Versprechen für den ländlichen Raum

von Redaktion

Richtfest für das neue Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern in Mühldorf

Zimmerermeister Martin Gfrerer stieß mit Wein an.

Mühldorf – Vom ersten Spatenstich bis zum Richtfest in nur einem Jahr: Der Neubau für das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern in Mühldorf nimmt zügig Gestalt an – und die ist durchaus eindrucksvoll. Mit dem Umzug von München nach Mühldorf verlagert der Freistaat rund 150 Arbeitsplätze in den ländlichen Raum. Von Festredner Ministerialdirektor Thomas Gloßner wurde dies beim Richtfest als ein „zentraler Baustein der bayerischen Heimatstrategie“ bezeichnet.

Früher einmal, da war so ein Richtfest in erster Linie ein kleines Fest für die Handwerker, die einen Bau „aufgerichtet“ hatten. Es gab einen launigen Richtspruch, eine deftige Brotzeit, ein paar Bier und im Idealfall noch den einen oder anderen Schnaps – dann wurde weitergearbeitet. Heute gibt es zwar noch die Brotzeit und das Bier, auch Handwerker sind noch dabei, aber den Großteil der Gäste stellen die „Offiziellen“ – vor allem dann, wenn die öffentliche Hand als Bauherr auftritt. Und so war das auch an der Baustelle der Direktion für Ländliche Entwicklung Oberbayern, die von München nach Mühldorf umzieht und noch im Jahr 2026 ihren Betrieb aufnehmen soll. Landrat, Bürgermeister, Vertreter des Staatlichen Bauamtes, Behördenchefs aus dem Bau- und aus dem Landwirtschaftsministerium – sie alle waren gekommen, um mitzufeiern bei der „Baustellen-Halbzeit“ der 44-Millionen-Euro-Investition.

Freistaat investiert
rund 44 Millionen Euro

Begrüßt worden waren die Gäste von Doris Lackerbauer, Behördenleiterin des Staatlichen Bauamtes Rosenheim, das für die Großbaustelle zuständig ist – und das durchaus mit ansehnlichem Erfolg, wie Lackerbauer hervorhob. Es sei, so die Behördenleiterin, landläufige Meinung, dass die staatliche Bauverwaltung meist zu teuer und ohne Termintreue am Werk ist. „Aber wenn eine Baumaßnahme in Planung und Umsetzung, wenn Termin- und Kostentreue eingehalten werden, dann darf das schon einmal erwähnt werden, und das tue ich nicht ohne Stolz“, so Lackerbauer. Sie dankte dem gesamten Team ihrer Behörde, aber auch dem Planungsbüro Dömges in Regensburg und den am Bau beteiligten Firmen: „partnerschaftlich und fair, vor allem aber fast zur Gänze reibungslos“ sei die Zusammenarbeit bislang – und sicher auch noch für den Rest der Bauzeit.

Das neue Dienstgebäude entsteht als dreigeschossiger Holz-Hybridbau und soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Der Freistaat investiert rund 44 Millionen Euro in das Projekt. Realisiert wird der Bau im Rahmen einer Totalunternehmervergabe, bei der Planung und Ausführung in einer Hand liegen.

Rund 1.800 Kubikmeter Fichten-, Lärchen- und Tannenholz aus deutschen und österreichischen Wäldern werden verbaut – das entspricht etwa 45 voll beladenen Sattelzügen. Ergänzt wird die Konstruktion durch weitere Materialien in Hybridbauweise. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage vorgesehen, zudem werden Dach- und Fassadenflächen begrünt.

Auch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus begleitet das Projekt eng. Amtschef Hubert Bittlmayer bezeichnete den Neubau als „Zusage und Versprechen an den ländlichen Raum“, denn dieser sei für den Freistaat eine tragende Säule. Besonders bemerkenswert sei die Tatsache, dass auch das Personal der Direktion für Ländliche Entwicklung Oberbayern die Verlagerung unterstützt habe.

Allerdings habe man, so Bittlmayer, seit rund zehn Jahren konkret auch neues Personal in der Region gesucht: „Heute können wir feststellen, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem weiteren Umkreis des neuen Behördensitzes stammt.“ Es wurde also auch das Versprechen gehalten, qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen, die jetzt wieder heimatnah eingesetzt werden können, erläuterte der Amtschef. Mit der Verlagerung des Amts nach Mühldorf verfolgt der Freistaat strukturpolitische Ziele: Staatliche Arbeitsplätze sollen gezielt in den ländlichen Raum gebracht werden, um dort Impulse zu setzen und die regionale Entwicklung zu stärken.

Nachhaltig und
klimafreundlich

Bauen mit Holz sei modern, nachhaltig und klimafreundlich. Der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums lobte ausdrücklich die Verwendung von Holz am Bau. Man habe nicht nur ein angenehmes Arbeitsumfeld erreicht, verstärkt durch die Bepflanzung des Daches und der Wände, sondern auch den angestrebten Passivhausstandard verwirklicht. Dabei werde unter Beweis gestellt, wie Energie effizient genutzt und der Verbrauch fossiler Energieträger spürbar gesenkt werden könne.

Das neue Gebäude ist auf einen besonders niedrigen Energiebedarf ausgelegt. Hochwertige Dämmung, eine luftdichte Bauweise und effiziente Haustechnik tragen dazu bei, den Energieverbrauch dauerhaft gering zu halten. Neben dem Verwaltungsgebäude entsteht ein Parkdeck in Stahl-Hybrid-Konstruktion mit rund 100 Stellplätzen. 36 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge sowie vier Ladepunkte für E-Bikes sind vorgesehen; dies sei, so Gloßner, ein Beispiel für den künftigen Bau öffentlicher Gebäude.

Architektonisch setzt der Neubau auf Transparenz und Kommunikation. Ein offen gestalteter Eingangsbereich bildet das Zentrum des Gebäudes. Zwei begrünte Innenhöfe sorgen für Tageslicht und Aufenthaltsqualität. Offene Begegnungsflächen sollen den Austausch unter den Beschäftigten fördern.

Das Richtfest, so Gloßner, markiere nun einen wichtigen Meilenstein. „Wenn der Bau weiterhin planmäßig verläuft, können die rund 150 Mitarbeiter noch in diesem Jahr ihre neuen Arbeitsplätze beziehen – in einem Gebäude, das Verwaltung, Klimaschutz und regionale Strukturpolitik miteinander verbindet.“

Landrat Maximilian Heimerl sprach davon, dass sich die Strategie der Staatsregierung zur Stärkung des ländlichen Raumes und die Zukunftsstrategie des Landkreises hervorragend ergänzen: „Unser Landkreis gehört zu den am stärksten wachsenden Regionen unseres Landes. Wir entwickeln uns in die Zukunft und dazu gehören passende Lebensverhältnisse ebenso wie moderne, zukunftsträchtige Arbeitsplätze. Das neue Behördengebäude passt sehr gut in diese Strategie und wir freuen uns auf die Menschen, die hier bald ihre Arbeit aufnehmen.“

„Eine Bereicherung
für die Kreisstadt“

Mühldorfs Bürgermeister Michael Hötzl erinnerte sich in seinem Grußwort an seinen ersten amtlichen Termin als Bürgermeister vor sechs Jahren: „Das war der Termin beim Notar, bei dem dieses Grundstück an den Freistaat übertragen wurde.“ Dass bereits noch im heurigen Jahr der Betrieb aufgenommen werde, sei eine „großartige Leistung“ und eine Bereicherung für die Kreisstadt.

Am Ende gab es einen traditionellen Richtspruch nach altem Brauch: Zimmerermeister Martin Gfrerer vom Generalunternehmer des Neubaus, der Firma Hillebrand aus Oberösterreich, ließ die Richtkrone aufziehen und wünschte weiterhin eine unfallfreie Bauzeit, bevor er das von ihm geleerte Weinglas – wie es sich bei diesem Anlass gehört – am Boden zerschmetterte.

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