Neumarkt-St. Veit – „Überwältigt“, sagt Peter Gruber, Fraktionschef der CSU im Neumarkt-St. Veiter Stadtrat, kurz und knapp, wenn man ihn auf das Ergebnis der Stadtratswahl anspricht. „Ich hätte nicht geglaubt, dass wir wieder neun Sitze schaffen.“ Starke Frauen und engagierte junge Leute, wie Lukas Dietrich (1.542 Stimmen) oder Georg Grubwinkler (1.488 Stimmen), „verjüngen den Stadtrat, tun ihm gut“.
Politik ohne Parteibuch
zum Wohl der Stadt
Gruber freut sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit. „So wie in den vergangenen sechs Jahren“, betont der CSU-Fraktionschef. „Wir haben immer so entschieden, wie es für die Stadt am besten war. Wir hatten nie das Parteibuch in der Hand, und das war gut.“
Nie hätte er geglaubt, dass CSU-Kandidat Streck schon im ersten Wahlgang die Mehrheit zum Bürgermeister holt. Mit Blick auf die UWG-Liste, die nicht viele Überraschungen bietet, sieht Gruber dennoch ein „Weiter so“. Anstelle von Egbert Windhager, der sich nicht mehr aufstellen lassen wollte, sei Felix Rauscheder nachgerückt. „Sonst ist alles beim Alten geblieben.“
War sich Ulrich
Geltinger zu sicher?
Demut hört man bei SPD-Ortsvorsitzendem Ulrich Geltinger. Der politische Mainstream laufe derzeit nicht zugunsten der Partei, wie sich etwa in Baden-Württemberg beobachten lasse. Ihn beschäftige die Sorge, dass die SPD zunehmend in die Bedeutungslosigkeit abrutschen könnte. Aus seiner Sicht müsse auch über einen personellen Austausch im Bund nachgedacht werden, „sonst wird‘s duster“.
Es sei jetzt schon schwierig, Kandidaten für eine SPD-Liste zu finden. Die Entscheidung, dass er auf den fünften und letzten Platz gegangen sei, hält er nach wie vor für richtig. „Als Ortsvorsitzender will ich mich da nicht vordrängen!“ Auch wenn er jetzt, nach 30 Jahren im Stadtrat, außen vor bliebe. „Das ist eine Entscheidung der Bürger gewesen. Das akzeptiere ich.“
Als positiv bewertet er zudem, dass es keine Stichwahl geben wird. Eine zusätzliche Abstimmungsrunde hätte seiner Ansicht nach in den folgenden zwei Wochen unnötig für Konflikte und „böses Blut“ gesorgt und wäre für die Zusammenarbeit im Stadtrat letztlich kontraproduktiv gewesen.
„Es sind viele junge Leute im Stadtrat vertreten. Der Wechsel an der Spitze bringt neuen Wind“, ist er sich sicher. Dass es zehn Frauen ins Gremium geschafft haben, freut ihn besonders: „Eine gute Mischung!“
Fraktionschef der UWG
plötzlich Wackelkandidat
Der aktuelle UWG-Fraktionschef Christian Perau war Wackelkandidat, hat es gerade noch in den Stadtrat geschafft. Er bedauert, dass Peter Hobmaier sein Ziel verfehlt hat, seinen Herausforderer in die Stichwahl zu zwingen.
Er hatte viel Zeit in den Wahlkampf investiert, viel Herzblut hineingesteckt. Das Ziel – zehn Stadtratsmandate – habe man nicht erreicht. „Obwohl ich mir primär bei Günther Ohneis, Marco Loibl und Alois Ehmaier mehr Zustimmung erwartet hätte. Alle drei sind schließlich in Vereinen stark engagiert“. Doch Ehmaier ist lediglich Nachrücker (1.099 Stimmen), dahinter hat sich Ohneis eingereiht (1.022), und Loibl mit einem aussichtsreichen sechsten Listenplatz landete gar nur auf dem zwölften Rang (950).
Bürgermeister muss sich
Mehrheiten suchen
Auch Perau hält den Frauenanteil für bemerkenswert. Dass die CSU inklusive Bürgermeister nicht die absolute Mehrheit hat, mache die Arbeit im Stadtrat interessant. „Wir von der UWG wollen gut mit ihnen zusammenarbeiten, weil es in Neumarkt um die Themen geht und nicht um die Farbe.“
Die Stimmen von Grün und Rot könnten wegweisend werden bei so mancher Entscheidung. Ob er Fraktionschef bleibt, lässt Perau offen. Das hätten die Leute, die weiter vorn das Mandat erhalten hätten, zu entscheiden.
Grüne haben lange
auf drei Räte gehofft
Thomas Döring von den Grünen verhehlt nicht, dass er nach dem Wahlabend frustriert gewesen sei. Als Bürgermeisterkandidat hatte er mit mehr Zuspruch gerechnet, „auch wenn ich bei der Bürgermeisterwahl nicht der Favorit war“. Aber nicht einmal 15 Prozent? Das sei enttäuschend gewesen.
Zur Wahl in den Stadtrat sagt Döring, dass bis lange in die Nacht hinein die Hoffnung groß gewesen sei, drei Grüne in das Gremium zu bringen. Marion Langrieger lag lange aussichtsreich im Rennen. Doch die Hoffnung darauf, der CSU diesen Platz streitig zu machen – die hatte eine Zeit lang nur acht Sitze –, schwand mit jeder einzelnen Stimme der Briefwahlauszählung.
Grüne als Zünglein
an der Waage
Den Grünen mit ihren beiden Stadträten misst Döring eine besondere Bedeutung bei knappen Entscheidungen bei. „Der Wind hat sich gedreht, das Pendel schlägt in eine andere Richtung. Ich bin gespannt, was passiert, hinsichtlich der großen Versprechungen, die gemacht wurden. Es wurden einige Veränderungen angekündigt.“
Er bleibt aber zuversichtlich: „Die vergangenen sechs Jahre waren sehr harmonisch. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Denn eigentlich haben wir eine Pattsituation, keine klare Mehrheit. Eine umso größere Bedeutung könnten dadurch die Grünen haben.“