütte stehe weiterhin zum Verkauf. Danach ist Niederbergkirchen aber nicht komplett ohne Versorgung: Frisches Fleisch und Hofprodukte können weiterhin direkt am Hof der Obermeiers in Penning gekauft werden, heißt es seitens der Firma.

Ist die Zeit der Automaten-Dorfläden tatsächlich vorbei? Nachgefragt bei Christian Mittermüller, der in Unterrohrbach, Gemeinde Erharting, gleich drei Hütten aufgestellt hat, in denen er regionale Waren anbietet, dazu Dekoratives und Selbstgenähtes. Vor allem sind es regionale Produkte, die er verkauft, und das seit fast zehn Jahren.

„Es läuft sehr gut, wir können uns nicht beschweren“, sagt Mittermüller, der zusammen mit seiner Frau Maria mit dem Verkauf von Frischmilch und Eiern begonnen hatte. „Dann sind Gemüse, Fleisch und Wurst dazugekommen. Wir haben uns ein regionales Netzwerk aufgebaut, die gute Mundpropaganda bringt uns die Kunden“, berichtet Maria Mittermüller.

Mehr Kunden,
weil andere schließen

Sie verhehlt nicht: Die Nachfrage steige auch deswegen, weil andere Anbieter schließen würden, Neukunden zu ihnen auf den Hof kämen, wo Christian Mittermüller selbst noch Fleisch und Fisch räuchert. Am Aschermittwoch und Karfreitag steht er am Grill und bringt Steckerlfisch unter die Leute. „Die Käufer wissen, woher es kommt, und schätzen das auch. Und natürlich kommt es auch vor, dass sie bei uns an der Haustür klingeln, wenn im Hüttensortiment etwas aufgefüllt werden muss.“

Zugute kommt den Mittermüllers, dass sie keine Ausgaben für Pacht haben. Der Strom, vorwiegend für die Kühlaggregate, kommt vom Dach, läuft in den Speicher und kompensiert im Eigenverbrauch einiges. „Und wir sind unser eigenes Personal!“ Auch das spart Kosten, sagt Maria.

Die fünf Prozent
der Unehrlichen

Pamela Wurm, die seit einigen Jahren ihren Dorfladen „Lieblingsei“ am Gasthof Pauliwirt in Erharting betreibt, hat gerade einiges investiert, um die Fassade ihrer Hütte zu erneuern. Sie verrät: „Ich hatte tatsächlich überlegt, ob ich investiere.“ Nicht etwa, weil die Stammkunden fehlen würden. „Die machen etwa 90 Prozent meiner Käufer aus.“ Die sind sehr treu und verlässlich, schätzen es, dass wir so viel Herzblut reinstecken“, sagt sie. Selbst gemachte Spätzle, Hühnersuppe, Aufstriche, Gulasch. Das Angebot ist breit gefächert. „Dennoch bleiben fünf Prozent, die nicht ehrlich sind, die stehlen, die den Safe aufbrechen, die teilweise mit Koffern kommen und die Kühlschränke ausräumen“, beklagt sie die kriminelle Energie, die Besucher ihres Ladens an den Tag legen.

Sie berichtet von einer Gerichtsverhandlung im vergangenen Jahr. „Da ging es um einen Schaden von 1.800 Euro, weil eine Person immer wieder hochwertige Lebensmittel gestohlen hatte.“

Viel Herzblut
ins Projekt gesteckt

Eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellt sie erst gar nicht, sagt Wurm. „Ich stecke da viel Herzblut rein, bringe viel Idealismus mit, steh hinter dem, was ich da mache.“ Und das sei eben der Verkauf von nachhaltigen Lebensmitteln. „Ich verkaufe deswegen auch keine Milchprodukte, wo die Kuh nicht weiß, wo Himmel und Erde ist.“ In den vergangenen zehn Jahren habe sie wunderbare Kooperationspartnerschaften aufgebaut, man unterstütze sich gegenseitig. Aber eines sei auch klar: „Nur vom Idealismus alleine kann keiner leben!“

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