Waldkraiburg – Die Maschen von Betrügern werden immer perfider und skrupelloser. Das zeigen erst kürzlich vorgefallene Fälle in Waldkraiburg. Die schon bekannten Schockanrufe werden mittlerweile auf eine neue Ebene gehoben – und das auf Kosten von Personen, die gerade trauern.
Schockanruf mit
Infos aus Traueranzeige
Wie ein Bestattungsunternehmen aus Waldkraiburg mitteilt, würden es Betrüger mittlerweile gezielt auf Witwen oder Witwer absehen. Das Vorgehen verläuft laut einer Trauerberaterin, die anonym bleiben möchte, wie folgt: Betrüger würden im Vorhinein eines Schockanrufes die Namen der Angehörigen aus Todes- und Traueranzeigen ablesen. So hätten die Täter die Namen der Angehörigen bereits parat. Im Fokus stünden Witwen oder Witwer.
Für die Trauerbegleiterin ist dieses Vorgehen „einfach nur traurig und eine Katastrophe“. Die trauernden Personen befänden sich „sowieso schon in einem Ausnahmezustand“, da sie gerade erst einen nahen Angehörigen verloren hätten. Das werde schamlos ausgenutzt. In den vergangenen Wochen sei es zu drei solcher Fälle gekommen, sagt sie. Die Opfer seien jedoch stutzig geworden, hätten Nachfragen gestellt. „Dann haben die Betrüger aufgelegt“, sagt sie.
Die Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens würden nun die Angehörigen sensibilisieren und dazu raten, keine Familienbezeichnungen wie „Ehefrau“, „Sohn“ oder „Enkelin“ mehr in den Traueranzeigen hinzuzufügen. Ein ähnlicher Fall kam auch in Rosenheim vor. Dass Täter gezielt Informationen von Traueranzeigen ablesen, vermutete auch die Polizei. Beweise dafür gebe es bisher jedoch nicht, erklärt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Wir verfügen bisher über zu wenige belegbare Erkenntnisse, um dies zu evaluieren“, sagt er.
Die Täter von Schockanrufen zu ermitteln, verlaufe für die Polizei teilweise erschwert. „Häufig melden sich Opfer erst Stunden nach der Tat und der Übergabe von Wertsachen oder Bargeld“, erklärt Sonntag. Fahndungsmaßnahmen seien daher wenig erfolgversprechend. Zudem säßen viele Täter im Ausland. „Die Hintermänner sind für die deutsche Polizei kaum greifbar“, so der Pressesprecher.
Dennoch verzeichne das Polizeipräsidium Oberbayern Süd Erfolge. „Immer wieder gelingt es uns, zumeist Abholer ‚auf frischer Tat‘ festzunehmen“, sagt Sonntag. „Jedoch müssen wir feststellen, dass es dennoch weiterhin zu etlichen vollendeten Taten mit zumeist hohen Beutesummen kommt.“
Die Polizei setzt deswegen auch auf Prävention, erklärt Sonntag. Bei unbekannten Anrufen sollte man stets vorsichtig sein und sofort auflegen, wenn einem etwas komisch vorkommt, heißt es dazu von der Bundesnetzagentur. Persönliche Daten sollten nie am Telefon mitgeteilt werden.
Gedanklich auf
Schockanruf vorbereiten
Die Polizei empfiehlt, innerhalb der Familie oder mit weiteren Angehörigen ein Kennwort zur Identifizierung am Telefon zu vereinbaren. Auch seinen Telefonbucheintrag könne man ändern, indem man seinen Vornamen streichen lasse oder ihn komplett lösche. Wichtig ist laut Polizei auch, sich auf solche Anrufe gedanklich vorzubereiten.