Polit-Talk im Haus der Jugend

von Redaktion

Politiker diskutieren Jugendthemen, doch die Jugend bleibt fern

Waldkraiburg – Die Idee war gut, der Erfolg mäßig: Das Waldkraiburger Jugendparlament hatte zu einer politischen Diskussion ins Haus der Jugend eingeladen. Thema waren die Möglichkeiten des Kreistages, etwas für Jugendliche und junge Leute auf den Weg zu bringen. Kandidaten verschiedener Parteien, die für den Kreistag kandidieren, sollten dazu Stellung beziehen.

Politiker bedauern
geringe Resonanz

Doch offenbar scheint die Jugend in Waldkraiburg kein großes Interesse an dieser Thematik zu haben, denn nur sehr wenige junge Leute waren gekommen. Die beiden Sofas, auf denen die Politiker Platz genommen hatten, waren besser besetzt als die Plätze der Gäste. Zwar waren wie jeden Freitagabend viele Jugendliche im Haus der Jugend – allerdings nicht in dem Raum, in dem die Diskussion stattfand. Sie blieben lieber vor dem Saal und unter sich. Dabei waren die Themen, die unter der Moderation von Alexander Putze, Schriftführer des Jugendparlaments, besprochen wurden, interessant.

Das Gespräch war geprägt vom Interesse der Teilnehmer an den Wünschen, Fragen und Problemen der Jugend – mangels jungen Publikums blieb das Gespräch jedoch einseitig. Harald Jungbauer, Stadt- und Kreisrat sowie Verkehrsreferent, räumte ein, dass die Politik oft zu wenig von den Belangen der jungen Leute erfahre. Sophie Sontag-Lohmayer, Kreisvorsitzende der Jungen Union und Kandidatin der Jungen Liste Mühldorf, stellte fest, dass sich auch aus diesem Grund die Junge Liste gegründet habe: „Wir haben das Ziel, die Interessen der jungen Leute aufzugreifen und etwas zu tun für ihre Anliegen.“ Ulli Maier, Kreisrat und Stadtrat der UWG, würdigte die Arbeit des Jugendparlaments, bedauerte aber das „überschaubare Interesse“ an der Veranstaltung. Dass die Themen der Jugend für die Stadt wichtig seien, darin war er sich mit dem SPD-Landratskandidaten Patrick Hüller einig.

Dieser machte deutlich, dass Jugendliche oft nicht wüssten, an wen sie sich mit ihren Anliegen wenden könnten. Christoph Arz, Stadtrat, Kreistags- und Bürgermeisterkandidat sowie Jugendreferent der Stadt, verwies auf das Jugendparlament: „Wir müssen den jungen Leuten das Forum bieten, ihre Anliegen zu äußern. Wir müssen zeigen, dass wir das, was sie uns sagen, auch ernst nehmen.“

Dieser Ansicht schloss sich Julia Weisenberger, Kandidatin der „Linken“, an. Sie erfahren gerade großen Zulauf jüngerer Menschen, weshalb die Gründung einer Jugendorganisation geplant sei. Ganz offen sein Bedauern drückte FDP-Kreisrat Peter Corticelli aus, dass das Interesse der jungen Leute an der Veranstaltung nicht sehr groß war, denn es gebe viele Bereiche, in denen es zwischen Landkreis und der Jugend Berührungspunkte gebe.

Als konkretes Thema sprach Moderator Alexander Putze beispielsweise den ÖPNV an. Jugendliche hätten meist keinen Führerschein, abends sei Mobilität schwierig. Bei Vorschlägen wie einem Ruf- oder Discobus sahen die Kommunalpolitiker keine großen Möglichkeiten. Die Kosten seien dafür zu hoch, durch Fahrpreise nicht zu decken. Christoph Arz stellte zur Diskussion, wie stark die „öffentliche Hand“ dazu beitragen könne, dass sich Clubs oder andere Treffpunkte für junge Leute in der Region etablieren könnten. Beispielsweise könnte man bei Fragen der Suche nach Räumlichkeiten oder des Lärmschutzes helfen. Die Vertreter der Politik sahen hier wenig Möglichkeiten: „Am Ende geht es darum, dass jeder Clubbetreiber Geld verdienen muss und nicht Geld mitbringen möchte.“ Dass der Verkehr auch tagsüber eine Stärkung brauche, vertrat Constantin Hampel, Kreistagskandidat der Jungen Liste: „Viele Jugendliche und junge Leute sind gerne mit dem Rad unterwegs, hier müsste sich etwas tun mit einem besseren Wegenetz und mehr Sicherheit.“ Max Bauer, ebenfalls auf der Jungen Liste, nannte einen gut ausgebauten ÖPNV einen Teil der Daseinsvorsorge für alle Generationen. Ulli Maier sprach die Finanzierungsschwierigkeiten an, der Landkreis müsse jetzt schon Millionen „drauflegen“.

Zudem ging es um bezahlbaren Wohnraum: Patrick Hüller regte an, Erbpacht stärker zu nutzen. Julia Weisenberger plädierte für einen Mietendeckel, auch Genossenschaftswohnungen wären eine Chance. Ulli Maier brachte es auf den Punkt: „Bei den Preisen in unserer Region können junge Leute sich Eigentum aus eigener Kraft nicht mehr leisten, es gibt zu wenig Grund und zu wenig Geld.“ Jungbauer verwies darauf, dass es in Waldkraiburg sehr viel geförderten Wohnraum gebe, „aber alle Probleme können auch damit nicht gelöst werden“.

Mehr Mitsprache für
die junge Generation

Einigkeit bestand darin, dass Einrichtungen wie das Jugendparlament wichtig seien. Dazu sollte es in anderen Kommunen Nachahmer finden, die wiederum von der Kommunalpolitik ernst genommen werden müssten. Wenn die Gesellschaft möchte, dass die junge Generation die Zukunft mitgestalten soll, dann solle das auch möglich gemacht werden.

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