Polling – Pollings Gemeinderäte proben den Aufstand. Mit überwältigender Mehrheit sind sie weiterhin gegen ein Windrad in dem Windvorranggebiet im Weidinger Holz zwischen Polling und Weiding. In ihrer jüngsten Sitzung sollten sie dem Vorhaben doch noch das gemeindliche Einvernehmen erteilen. Doch sie reagierten mit Gegenforderungen an das Landratsamt und den Erbauer.
„Ich bin gegen das Windrad“, sagte im Laufe der Sitzung Karin Mayerhofer (FW) – und sprach damit für die überwiegende Mehrheit. „Ich habe keinen getroffen, der für das Windrad ist“, ergänzte Alfred Wagner (CSU) mit Blick auf die Bevölkerung.
Landratsamt fordert
erneut Einvernehmen ein
Das geplante Windrad war am 24. Juli 2025 schon mal ein Thema im Gemeinderat, nachdem die WW Süd aus Stephanskirchen am 29. Juni einen Bauantrag beim Landratsamt eingereicht hatte. Das Windrad soll in der Nähe der Straße und der Bahnunterführung stehen. Es hat eine Gesamthöhe von 262 Metern und eine Nennleistung von 7.000 Kilowatt.
Die Erbauer rechnen mit einer jährlichen Stromausbeute von 12.000 Megawattstunden; das entspricht dem Verbrauch von rund 3.000 Haushalten oder etwa 8.000 Personen. Knapp elf Millionen Euro soll das Rad kosten; Baubeginn könnte Anfang 2027 sein. Im Juli hatten die Gemeinderäte das Projekt bereits mehrheitlich abgelehnt, obwohl es in einem Windvorranggebiet entstehen soll und keine gemeindlichen Belange dagegen sprachen.
Jetzt hatte das Landratsamt die Gemeinde noch einmal aufgefordert, das Einvernehmen zu erklären oder die Ablehnung zu begründen.
Aus Sicht des Landratsamtes sei das Projekt „voraussichtlich genehmigungsfähig“, erklärte Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG) in der Sitzung: „Wir sind noch mal aufgefordert worden, Stellung zu beziehen. Gemeindliche Belange stehen nicht dagegen.“ Nur die könnten angeführt werden.
Im Juli waren die Gemeinderäte von dem Windrad noch überrascht, jetzt hatte sich Wolfgang Schweiger (parteilos) eingearbeitet und einen Zehn-Punkte-Forderungskatalog erarbeitet, den er in der Sitzung präsentierte.
Darin forderte Schweiger für die Gemeinde Einsicht in alle vorliegenden Gutachten. Er forderte Gutachten zu einem möglichen Eiswurf, zum Umwelt- und Artenschutz, zum Schallschutz, Schattenwurf und möglichen Auswirkungen auf das Trinkwasser durch die Ewigkeitschemikalien PFAS. Er forderte eine realistische Verkehrszählung, eine Finanzierung des Rückbaus mit jährlichem Inflationsausgleich, Ersatzmaßnahmen für Tiere, gerodete Bäume und Bodenversiegelung im Gemeindegebiet.
Erstes Windrad wäre
ein Präzedenzfall
Unter Punkt Zehn führte er als Beeinträchtigung öffentlicher Belange das Landschaftsbild ins Feld. Das Windrad sei das erste und einzige zwischen Ampfing und Altötting, zwischen Waldkraiburg und Töging, es würde das vorhandene Landschaftsbild beeinträchtigen, wenn nicht zerstören. „Diese Windanlage ist somit ein Präzedenzfall für unsere nähere Umgebung. Dies muss berücksichtigt werden“, erklärte Schweiger. Das Landschaftsbild müsse gewahrt bleiben.
Kaum hatte Schweiger geendet, stellten sich unter anderem Wilhelm Skudlik und Grit Berdel (beide FW) an seine Seite. Auch Wagner dankte Schweiger ausdrücklich für dessen Arbeit.
Kronberger erklärte in der Sitzung mehrfach, dass die Gemeinde das Einvernehmen nur dann versagen dürfe, wenn Vorhaben der Gemeinde davon betroffen seien, zum Beispiel der Bau einer Straße, das sei nicht der Fall. „Wir sind nicht dazu da, Gutachten zu prüfen.“ Sollte die Gemeinde ihr Einvernehmen verweigern, dann werde es durch das Landratsamt ersetzt. „Das war bei den Gewächshäusern auch schon so.“
„Das ist ein komisches Verfahren“, meinte dazu Stefan Mooshuber (CSU). „Das ist eine schwierige Sache.“ „Als Verwaltung müssen wir neutral sein“, sagte Kronberger. „Wir sollten unsere Entscheidung begründen, das haben wir jetzt gemacht“, fasst Martin Unterforsthuber (CSU) die Diskussion mit Blick auf Schweigers Liste zusammen.
Gemeinderat will erst
Antworten abwarten
Kronberger verlas schließlich den Beschlussvorschlag, den Schweiger vorschlug: „Die Gemeinde Polling erteilt derzeit kein gemeindliches Einvernehmen. Die Gemeinde Polling bittet um Beantwortung der Fragen und Umsetzung der Forderungen. Ohne diese Informationen ist es der Gemeinde Polling nicht möglich, öffentliche Belange, das Interesse der Bürger und anderer Güter abzuwägen und ein gemeindliches Einvernehmen zu erteilen.“
Bis auf Kronberger waren alle Gemeinderäte für diesen Beschlussvorschlag. Sie wollen erst dann über das gemeindliche Einvernehmen entscheiden, wenn sie die geforderten Antworten haben.