Kommentar

Frauenpower und frischer Wind

von Redaktion

Neumarkt-St. Veit – Vier Kandidaten wollten das Erbe von Erwin Baumgartner antreten. Der eine etwas jünger, der andere dafür umso erfahrener, mit dabei eine Frau und dann noch ein Grüner: Die Neumarkter Wähler hatten tatsächlich die Qual der Wahl, zumal jeder der Bewerber um den Chefsessel im Neumarkter Rathaus Qualitäten mitbrachte. Dass sich der CSU-Kandidat gleich im ersten Wahlgang durchsetzen würde, daran hatte niemand gedacht. Darüber waren selbst die CSUler überrascht.

Zumal die Nominierung von Stefan Streck holprig war. Schließlich hatte sich erst CSU-Ortsvorsitzender Fabrizio Chinarello selbst ins Spiel gebracht, bevor er vom Vorstand der Neumarkter CSU ausgebremst worden war. Binnen kürzester Zeit schaffte es dann ein Jungspund der CSU, sich optimal auf den Wahlkampf vorzubereiten. Mutig stellte er sich dem Wahlkampf, nahm kein Blatt vor den Mund, strotzte vor Selbstbewusstsein.

Streck profitierte am Ende davon, dass die Neumarkter tatsächlich einen Wechsel wollten. 24 Jahre lang war das Rathaus fest in UWG-Hand. Die Bürger wünschten jetzt frischen Wind. Selbstkritisch musste selbst der UWG-Bewerber Peter Hobmaier anerkennen, dass er mit seinen 58 Jahren nicht für diesen neuen Schwung stehen konnte.

Thomas Döring präsentierte sich vielversprechend, ist im Ort bekannt und hätte für das Bürgermeisteramt das richtige Alter. Aber ganz ehrlich: Es wird noch dauern, bis ein Vertreter der Grünen als Bürgermeister in ein Rathaus im Landkreis Mühldorf einziehen wird, noch dazu in einem ländlich geprägten Ort wie Neumarkt.

Auch Madlen Winterer ging engagiert zur Sache, war eloquent, überzeugte mit klugen Beiträgen im Wahlkampf. Letztlich ist sie (noch) zu wenig bekannt in Neumarkt-St. Veit. Das schlechte Image der SPD im Land, aber auch die immer wieder platzierte Kritik der bisherigen SPD-Stadträte zum längst sanierten Stadtplatz mögen außerdem eine Rolle dabei gespielt haben, dass die Neumarkter genervt ihre Kreuzerl woanders gemacht haben. Die Abwahl von Ulrich Geltinger nach 30 Jahren im Stadtrat ist bezeichnend.

Vielleicht ist die Rottstadt weiterhin nicht bereit für eine Frau am Steuer. Dass der nächste Stadtrat aber zu 50 Prozent aus Frauen besteht, ist ein spannendes Signal für die Zukunft.

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