Vom Notarzt zum Hausarzt
Dr. Branislav Kuzmanovski ist ein neuer Hausarzt in Waldkraiburg. Foto Weinfurtner
Dr. Branislav Kuzmanovski hat in Waldkraiburg eine Hausarztpraxis übernommen und wirkt so dem Trend des Ärztesterbens auf dem Land entgegen. Der Mediziner erklärt, warum ihm sein Job am Herzen liegt und was er sich von der Politik wünscht, um die Versorgung zu verbessern.
Waldkraiburg – Die Zahl der Hausärzte in der Region hat sich in den vergangenen Jahren verringert. In den Medien ist oft die Rede von einem Engpass. Oft finden bestehende Hausärzte keinen Nachfolger, wenn sie in Rente gehen. Einer, der diesem Trend entgegenwirkt, ist Dr. Branislav Kuzmanovski. Der 44-Jährige hat zum Jahresbeginn die Hausarztpraxis von Dr. Ilona Sobol-Engl übernommen.
Kuzmanovski wollte
Hausarzt werden
Die hausärztliche Versorgung liegt dem Mediziner am Herzen, sagt er. „Ich mache es gerne, und die primäre Versorgung zu stärken, ist mein oberstes Ziel“, betont Kuzmanovski. In diesem Bereich habe er mehr Zeit für die Patienten. Der 44-Jährige setzt auf eine prophylaktische Medizin und die Früherkennung von Krankheiten.
Kuzmanovski hat in Novi Sad in Serbien Medizin studiert. War dort sieben Jahre als Arzt tätig. 2015 ist er dann nach Deutschland ausgewandert. Da hat er in mehreren Praxen oder Krankenhäusern gearbeitet, darunter auch als Notarzt oder im Klinikum in Mühldorf im Bereich der Inneren Medizin. „Die Gegend hier war mir also schon bekannt“, erklärt der Hausarzt. Der 44-Jährige, der bereits in der Schule Deutsch gelernt hatte, sah in Deutschland bessere Ausbildungsmöglichkeiten und hat hier vor ein paar Jahren seine Facharztprüfung absolviert. „Die Zeit war hart. Aber das, was ich dabei gelernt habe, war toll“, sagt er.
Hausarzt sein
wird komplizierter
Über eine Plattform sei Kuzmanovski auf das Freiwerden der Praxis in Waldkraiburg aufmerksam geworden. Er ist froh, dass die Übernahme der Räume und auch des medizinischen Personals reibungslos verlaufen sei. Derzeit nimmt Kuzmanovski sogar noch neue Patienten auf. Dennoch räumt auch er ein, dass der Beruf eines Hausarztes immer komplizierter werde. „Ich bin nicht nur Mediziner, sondern auch Hausmeister, Jurist, ITler oder Betriebswirt“, sagt er.
Keine Erleichterung
durch die ePA
Immer mehr Vorschriften und Bürokratie würden die Arbeit erschweren. Von der Politik bekomme man hier „null Unterstützung“. Die Versorgung der Patienten bleibe auf der Strecke, sagt Kuzmanovski. Ein Versuch, den Ärzten die Bürokratie zu erleichtern, soll die elektronische Patientenakte (ePA) sein. Sie ist seit dem 1. Oktober 2025 Pflicht für die Arztpraxen. Versicherte können die ePA hingegen ablehnen. Kuzmanovski hat bisher keine Erleichterung durch die ePA gespürt, sagt er. Das liege jedoch auch daran, dass viele seiner älteren Patienten der Neuerung skeptisch gegenüber stehen und die Speicherung der Daten abgelehnt hätten. Zudem habe er als Hausarzt ohnehin alle Befunde eines Patienten vorliegen. „Die elektronische Patientenakte ist wohl eher für Fachärzte eine Hilfe“, sagt er.