Waldkraiburg – Was sich bereits früh am Wahlabend abgezeichnet hat, war erst um 19.45 Uhr offiziell: Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) muss in die Stichwahl. Mit seinem Herausforderer Emil Kirchmeier (CSU) lieferte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Der 54-jährige Amtsinhaber landete mit 37,8 Prozent knapp hinter seinem Konkurrenten Emil Kirchmeier. Der schaffte es bei seiner ersten Kandidatur auf 39,2 Prozent. Mit 23,1 Prozent erreichte Christoph Arz als Kandidat für die Grünen mehr als nur ein achtbares Ergebnis.
Nach 18 Uhr füllte sich das Foyer im Rathaus immer mehr mit Leuten, die den Wahlausgang gespannt verfolgten. Während auf einem großen Bildschirm die Waldkraiburger Ergebnisse nach und nach eintrudelten, verfolgten Kandidaten und Bürger die Ergebnisse anderer Kommunen auf dem Handy.
Während Robert Pötzsch vor sechs Jahren mit 62,3 Prozent wiedergewählt wurde, muss er jetzt zum ersten Mal in die Stichwahl. „Ich hätte mir im ersten Durchgang mehr erwartet, aber der Wähler hat anders entschieden“, sagte er. In den vergangenen Jahren sei die Stadt vor vielen großen Herausforderungen gestanden. Ihm sei es immer wichtig gewesen, seiner Linie treu zu bleiben und „nichts vom Himmel zu versprechen“, was sich nicht einlösen lässt. „Ich habe mich nicht vor der Ist-Situation gedrückt und Realpolitik betrieben“, sagte er. Die nächsten zwei Wochen werde er sich nun auf die Stichwahl vorbereiten.
Für Emil Kirchmeier ist das Wahlergebnis ein „Zeichen für Veränderung“. „In erster Linie ist das Ergebnis überragend“, freute er sich. Seinem Team und den Wählern dankte er dafür, dass sie den Weg mit ihm gemeinsam gehen. „Nach diesem Ausgang bin ich jetzt geplättet und froh.“ In den nächsten zwei Wochen gehe es nun darum, die Wähler ein zweites Mal zu motivieren. Den beiden anderen Kandidaten sprach er seinen Dank aus für den fairen Wahlkampf. Mit seinen 39,2 Prozent konnte die CSU bei der Bürgermeister-Wahl im Vergleich zu 2020 (19,4 Prozent) deutlich zulegen.
Mit 23,1 Prozent ist Christoph Arz (Grüne) „happy“ und lächelte. Enttäuscht als Dritter ist er nicht. Vor sechs Jahren stellten sich die Grünen zum ersten Mal mit einer eigenen Liste zur Wahl, Christoph Arz ist der erste Bürgermeister-Kandidat. „Mehr als 20 Prozent als Grüner in einer konservativen Stadt, das ist ein richtig gutes Ergebnis.“ Während des Wahlkampfes habe er viele positive Resonanzen erhalten, was ihm zeige: Mit jungen Menschen könne man auf Augenhöhe Politik machen. „Man muss sich nicht verstecken.“ Sein gutes Abschneiden lässt ihn nun auch für die Stadtratswahl hoffen.
Nur 8.457 der 18.747 Wahlberechtigten machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Damit war die Wahlbeteiligung mit 45,1 Prozent wie schon vor sechs Jahren sehr gering. Die niedrige Wahlbeteiligung hatte sich seit den Vormittagsstunden bereits in einigen Wahllokalen abgezeichnet. Bis 18 Uhr kamen zum Beispiel gerade einmal 99 Wähler ins Rathaus. Die niedrige Wahlbeteiligung an den Urnen konnten die Briefwähler nur bedingt ausgleichen. Damit schaffte es keiner der drei Kandidaten, wieder deutlich mehr Wähler an die Urne zu holen.