Die Kommunalwahl in Mühldorf

von Redaktion

Keine eindeutigen Mehrheiten zwingen zur Zusammenarbeit

Mühldorf – In Mühldorfs neuem Stadtrat kommt es auf Zusammenarbeit an. Das ist das Ergebnis der Kommunalwahl am 8. März. In dem 30er-Gremium hat keine Partei eine eigene Mehrheit.

Die CSU ist mit 30,8 Prozent erneut die stärkste Fraktion, verliert aber einen Sitz, stellt künftig neun Stadträte; 2020 hatte sie bereits zwei Sitze eingebüßt.

Rückenwind für
Claudia Hungerhuber

Das Stadtratsergebnis gibt Claudia Hungerhuber (SPD) für die Stichwahl Rückenwind. Ihre Partei holte 20,4 Prozent; 2,5 Prozentpunkte mehr als vor sechs Jahren. Zuletzt hatte sie nur noch vier Mandate. Sie hat zwei gewonnen und stellt jetzt sechs Stadträte. Vor ihrer einstigen Stärke ist die Partei aber weiterhin entfernt.

Für Michael Hetzl (UM) ist das Ergebnis seiner Partei ein Dämpfer. Die UM hat gegenüber 2020 0,7 Prozentpunkte verloren. Sie verliert zwei Mandate und hat künftig nur noch sechs Stadträte. Sie bleibt aber mit 21,1 Prozent zweitstärkste Kraft.

Verlierer und
Gewinner der Wahl

Die Grünen haben am meisten verloren: 4,1 Prozentpunkte. 13,5 Prozent der Wähler stimmten für sie. Künftig haben sie vier statt fünf Vertreter im Gremium. Mit einem Plus von 5,2 Prozentpunkten ist die AfD die Gewinnerin des Wahlabends, konnte die Mandatszahl auf vier verdoppeln und erreicht jetzt Fraktionsstatus. Allerdings bleibt sie mit 12,5 Prozent nur fünfte Kraft.

Die Linke ist mit 1,8 Prozent zwar abgeschlagen, hat aber mit Claus Debnar weiterhin einen Stadtrat.

CSU ist gerne das
Zünglein an der Waage

CSU-Fraktionssprecher Stefan Lasner bedauert, dass seine Partei die 31 Prozent und damit den zehnten Sitz knapp verfehlt hat. „Nichtsdestotrotz sind wir weiterhin die stärkste Kraft“ und die UM sei „deutlich abgestraft“ worden. Er nimmt die Rolle als Zünglein an der Waage gerne an: „Es geht um Mühldorf.“

Bei der CSU gibt es zudem ein Novum: Erstmals sind Vater und Tochter gleichzeitig im Stadtrat und in einer Fraktion: Franz Strohmaier und seine Tochter Isabella, die von Listenplatz 20 auf Platz neun kam.

Bei der UM ist Fraktionssprecherin Karin Zieglgänsberger erneut die populärste Kommunalpolitikerin. Mit 5.142 Stimmen liegt sie – wie vor sechs Jahren schon – vor Hetzl (4.891 Stimmen). Von Listenplatz 19 holte Adolf Spirkl Platz vier und damit ein Mandat. Die bisherige Dritte Bürgermeisterin, Christa Schmidbauer, die kurz vor der Wahl von der SPD zur UM gewechselt ist, bleibt vorerst draußen und ist erste Nachrückerin ihrer Partei.

„Bedauerlich, dass AfD
Gewinner der Wahl ist“

„Es ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, sagt Fraktionssprecherin Zieglgänsberger. Ihre Gruppierung sei zwar stabil geblieben, habe aber zwei Sitze verloren. „Es ist bedauerlich, dass die AfD Gewinner der Wahl ist.“ Jetzt konzentriere sich die UM auf die Stichwahl. „Wir werden die Fakten und wo wir hinwollen noch stärker herausstellen.“ Sie hofft auf Stimmen aus allen Lagern: „Ich distanziere mich aber ganz klar von links- und rechtsextremen Ideen und Gedankengut.“ Bei den Grünen ist Kathrin Enzinger (3.251 Stimmen) am populärsten, noch vor dem Bürgermeisterkandidaten Christoph Schützenhofer. Fraktionssprecher Dr. Matthias Kraft bedauert den Verlust eines Mandats: „Das haben wir aber mit Realismus erwartet.“ Er freut sich, weiterhin vor der AfD zu liegen und die Arbeit mit einem „stabilen Team“ fortsetzen zu können.

Stimmenkönigin unter allen Stadträten ist Claudia Hungerhuber. Sie bekam 7.480 Stimmen, doppelt so viele wie der zweite SPDler: ihr Ehemann Edwin (3.709). Damit liegt Hungerhuber auch vor Lasner (6.568) und Hetzl (4.891). SPD-Fraktionssprecherin Angelika Köbl, die noch den Sprung in den Stadtrat schaffte, ist zufrieden. Hungerhuber habe einen guten Ausgangspunkt für die Stichwahl. Die fehlende eigene Mehrheit würde sie nicht stören: „Es entspricht unserer Mentalität, dass man miteinander reden und Kompromisse schließen muss.“ Wichtig sei es, zum Wohle der Stadt eine lösungsorientierte Sachpolitik zu betreiben, „damit der Stillstand endlich ein Ende findet“.

Mühldorf ist kein
einfaches Terrain

„Wir haben uns verdoppelt. Damit haben wir unser Ziel erreicht“, erklärt AfD-Fraktionssprecher Oliver Multusch. Die Partei liege im allgemeinen Trend und Mühldorf sei für sie kein einfaches Terrain. „Die Wähler haben entschieden. Das ist Demokratie.“

In Mühldorf waren 15.792 Stimmberechtigte zur Wahl aufgerufen. 9.964 gaben ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung lag damit bei 63 Prozent.

Artikel 5 von 11