Mühldorf – Ratatouille ist nicht nur ein geschmorter Gemüseeintopf aus der provenzalischen Küche Nizzas, sondern auch ein Café an der Münchener Straße. Es ist allerdings kein herkömmliches Café, sondern eines mit sozialem Charakter. Dahinter steckt die Caritas, die vor zwei Jahren das Ratatouille eröffnete.
Das Café zeichnet sich nicht nur durch wohlschmeckende Tagesgerichte aus, es präsentiert sich zudem mit Mitarbeitern, die in einer schwierigen Lebenssituation stecken und wieder Struktur aufbauen möchten. Arbeitsanleiterin und „Herzstück“ im Ratatouille, Manuela Schwall, erklärt die Situation: „Leute mit Handicap oder mit einer Erwerbsminderungsrente können in unserem Café eine sinnstiftende Tätigkeit finden.“
Arbeit bietet Struktur
und Selbstvertrauen
Die Arbeit, auf maximal 15 Stunden pro Woche begrenzt, biete soziale Teilhabe und Selbstvertrauen. „Außerdem werden Fähigkeiten gestärkt“, unterstreicht Arbeitsanleiter Andreas Koos. Die Maßnahme, die unter der Überschrift Zuverdienstprojekt läuft, wird vom Bezirk Oberbayern mitfinanziert. „Wir sind aber schon noch stark auf den Umsatz im Café angewiesen“, hält Patricia Sirl, Mitglied in der Geschäftsleitung der Caritaszentren Mühldorf und Ebersberg, fest. Das soziale Projekt wendet sich an erwerbsunfähige Menschen, die an einer Suchterkrankung und/oder an einer psychischen Erkrankung leiden sowie mit körperlichen Einschränkungen konfrontiert sind. Für Langzeitarbeitslose sei die Beschäftigung im Café ebenfalls geeignet, heißt es vonseiten der Geschäftsleitung.
Die Caritas beschäftigt einen Koch, der aus überwiegend regionalen Produkten täglich unterschiedliche Menüs auf den Tisch bringt. Die Klienten werden in der Küche für Schnippelarbeiten oder zum Spülen eingesetzt. Aber auch Salate zubereiten und Teller anrichten gehören zu den Aufgaben. Wer es sich zutraut, darf sogar Nachspeisen kreieren.
Die Arbeitsanleiter unterstützen die Betreuungsbedürftigen in sämtlichen Belangen. Wie Manuela Schwall betont, ist es das große Ziel, die einzelnen Klienten für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Die Motivation, etwas im Leben zu verändern, müsse allerdings von den Betroffenen selbst ausgehen.
Scheu oder Angst brauche jedoch niemand zu haben, der im Caritas-Café anklopfe, versprechen die Arbeitsanleiter. „Einfach vorbeikommen und nachfragen“, sagt Andreas Koos und ergänzt: „Bei uns zählen Respekt, Wertschätzung und Anerkennung.“ In den vergangenen zwei Jahren sei es gelungen, einige Klienten weiter zu qualifizieren, damit sie auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben.
Die Verantwortlichen im Ratatouille bedauern, dass das Café in der Bevölkerung auch nach zwei Jahren offenbar immer noch nicht richtig wahrgenommen wird. „Wir sind ein ganz normales Café, in das jeder einkehren kann, auch wenn an unserem Haus das Caritas-Siegel angebracht ist“, stellt Patricia Sirl klar.
Sie verweist auf das angenehme Ambiente im Lokal, auf die Sonnenterrasse und auf die frischen, gesunden Speisen, die jeden Mittag nicht nur im Ratatouille, sondern auch zum Mitnehmen angeboten werden. Das Tagesgericht kostet 7,50 Euro.
Wie Manuela Schwall bestätigt, werde auf die Herkunft der Produkte geachtet, was im Klartext nach ihren Worten bedeutet: „Wir bevorzugen Lieferanten aus der Region und sorgen so für Frische, Qualität und Nachhaltigkeit.“
Ratatouille freut sich
auf neue Gäste
Eine Spezialität des Hauses sind neben Kuchen selbst gebackene Waffeln, die hervorragend zu einer Tasse Kaffee passen. Das Café empfiehlt sich außerdem für Veranstaltungen und kann zusätzlich ein Catering übernehmen. Das Ratatouille-Team freut sich auf neue Gäste und auf Menschen, die sich für das Zuverdienstprojekt interessieren. „Es sind noch einige Plätze frei“, verkündet Koos. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage unter www.caritas-cafe-ratatouille.de.