Mühldorf – In Mühldorf kommt es am 22. März zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Michael Hetzl (UM) und Herausforderin Claudia Hungerhuber (SPD). Mit 88 Stimmen liegt Hungerhuber (3464 Stimmen, 35,1 Prozent) 0,9 Prozentpunkte vor Hetzl (3376 Stimmen, 34,2 Prozent). Der CSU-Kandidat Stefan Lasner kam mit 23,7 Prozent auf Platz drei; Christoph Schützenhofer (Grüne) ist mit 7,0 Prozent abgeschlagen. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,3 Prozent.
Um Viertel nach acht kamen Hetzl und Hungerhuber mit ihren Unterstützern in den Haberkasten. Hier hatte die Stadt zum gemeinsamen Beobachten der Auszählung eingeladen. Und der Einzug war bezeichnend. Hetzl kam mit seinen Unterstützern still und leise, nahezu unbemerkt, durch den Seiteneingang. Wenige Minuten wurde es laut. Klatschen und Jubelrufe begleiteten Hungerhuber, die den Haberkasten durch den normalen Eingang betrat. Ihre Unterstützer skandierten immer wieder „Hu-Hu-Hungerhuber“.
Um 19.50 Uhr stand
das Ergebnis fest
Die Kandidatin nahm Glückwünsche und Umarmungen entgegen, war sichtlich gerührt und geplättet, als könne sie das Ergebnis immer noch nicht so ganz fassen. Zu ihren ersten Gratulanten gehörte auch Altbürgermeister Günther Knoblauch.
Um 19.50 Uhr stand das Ergebnis fest. „Exakt wie vor sechs Jahren“, kommentierte Hetzl seine 34,2 Prozent. „Wir werden es sehr seriös und sehr reflektiert angehen.“ Am anderen Ende des Saals feierten die SPD-Anhänger. Hetzl: „Ich würde weiten Abstand nehmen von Blumengeschenken und Jubel.“ Er sei viel zu sehr Fußballer: „Wenn ich nach 90 Minuten in die Verlängerung muss, dann ist nichts zu feiern. Es ist noch nichts verloren, aber es ist auch nichts gewonnen. Wir werden als Team weiterarbeiten.“ Ansonsten: Es sei eben wie vor sechs Jahren, da hatte er die Stichwahl knapp für sich entschieden.
Hungerhuber war von ihrem Erfolg überwältigt: „Ich freue mich wahnsinnig. Ich hatte es gehofft, aber rechnen kann man nicht damit.“ Gefragt nach ihren ersten Worten, hatte sie zunächst einfach nur einen Dank: an die Wähler, an ihre Familie und an all ihre Unterstützer: „Das war eine enorme Teamleistung und ein wahnsinnig großer Einsatz von allen.“ Das Ergebnis sei „sehr gut“: „Ich stehe für glaubwürdige Politik auf Augenhöhe, wieder ein Mehr an Miteinander und gute Lösungen.“
Rod Stewart röhrt für
Claudia Hungerhuber
Im Haberkasten röhrte gerade Rod Stewart aus den Boxen als um 18.24 Uhr das erste Ergebnis aus der Kinderkrippe Königseestraße auf der Leinwand erschien: 44,2 Prozent für Hetzl, 28,1 Prozent für Hungerhuber (SPD). Schon da waren Lasner und Schützenhofer deutlich abgeschlagen.
18.29 Uhr waren neun von 34 Stimmbezirken ausgezählt und es zeichnete sich bereits ein knappes Rennen ab: Hetzl lag mit 36,6 Prozent nur noch knapp vor Hungerhuber (35,4 Prozent). Schützenhofer war aus dem Rennen und Lasner deutlich auf Platz drei.
Vier Minuten später – elf von 34 Stimmbezirken sind ausgezählt – liefern sich Hetzl und Hungerhuber ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Bürgermeister liegt nur noch 0,6 Prozentpunkte vorne. Um 19.04 Uhr dann die Wende: Hungerhuber liegt erstmals 0,2 Prozentpunkte vor Hetzl. Um 19.50 Uhr meldet die Mittelschule Mühldorf Wahlraum A ihr Ergebnis, 34 von 34 Stimmbezirke sind durch: Hungerhuber 35,1 Prozent; Hetzl 34,2 Prozent. Als Erster ist Lasner kurz im Haberkasten. Er nimmt sein Ergebnis gefasst auf, auch wenn er zugibt: „Ich habe mir mehr erhofft“, er wollte in die Stichwahl. Dennoch ist er mit seinem persönlichen Abschneiden zufrieden. Die CSU habe aber „in der alten SPD-Hochburg“ und gegen einen auch unionsnahen Bürgermeister „keinen leichten Stand“ gehabt.
CSU will erst beraten, wie sie mit Ergebnis umgeht
„Jetzt ist es spannend, was in der Stichwahl kommt“, sagt Lasner. Die CSU werde das Ergebnis im Stadtrat abwarten und sich dann in der Fraktion und im Vorstand beraten, „wie wir mit dem Ganzen jetzt umgehen“, ob es eine Wahlempfehlung geben werde. Das Ergebnis von minus 16 Prozent sei für einen amtierenden Bürgermeister nicht gut. „Da haben wir sicher etwas dazu beigetragen.“
Grünen-Mann Schützenhofer gratulierte Hungerhuber zu ihrem Erfolg. Für sich hätte er sich „ein, zwei Prozent mehr“ vorgestellt, wichtig sei aber jetzt das Stadtratsergebnis. Für die Stichwahl spricht er sich persönlich für Hungerhuber aus, die Partei habe bereits am Donnerstag zu einer Mitgliederversammlung geladen und werde eine Entscheidung treffen. „Ich wünsche der Claudia alles Gute. Ich habe einen Wahlkampf für einen Personalwechsel im Rathaus gemacht. Unser Ziel war ein neuer Bürgermeister.“