Erharting/Töging – Dass der Töginger Paul Bogner Geduld und eine ruhige Hand besitzt, ist bekannt: Regelmäßig begeistert der 78-jährige Naturfotograf die OVB-Heimatzeitungen mit Aufnahmen heimischer Tiere. In diesen Tagen gelang ihm ein besonderer Coup: Er fotografierte eine junge Fischotterfamilie.
Seinen Stammplatz an der Isen hält Bogner geheim, um keinen Besucherandrang auszulösen. Stundenlang sitzt er gut versteckt mit seiner hochwertigen Ausrüstung im Dickicht. Umso größer war die Überraschung, als die Otter nur sechs Meter entfernt vor seiner Linse spielten. Mit seinem 800-Millimeter-Teleobjektiv gelangen ihm eindrucksvolle Bilder – auch von anderen jagenden Tieren. Neben den Ottern fotografierte er einen Gänsesäger und einen Eisvogel jeweils mit Beute sowie einen Mäusebussard aus nächster Nähe.
Mit 800 Millimetern
auf Beutejagd
Seine Aufnahmen zeigt Bogner nicht nur privat, sondern auch in Vorträgen. Am Freitag, 13. März, um 19 Uhr präsentiert er auf Einladung des Bund Naturschutz im Gasthof Plankl in Altötting Bilder aus der heimischen Vogel- und Tierwelt – vom seltenen Entenvogel bis zum Fischotter.
Doch ist der Fischotter denn wirklich so selten, wie der Laie zunächst vermuten würde? Eine Antwort darauf hat Dr. Manfred Holzner, Vorsitzender des Vereins für Fischerei und Gewässerpflege Mühldorf und Altötting parat. Schon 2019 hatten die OVB-Heimatzeitungen darüber berichtet, dass der Fischotter in den Gewässern der beiden Landkreise auf dem Vormarsch sei.
Aus dem Bayerischen Wald sei er eingewandert, hieß es damals, entlang von Inn und Isen habe sich das Tier schnell ausgebreitet. Damals schon hatte Holzner erklärt, dass im Landkreis Mühldorf Platz für drei bis vier Otterfamilien sei, ohne Schaden anzurichten. Und heute? „Heute hat sich der Otter in den Landkreisen flächendeckend ausgebreitet“, so Dr. Holzner. Entlang der Isen sei er über den gesamten Verlauf anzutreffen und nutze auch Nebengewässer, sofern dort ausreichend Fisch vorhanden sei. Am Inn trete er vorwiegend dann auf, wenn das Wasser klar ist. Bei starker Trübung – etwa bei Hochwasser mit kaffeebrauner Färbung Ende April oder Anfang Mai – sinke sein Jagderfolg deutlich. „Als nahezu reiner Augenjäger ist er auf Sicht angewiesen, wobei ihm die natürliche bräunliche Färbung der Isen durch organische Bestandteile kaum Probleme bereitet“, erklärt Holzner.
Grundsätzlich sei der Otter Teil des ökologischen Systems. Entscheidend sei jedoch, welche Dichte ein Gewässer verträgt. In gut strukturierten Abschnitten mit hoher Jungfischproduktion könne der Otter problemlos „mitlaufen“, da die Natur auf Überfluss ausgelegt sei. In strukturell beeinträchtigten Bereichen – etwa durch Kiesabbau an der Isen – sei jedoch die natürliche Vermehrung kieslaichender Arten eingeschränkt, so Holzner weiter. Dort müssten Fischbestände durch Besatz gestützt werden. Von besonderem Reiz sind insbesondere Teichwirtschaften wie Karpfen- oder Forellenteiche. „Das ist gewissermaßen ein ,Drive-in‘ für den Otter, ein Schlaraffenland!“ Dort bleibe er, solange er leichte Beute finde, und überbrücke so nahrungsärmere Zeiten. Im Landkreis Altötting gilt die Isen mittlerweile als weitgehend ausgelastet; vielerorts funktioniert das System nur noch durch Nachlieferungen aus Zuchten und Teichwirtschaften. Doch Holzner weiß auch: „Würden sich die Bestände ausschließlich natürlich regulieren, läge die Otterdichte vermutlich niedriger.“ Ziel müsse es sein, Lebensräume so zu gestalten, dass Mensch und Tier gleichermaßen zurechtkommen. Interessant seien laut Holzner die ökologischen Wechselwirkungen: „Füchse lernen schnell, wenn Otter in der Nachbarschaft jagen. Bleibt etwa ein angebissener Karpfen zurück, holen sich Füchse den Rest.“ So werden sie indirekt ebenfalls zu Fischräubern – belegt durch Kamerabeobachtungen entlang der Ufer.
Reviermarkierungen des Otters finden sich häufig an exponierten Stellen wie unter Brücken, auf einzelnen Steinen oder an offenen Uferflächen. Markiert wird mit Kot und Duftsekret. Interessant für Holzner: Im Kot sind oft neben Schuppen und Gräten auch Reste von Signalkrebsen zu finden, einer invasiven Art, auch Neozon genannt, die der Otter besonders gern frisst. Im Winter nutzt er auch die Alz, wo langsamere Krebse leichte Beute sind.
Nach Beobachtungen sitzen entlang der Isen etwa alle zwei bis vier Kilometer Weibchenreviere; vier Weibchen teilen sich das Gebiet eines Männchens.
Im Bereich des Fischereivereins und der Gewässerpflege habe man laut Holzner in den vergangenen Jahren viel dazugelernt: „Ökologische Stabilisierung und nachhaltige Nutzung sollen heute gleichrangig nebeneinanderstehen, um Naturschutz und Bewirtschaftung in Einklang zu bringen.“