Mühldorf – Die Sonne scheint, die Cafés sind voll. Am Bauernmarkt tummelten sich schon am gestrigen Freitagmorgen die ersten Besucher. Und am Hendl- und Produktestand der Firma „Obermeier-Frischeier“ gehen viele Gickerl über den Tresen. Der Familienbetrieb in Niederbergkirchen befindet sich in der sogenannten Überwachungszone. Dort lautete am vergangenen Mittwoch die Ansage: „Kein Ei darf raus, kein Ei darf rein.“ Zwei Millionen Eier durften nicht vom Hof – zumindest bis gestern Abend. „Gestern um 19.30 Uhr durften vorerst die Ostereier ausgeliefert werden. Die sind ja gekocht. Seit heute früh dürfen auch die rohen Eier raus.“ Auf dem Obermeier-Hof würden die Hühner fleißig getestet. „Bis jetzt sind alle Hühner gesund“, so eine Verkäuferin. Wie sich die Situation morgen darstellt, wisse man nicht. Das Virus ist nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erwiesenermaßen nicht für den Menschen relevant. Die Produkte stellen im Verzehr somit keine Gefahr dar. Dass die Obermeier-Produkte regional beliebt sind, zeigt sich anhand der laufenden Kundschaft am Stand. Statt großer Aufregung gibt es hier nur bunte Eier, Frischfleisch und ein „Grillhendl“. Schon am Vormittag wird mit großem Andrang eingekauft. Wenn es nach den Verbrauchern geht, zeigen sie sich eher um die Landwirte besorgt. „Alles okay bei euch? Geht’s euch gut?“, fragt ein Kunde die Verkäuferin am Hendlstand. Die Menschen zeigen Vertrauen. Bis dato gibt es im Landkreis Mühldorf in Neumarkt-St. Veit einen bestätigten Fall vom 4. März in einem Masthuhnbetrieb sowie einen im Landkreis Rottal-Inn vom 5. März, ebenfalls in einem Stall für Masthühner (wir berichteten). Ob da ein Zusammenhang bestehe, sei bis jetzt nicht gesichert. Der Ausbreitungsweg ist nach wie vor unklar. Solange das Landratsamt die Krise nicht für ausdrücklich beendet erkläre, bliebe die Lage weiterhin angespannt, bedauern die Händler auf dem Markt. „Für die betroffenen Landwirte ist das eine existenzielle Krise“, sagt die Verkäuferin. Doch wenn – so wie bei den Obermeiers – die Tiere gesund seien, gelte nur die Devise: „Den gesunden Menschenverstand behalten und wie gewohnt einkaufen“, so der Appell. Oder ganz nach dem Motto der Firma: „Tu was Gutes – kauf regional!“
Theresa Gruber