Kritik an den Ölkonzernen

von Redaktion

Kosten an der Tankstelle durch den Krieg im Iran deutlich gestiegen

Mühldorf – Wer heute im Landkreis Mühldorf tanken will, schreckt auf: Bis zu zwei Euro kostet der Liter an den Tankstellen. Der Krieg im Nahen Osten hat die Lieferwege für Rohöl empfindlich gestört. Ein großer Teil der weltweiten Fracht wird durch die strategisch wichtige Straße von Hormus transportiert. Angriffe auf Schiffe und Raffinerien haben kurzfristig für Unsicherheit auf den Energiemärkten gesorgt und treiben die Preise für Rohöl und damit auch für Benzin in ganz Europa nach oben – auch im Landkreis Mühldorf.

„Wir haben keinen Mangel, die Lager sind voll“

Am 28. Februar verkündete der Präsident der Vereinigten Staaten den Angriff auf den Iran. An diesem Tag lag der durchschnittliche Dieselpreis in Deutschland bei 1,74 Euro – am Abend des 3. März bei 1,93 Euro. Eine deutliche Preiserhöhung, wobei die Preise tendenziell variieren. In Mühldorf lag der Tagesdurchschnittspreis am 4. März für Super bei 1,93 Euro, für E10 bei 1,89 Euro und für Diesel bei 1,93 Euro. Vereinzelt schießen die Preise sogar über die Zwei-Euro-Marke: Bei einer Tankstelle in der Innstraße zahlt man am Nachmittag des 4. März für Super E5 knapp zwei Euro und für Diesel sogar über zwei Euro.

„Die Kraftstoffpreise werden von vielen Faktoren beeinflusst“, erklärt Bastian Hambalgo vom ADAC Südbayern. Der größte Faktor sei der Ölpreis, und „dieser steigt seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten“. Aber auch der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar, auch die Transportkosten können die Preise nach oben treiben. Durch die Blockade der Straße von Hormus müssten Reedereien teils große Umwege in Kauf nehmen. „Hinzu kommt das Verhalten der Mineralölwirtschaft“, so Hambalgo. „Der Anstieg des Rohölpreises wird meist ohne Zeitverzug an die Verbraucher weitergegeben, bevor die höheren Kosten überhaupt angefallen sind.“ Ähnliches sagt auch ein Tankstellenbesitzer aus dem Landkreis Mühldorf – allerdings möchte er anonym bleiben. Der aktuelle Preisanstieg „hat überhaupt nichts mit dem Krieg im Nahen Osten zu tun“. Eher würde die Lage ausgenutzt, um die Preise in die Höhe zu treiben. „Wir haben keinen Mangel, die Lager sind voll“, erklärt er. „Das ist meine subjektive Meinung, aber ich glaube, die Ölkonzerne können die politische Lage und Aufregung für ihre Preise ausnutzen. Deutschland bezieht nur wenig Öl aus dem Krisengebiet.“

Die Stimmung unter den Kunden sei erst mal ruhig, erzählt der Tankstellenbesitzer. „Es nützt ja nichts. Die Leute brauchen ihr Auto und da muss man einfach tanken, egal was die Preise machen.“ Beschwert hätte sich noch fast niemand: Seine Stammkunden seien ihm trotzdem noch treu. „Man kann die Situation nicht ändern, also heißt es: Reagieren statt agieren.“

Wie es mit den Preisen weitergeht, sei nicht vorherzusagen, meint ADAC-Mann Hambalgo, da nicht abzusehen sei, was in den nächsten Tagen und Wochen im Iran passiere. „Wenn die Eskalation im Nahen Osten anhält, ist nicht ausgeschlossen, dass die Preise für Benzin und Diesel weiter steigen.“ Angst vor einem Spritmangel sei aber unbegründet. „Die Tankstellen werden auch weiterhin mit Kraftstoffen beliefert.“

Hambalgo rät den Autofahrern, die Spritpreise im Auge zu behalten, diese schwanken im Tagesverlauf stark. „Daher lohnt es sich, nicht unbedingt zur Rushhour zu tanken, sondern etwa erst abends zwischen 19 und 22 Uhr. Dann sind die Preise im Schnitt am niedrigsten.“ Der Mühldorfer Tankstellenbesitzer hat dagegen beobachtet, dass die Preise zum Abend hin stark steigen. Er rät, die Tankstelle am besten morgens aufzusuchen.

In der Zwischenzeit hilft nur der Preisvergleich

Um den Überblick zu behalten, bleibt für die Autofahrer derzeit nur der Blick auf Vergleichsportale wie www.benzinpreise.de oder www.clever-tanken.de oder eine entsprechende App. Hier kann man die Benzinpreise der einzelnen Tankstellen gegenüberstellen. Außerdem gibt es bei Rosenheim24 unter www.rosenheim24.de/service/tanken/ die Preise in den unterschiedlichen Landkreisen. Theresa Gruber

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