Mühldorf – Am Montag herrschte ab 21 Uhr Riesenaufregung bei der Firma ODU. Zahlreiche Feuerwehren – unter anderem aus Mühldorf, Waldkraiburg, Neumarkt-St. Veit und Gars – rückten an sowie Krankenwagen und Polizei. Auch der Abroll-Container „Umweltschutz“ der Feuerwehr, der bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen zum Einsatz kommt, rollte auf das Firmengelände.
Die Feuerwehren waren mit fast 100 Einsatzkräften vor Ort, der Rettungsdienst mit knapp 30 Einsatzkräften, teilt die Polizei mit. Mit schwerem Atemschutz und in Schutzanzügen erkundeten schließlich Einsatzkräfte eine Produktionshalle.
Die Ursache für den Einsatz war laut ODU-Pressemitteilung: Auf dem Betriebsgelände war es „zu einem kurzzeitigen Austritt von Kohlenmonoxid“ gekommen. Rettungs- und Einsatzkräfte seien vorsorglich vor Ort gewesen. „Zu keiner Zeit bestand eine Gefahr für die Bevölkerung.“
Kohlenmonoxid ist ein Atemgift, das den Sauerstofftransport im Blut blockiert und so unbemerkt zu Bewusstlosigkeit und Tod führen kann. Schon niedrige Konzentrationen verursachen Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Benommenheit, die leicht mit Infekten oder Erschöpfung verwechselt werden.
„Es war in der Größenordnung kein alltäglicher Einsatz“, sagt Martin Strasser, Kommandant der Feuerwehr Mühldorf. Aber nicht wegen des Kohlenmonoxids, sondern wegen des Schichtbetriebs. Rund 200 Mitarbeiter mussten die Gebäude verlassen.
Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24.de erklärt ODU-Sprecherin Nicol Schindl-beck, dass Mitarbeiter das Gas rechtzeitig bemerkt und entsprechend ihren Schulungen vorsorglich die Meldekette ausgelöst hätten. Nach ersten Informationen sind aus einem Container Dämpfe ausgetreten und hätten sich dann zu Kohlenmonoxid entwickelt. „In diesem Fall“, so Feuerwehrkommandant Strasser, war das Gas aber nicht geruchlos und wurde deshalb rechtzeitig bemerkt.
Wie und warum es genau zu dem Vorfall gekommen ist, werde noch untersucht, erklärt die ODU-Sprecherin. Es könne noch ein paar Tage dauern, bis hier Antworten vorliegen. Die Polizei Mühldorf ermittelt in enger Abstimmung mit der Kriminalpolizei Mühldorf den genauen Hergang.
Vorfälle sind bei ODU selten. Im Oktober 2021 verletzte heißer Wasserdampf vier Mitarbeiter. Im Oktober 2020 kam es zu einem Gasaustritt; verletzt wurde damals niemand.
Kohlenmonoxid ist ein Atemgift, das auch im privaten Bereich immer wieder gefährlich wird. „Es ist schwer nachweisbar und schnell tödlich“, weiß Kommandant Strasser. Im Januar kam es in Unterneukirchen zu einem Großeinsatz, nachdem ein Mann seine Wohnung mit einem Holzkohlegrill beheizen wollte. Aber auch schlecht gewartete und schlecht betriebene Feuerstätten, Schwedenöfen und Gasthermen oder blockierte Abzüge können gefährlich werden.
Strasser rät: „Regelmäßig prüfen und kein feuchtes Heizmaterial, das nicht vollständig verbrennt, verwenden.“ Weitere Möglichkeiten der Vorsorge sind: regelmäßiges Lüften oder CO-Melder kaufen.
In der Nacht von Montag auf Dienstag kamen fünf ODU-Mitarbeiter vorsorglich ins Krankenhaus. „Alle konnten noch in der Nacht nach vollständigen medizinischen Checks wieder entlassen werden“, schreibt das Unternehmen. „Wir sind froh, dass nichts passiert ist und die Mitarbeiter richtig gehandelt haben“, ist Schindlbeck erleichtert.
Weitere Mitarbeiter kamen nicht zu Schaden, auch nicht die Gebäude oder Anlagen. „Lediglich die Nachtschicht musste aufgrund des laufenden Einsatzes ausfallen“, erklärt ODU. „Das Unternehmen dankt allen Einsatzkräften für ihren schnellen, engagierten und vorbildlichen Einsatz.“ esc