Mühldorf – Bei dem in einigen Gemeinden und Städten herrschenden Wahlkampfgetöse um den Bürgermeisterstuhl geht fast ein wenig unter, dass am 8. März auch ein neuer Kreistag gewählt wird. Ebenfalls dürfen die Wahlberechtigten über die Besetzung des Landratspostens abstimmen.
Um die 60 Sitze in diesem Gremium bewerben sich insgesamt 471 Frauen und Männer aus dem Landkreis Mühldorf. Sie treten für die Parteien und Wählergemeinschaften CSU, SPD, Grüne, FDP, Die Linke, AfD, WGW, UWG, ÖDP und Junge Liste (JL MÜ) an.
„Die Anzahl der zu vergebenden Sitze im Kreistag richtet sich nach der Einwohnerzahl des Landkreises“, teilt Landratsamtssprecher Wolfgang Haserer auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen mit. „Sollte es zu einer erheblichen Einwohnermehrung oder -minderung kommen, wäre eine Veränderung der Anzahl der Kreistagssitze prinzipiell möglich.“ Bei der Wahl 1972 waren zum letzten Mal nur 45 Sitze zu vergeben.
Landrat oder Landrätin wollen eine Frau und vier Männer werden: Amtsinhaber Max Heimerl (CSU), Bianca Hegmann (Grüne), Patrick Hüller (SPD), Oliver Multusch (AfD) und Alexander Sommer (UWG/WGW).
Auszählung in
fixer Reihenfolge
Nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr am 8. März werden die Stimmen zur Kommunalwahl ausgezählt. Die Stimmauszählung geschieht in den 31 Kommunen des Landkreises in einer festgelegten Reihenfolge: Zuerst werden die Stimmen zur Bürgermeisterwahl gezählt, danach die der Landratswahl. Im dritten Schritt folgen die Stimmen für die Stadt- und Gemeinderäte und zu guter Letzt die zur Wahl des Kreistags.
Erstmals Probestimmzettel online probieren
„Das vorläufige Ergebnis für die Landratswahl sollte noch im Lauf des Wahlabends vorliegen, das zum Kreistag erfahrungsgemäß erst am Montag, 9. März,“, teilt Landratsamtssprecher Haserer mit. Erstmals stellt das Landratsamt heuer einen interaktiven Probestimmzettel zur Kreistagswahl online zur Verfügung. Der Musterstimmzettel kann am Bildschirm per Mausklick ausgefüllt werden.
Dabei wird angezeigt, wie viele der möglichen 60 Stimmen bereits vergeben wurden und ob die Stimmabgabe gültig ist. So können sich die Wähler einen Überblick über die Bewerber verschaffen und mit den Regeln der Stimmvergabe vertraut machen. Bei der Nutzung werden keinerlei personenbezogene Daten gespeichert oder ausgewertet.
Der aktuell noch bestehende Kreistag wurde im Jahr 2020, kurz vor dem Corona-Lockdown, gewählt. In der letzten Sitzung vor der nun anstehenden Kommunalwahl nutzte Landrat Max Heimerl die Gelegenheit, um zentrale Themen und richtungsweisende Beschlüsse der vergangenen sechs Jahre in Erinnerung zu rufen.
Die Corona-Pandemie mit ihren vielfältigen Herausforderungen bezeichnete Heimerl als prägendste Phase dieser Wahlperiode. Innerhalb kurzer Zeit habe der Landkreis notwendige Strukturen aufbauen müssen, darunter ein Test- und Impfzentrum sowie ein Team zur Kontaktnachverfolgung: „Das war eine enorme Kraftanstrengung für die gesamte Verwaltung.“ Auch auf die Folgen der Ukraine-Krise habe der Landkreis rasch reagieren müssen, insbesondere bei der Unterbringung von Geflüchteten. Ein besonderer Schwerpunkt der Wahlperiode war die Bildung. „Die Beschlüsse für Schulen und Bildung, die der Mühldorfer Kreistag in dieser Wahlperiode sowie in den Jahren zuvor auf den Weg gebracht hat, sind zukunftsweisend und werden unsere Bildungsregion noch Jahrzehnte prägen“, betonte Heimerl. Als größtes Einzelprojekt sei 2021 der Neubau des Sonderpädagogischen Förderzentrums Aschau/ Waldwinkel angestoßen worden.
2023/24 konnte der Neubau des Gymnasiums Gars fertiggestellt werden, die Erweiterungsbauten der Gymnasien in Mühldorf und Waldkraiburg wurden termingerecht zum Schuljahr 2025/26 abgeschlossen.
„Wegweisend“ waren nach Einschätzung des Landrats auch die Beschlüsse zum Aufbau eines Regionalmanagements, zur Fortführung der Öko-Modellregion Mühldorfer Land in der Trägerschaft des Landkreises sowie zum Beitritt zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) zum 1. Januar 2026. Zudem übernahm der Landkreis das „Mühldorfer Netz“ als Netzwerk für regionale Entwicklung und beschloss die Eingliederung der Freiwilligenagentur. Im Jahr 2025 wurde außerdem das Landkreiswerk gegründet, um die Energiewende aktiv zu gestalten.
Positiv bewertete der Landrat auch die Entwicklung am „InnKlinikum“: „Die eingeleiteten Umstrukturierungen zeigen Wirkung, das Defizit konnte weiter gesenkt werden, die Fallzahlen steigen.“