Mühldorf/Mettenheim – Für seine diesjährigen Landfrauentage hat der Bayerische Bauernverband (BBV) das Motto „Ist unsere Demokratie gefährdet?“ gewählt. Es passte gut zur Kommunalwahl und fand wieder beim Kreuzerwirt statt, dessen zwei Säle wie in den Vorjahren voll besetzt waren.
Schon bei seiner Andacht in der Kirche hatte Hauptredner Stephan Maria Alof die Frage des BBV mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet und bei seinem ersten Auftritt im Saal einen klaren Appell formuliert: „Gebt den Rechten keine Stimme“. Gastgeberin Kristina Keilhacker, stellvertretende BBV-Kreisbäuerin, und Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer hatten erneut auf eine „Talkrunde“ gesetzt. Zu der baten sie Landrat Max Heimerl, die stellvertretende Leiterin der Töginger Hauswirtschaftsschule, Susanne Berger, BBV-Bezirksbäuerin Irmgard Posch und den Trauerredner Stephan Maria Alof auf die Bühne. Die Bezirksbäuerin erinnerte an die Ernährungssicherheit. Sie bezeichnete die Landwirtschaft als wichtigen Arbeitgeber vor Ort, der die Region stärke und das „Fundament für ländliche Dörfer“ sei. Landwirte und Landfrauen förderten Werte wie Verantwortungsbewusstsein und Verlässlichkeit. „Bei den Landfrauen engagierten sich Menschen ehrenamtlich für ihr Umfeld und bilden damit eine Basis für eine funktionierende Demokratie auf allen Ebenen“, erklärte Posch. „Eine lebendige Demokratie braucht aber nicht nur Wahlen, sondern auch einen Zusammenhalt, den Programme wie ‚Schule fürs Leben’ oder ‚Erlebnis Bauernhof’ fördern.“
Der Landrat zitierte die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch, die gesagt habe, die Zufriedenheit der Menschen hinge stark an kommunalen Themen, zum Beispiel an der Kinderbetreuung, der Schülerbeförderung oder der Abfallwirtschaft. „Das Allerbeste ist, dass man mitmacht und versucht, seine Erfahrungen einzubringen“, sagte Heimerl. „Ich habe deshalb stark für Frauen in kommunalen Ämtern geworben, aber die Parität der Listen ist gescheitert, weil sich zu wenige Frauen einbringen möchten.“
Die stellvertretende Leiterin der Landwirtschaftsschule bezeichnete es als wichtig, in die Lebenswelt Jugendlicher vorzudringen und ihnen auf Augenhöhe Verantwortung zu übertragen, ihnen etwas zuzutrauen.
Zwischendurch hatte das überwiegend weibliche Publikum Gelegenheit, im Nebenzimmer die „Marktmeile“ zu besuchen. An neun Ständen boten Hobbykünstlerinnen und professionelle Anbieterinnen Gestecke, Tischläufer und Taschen, Trachtenstoffe und Schmuck an. Nachdem der Landfrauenchor mit einem Lied und einem gesungenen Tischgebet zum Mittagessen übergeleitet hatte, nahm Stephan Maria Alof nach der Mittagspause beherzt das Mikrofon in die Hand und die Herausforderung an, die Aufmerksamkeit der eifrig schwatzenden Damen zu gewinnen.
Das tat er mit sehr persönlichen Erinnerungen, die an seine Andacht anknüpften. Als er schilderte, wie er in den 1990er-Jahren in einer Zeit voller Ängste bei der Caritas mit einem Team die Betreuung von Aids-Kranken aufnahm, hörte man im Saal nur noch die Bedienungen flitzen. „Die Caritas hat sich mit als Erste um Aids-Kranke gekümmert“, berichtete Alof. „Wir haben eine Ambulanz für an Aids erkrankte Menschen und ihre Kinder aufgebaut und sie bis zum Schluss versorgt.“
Danach habe er in München nach und nach neun Cafés mit schließlich 120 Mitarbeitenden für diese Zielgruppe aufgebaut. „Wir müssen ehrlich rüberkommen, das fehlt oft bei Politikern, aber auch bei Pfarrern“, mahnte der Redner. „Wir brauchen authentische Politiker und Politikerinnen, denen wir vertrauen. Hört auf, rechte Parteien zu wählen, das sagt auch die Bischofskonferenz.“
Seit der Corona-Pandemie konzentriert sich Alof wieder auf seine Herkunft in der Palliativmedizin und ist als Trauerredner unterwegs. „Meine Ansprachen gehören nur in den ersten Minuten den Verstorbenen, dann wende ich mich den Hinterbliebenen zu.“ Dietmar fund