Mühldorf/Neumarkt-St. Veit – Donnerstagfrüh, dichter Nebel schränkte die Sicht auf dem Weg zur Arbeit massiv ein. Autos fuhren außerorts hinter einem Traktor mit Anhänger. Bei dem Zugfahrzeug samt Hänger leuchteten die roten Rücklichter, bei dem älteren Opel gleich dahinter ebenfalls. Die beiden folgenden Fahrzeuge neueren Baujahrs waren hinten unbeleuchtet. Sie hatten nur das Taglicht an, das automatisch mit der Zündung angeht. Auf der Autobahn dasselbe Bild: Zahlreiche Autos und Transporter, deren Taglichter an waren, die Rücklichter aber ausgeschaltet blieben.
Taglicht an,
Rücklicht bleibt aus
Dieses Taglicht ist meistens auch um einiges schlechter zu sehen, als normales Abblendlicht. „Im Tagfahrlicht-Modus leuchten die Frontscheinwerfer schwächer, die Heckleuchten bleiben komplett ausgeschaltet“, erklärt dazu die Dekra. „Damit ist das Fahrzeug von vorn und von hinten viel schlechter zu erkennen und es kann leichter zu kritischen Situationen kommen.“ Gerade bei Nebel solle man sich deshalb nicht auf die Lichtautomatik verlassen.
Wer mit offenen Augen auf den Straßen unterwegs ist, dem ist diese Nachlässigkeit sicher schon aufgefallen, so wie Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Stocker, Verkehrsexperte der Polizei Mühldorf. Auch ihm ist an diesem Morgen bei seinem Weg in die Dienststelle wieder ein Autofahrer aufgefallen, der es mit der Lichtmoral nicht so genau nahm. „Ich verstehe nicht, wieso man bei diesem dichten Nebel ohne Rücklicht fährt“, sagt er. Besonders außerhalb geschlossener Ortschaften sei das gefährlich. Noch dazu schreibt die Straßenverkehrsordnung in Paragraf 17 eindeutig vor: „Während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, sind die vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen zu benutzen“, und „Behindert Nebel, Schneefall oder Regen die Sicht erheblich, dann ist auch am Tage mit Abblendlicht zu fahren.“
Ein modernes Phänomen, das immer mehr zunimmt
Wie Stocker aus den Beobachtungen seiner Streifenkollegen weiß, nimmt das Fahren ausschließlich mit automatisiertem Taglicht immer mehr zu. „Ich denke, bei vielen Autofahrern geschieht das aus reiner Bequemlichkeit, es ist ein modernes Phänomen“, vermutet er. Denn, werden Autos jüngeren Baujahrs gestartet, geht automatisch das Taglicht an. Viele Autofahrer meinten dann wohl: Alles Sicherheitsrelevante ist erledigt. Ältere Autos haben diese Lichtautomatik nicht, da muss der Fahrer noch selbstständig zum Lichtschalter oder Hebel greifen. Mit dem Einschalten des Abblendlichts gehen dann automatisch die Heckscheinwerfer an.
Von der Verwarnung
bis zum Bußgeld
Regelmäßig hält die Polizei Autofahrer ohne Rücklicht an. „Als Erstes werden sie freundlich aufgefordert, doch bitte das Licht ordnungsgemäß einzuschalten“, erläutert Stocker das Vorgehen. Die meisten würden dieser Aufforderung auch bereitwillig Folge leisten. Falls sich jemand weigert oder als Reaktion nur ein dummer Spruch in Richtung der Beamten kommt, dann gibt es eine kostenpflichtige Verwarnung.
Karl-Heinz Stocker appelliert an alle Autofahrer, die bei schlechter Sicht unterwegs sind: „Schalten Sie vor Fahrtantritt das Abblendlicht ein, das dient der Sicherheit aller.“
Gerade für ältere Autofahrer ist der Griff zum Abblendlicht Routine. Sie haben ihren Führerschein noch ohne die Lichtautomatik gemacht. Jüngere und Fahranfänger sollten aber Bescheid wissen. Denn korrekte Beleuchtung ist Bestandteil des praktischen und theoretischen Fahrunterrichts. Das bestätigte den OVB-Heimatzeitungen eine Mitarbeiterin der Mühldorfer Fahrschule Korn: „Die Versuchung, nur mit dem automatischen Taglicht zu fahren, ist groß. Viele wissen gar nicht, dass damit das Rücklicht nicht angeschaltet ist. Im Unterricht wird das den Fahrschülern beigebracht.“
Fahrschüler lernen,
wie es geht
Wie das bei fast allen Autos mit neuester Technik richtig gemacht wird, lernen die Schüler auch bei der Fahrschule Wöss in Mühldorf und Neumarkt-St. Veit. „Aus dem automatischen Modus raus und das Abblendlicht manuell einschalten“, erklärt Fahrlehrer Christian Unterhuber. Er sieht ein großes Problem darin, dass man bei diesen Autos am Tag praktisch nie selbst das Licht einschalten muss: „Wenn es dann bei starkem Nebel tatsächlich nötig ist, vergisst man es leicht.“ In der praktischen Fahrprüfung erinnern die Prüfer daran, aber sind die Neulinge erst mal allein unterwegs, verlassen sich viele wieder auf die trügerische Sicherheit der Automatik.
Teilschuld, wenn Licht
Unfall verhindert hätte
Unterhuber hat sich nach der Anfrage der OVB-Heimatzeitungen bei seiner Versicherung erkundigt, welche Folgen ein Nebel-Unfall ohne Abblendlicht hat. „Man bekommt definitiv eine Teilschuld, wenn der Unfall mit Licht zu vermeiden gewesen wäre“, berichtet er. Dazu kommen noch ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in der Verkehrssünderkartei Flensburg.
Die Nebelschlussleuchte darf übrigens nur eingeschaltet werden, wenn die Sicht durch Nebel weniger als 50 Meter beträgt. Und, darauf weist Polizist Karl-Heinz Stocker ausdrücklich hin: „Ist die Nebelschlussleuchte an, darf nur noch mit maximal 50 Stundenkilometern gefahren werden.“