Mühldorf – Der Wahlabend ist für Bürgermeister Michael Hetzl und seine UM eine Niederlage. Die UM hat im Stadtrat zwei Mandate verloren und Hetzl bekam für das Stadtratsmandat lediglich 4.891 Stimmen, nur zwölf mehr als 2020 (4.879 Stimmen).
Nach sechs Jahren als Bürgermeister ist das bemerkenswert. Auch dass er bei der Bürgermeisterwahl im ersten Wahlgang nur auf 34,2 Prozent kam. Das ist weniger als 2020 (34,6 Prozent) und deutlich weniger als damals die Amtsinhaberin Marianne Zollner (48,5 Prozent). Ein Amtsbonus sieht anders aus; die Aufholjagd wird heuer ungleich schwerer als 2020.
Anders bei Claudia Hungerhuber. Sie geht als Führende (35,1 Prozent) in die Stichwahl; mit 7.480 Einzelstimmen hat sie den mit Abstand größten Zuspruch aller Stadtratskandidaten erhalten und den Abwärtstrend der heimischen SPD sogar leicht gedreht. Das ist Rückenwind für die Stichwahl, aber noch lange keine Garantie für den Erfolg.
Am 22. März entscheidet einzig die Mobilisierung. Wer sich ausruht und siegesgewiss ist, hat schon verloren.
Wer immer am 22. März gewinnt, er oder sie, hat im Stadtrat keine eigene Mehrheit, muss mehr denn je auch Brückenbauer sein und das Gremium einbinden. Sonst herrscht Stillstand.
Zünglein an der Waage für Mehrheiten ist weiterhin die CSU – im Stadtrat, wie auch bei der Stichwahl. Sollte sie Hungerhuber jetzt nicht unterstützen, wäre das überraschend. Zu sehr lagen CSU, Grüne und SPD in den vergangenen Monaten auf einer Linie, zu eng haben sie zusammengearbeitet, zu sehr wollte auch die CSU einen personellen Wechsel im Rathaus.
Die Grünen haben zwar einen Sitz verloren, die 13,5 Prozent scheinen aber ein tragfähiges Fundament zu sein. Liegt es doch zwischen den Ergebnissen von 2014 (10,7 Prozent) und 2020 (17,5 Prozent).
Gemessen an den Sitzen (plus zwei) und am Stimmenzuwachs ist die AfD die Gewinnerin: Sie hat sich im Stadtrat verdoppelt und den Fraktionsstatus erreicht; gleichwohl bleibt sie nur fünfte Kraft und politisch eher ein Außenseiter.
Alle Stadträte müssen jetzt wieder zur Zusammenarbeit finden und aus den zurückliegenden Monaten eine Lehre ziehen: In die Kontrollgremien dürfen nur noch Vertreter, die ihre Überwachungsfunktion auch tatsächlich wahrnehmen, Risiken frühzeitig erkennen und benennen. Ein Pro-forma geht nicht mehr: weder im Stadtrat noch in den städtischen Gesellschaften. Dafür geht es um zu viel: die Zukunft der Stadt.